Europakoordinatorinnen 
der Weltfrauenkonferenz der Basisfrauen
01.08.2026
Protestresolution gegen die Instrumentalisierung des Anschlags auf den Berliner CSD
Als europäischen Koordinatorinnen der Weltfrauenkonferenz der Basis bekunden wir unsere Solidarität mit den Betroffenen des feindlichen tödlichen Anschlags auf den Berliner Christopher Street Day. Unsere Gedanken sind bei den Angehörigen der Getöteten, den Verletzten und allen, die durch diese Tat traumatisiert wurden. Dieser Angriff richtete sich gegen Menschen, die für Freiheit, Selbstbestimmung und gleiche Rechte einstehen. Er verdient unsere uneingeschränkte Verurteilung. Ebenso nahm der diesjährige CSD ein klare antifaschistische Position ein, was bereits im Motto ersichtlich wurde.
Ebenso entschieden wenden wir uns jedoch gegen die politische Instrumentalisierung dieses Verbrechens.
Kaum waren die Hintergründe der Tat bekannt, wurden aus Teilen der Bundesregierung und konservativen Parteien Forderungen nach mehr Überwachung, schärferen Maßnahmen gegen sogenannte „Gefährder“ und einer weiteren Verschärfung der Migrationspolitik laut. Statt den Schutz von LGBTI+ Personen in den Mittelpunkt zu stellen, wird der Anschlag genutzt, um Forderungen rund um verschärfte Überwachung und reaktionäre Migrationspolitik voranzutreiben. Gleichzeitig wird über die massenhaften Angriffe auf die CSDs von Neo-Nazis und Rechtsextremen in den letzten Jahren geschwiegen.
Ebenso widersprüchlich ist es, wenn die Bundesregierung islamistische Gewalt verurteilt, zugleich aber mit autoritären oder islamistischen Regierungen kooperiert, Abschiebeabkommen mit der Taliban schließt oder Waffen an Staaten liefert, in denen LGBTI+-Personen systematisch verfolgt werden. Menschenrechte dürfen nicht je nach außenpolitischem Interesse unterschiedlich bewertet werden.
Wir lehnen entschieden jede Form von Islamismus ab. Islamistische Ideologien sind mit den Grundsätzen von Freiheit, Gleichberechtigung und sexueller Selbstbestimmung unvereinbar. Doch ebenso lehnen wir es ab, einen terroristischen Anschlag zum Anlass zu nehmen, pauschal gegen Migranten und Geflüchtete Stimmung zu machen oder rassistische Debatten weiter anzuheizen.
Eine Politik, die Hass mit weiterer Ausgrenzung beantwortet, schützt niemanden. Sie vertieft gesellschaftliche Spaltungen und stärkt letztlich genau jene Kräfte, die von Angst und Polarisierung leben.
Wer LGBTI+ Leben tatsächlich schützen will, muss konsequent gegen jede Form von Hetze vorgehen – unabhängig davon, ob sie von islamistischen Gruppen, rechtsextremen oder faschistischen Organisationen und Parteien, religiösen Fundamentalist oder anderen Akteuren ausgeht. Ebenso braucht es den Schutz Geflüchteter mit LGBTI+ Identität, sichere Asylverfahren, den Ausbau von Beratungs- und Schutzangeboten sowie eine Politik, die Menschenrechte universell verteidigt.
Die Rechte von LGBTI+ sind keine politische Kulisse, die dann hervorgeholt wird, wenn sie sich zur Legitimation einer repressiven Sicherheits- oder Migrationspolitik eignen!
Unsere Solidarität gilt den Betroffenen des Anschlags – nicht seiner politischen Instrumentalisierung!
Europakoordinatorinnen der Weltfrauenkonferenz der Basisfrauen
