Griechenland: Interview mit Voula Taki

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1. In den vergangenen Wochen sind wir Zeuge eines fortschreitenden „finanziellen Putschversuchs“ in Griechenland durch die EU, EZB und IWF geworden. Besonders nach der Entscheidung der griechischen Regierung ein Referendum durchzuführen, in welchem die griechische Bevölkerung aufgefordert ist mit „Nein“ oder „Ja“ über den Vorschlag der Troika abzustimmen. Aufgrund dieser Entscheidung erleben wir in den Letzen Tagen einen harten, barbarischen und nicht-verhandelbaren Kurs des Kapitals und der EU, die glauben, sie könnten sich wie Kolonialherren verhalten und herrschen (siehe Erklärungen von Juncker, Schäuble, Merkel, etc.). Sie haben diese terroristische Attacke mit Hilfe ihrer „Diener/Beschützer“ organisiert – dem nationalen Kapital, den herrschenden wirtschaftlichen Klassen und den Medien (Banken haben geschlossen, haben die Bargeldauszahlung auf 60€ am Tag beschränkt, ?…,  konstante Einschüchterungsversuche  durch die privaten Medien, Organisierung von Gegendemonstrationen etc.). Es ist wie ein regelrechter Klassenkampf.

Gegen ihre terroristischen Angriffe organisieren die sozialen Bewegungen, Initiativen (wie wir) und politischen Parteien der SYRIZA und ANTARSYA jeden Tag große Demonstrationen und Märsche. Ihre hauptsächlichen Forderungen richten sich gegen die EU, EZB und IWF wie beispielsweise: „ NEIN zu der Erpressung durch EU/EZB/IWF! NEIN zu EURO/EU7Schulden – NEIN zum neuen Memorandum!!“, „Vorwärts, lasst den Kopf nicht hängen . der einzige Weg ist Widerstand und Kampf!“

 

Und einige fordern:

„ Die Regierung muss alle Verhandlungen mit den Erpressern beenden

– Sofortiger Stopp von Zahlungen und Schuldenbegleichungen

– Unilaterale Annullierung der Gesetze des Memorandum und vollständige Widerherstellung aller Arbeiter- und Bürgerrechte

– Nationalisierung des Bankensystems und Geschäftsstrategien

– Vermögen und Reichtum besteuern statt es von den Arbeitnehmern zu holen

– Bruch mit EU und Euro

NEIN zu Erpressung und kein neues Memorandum

Große Kämpfe  – Jetzt!“

 

2.

Jeder weiß, was die Griechen in den letzten 5 Jahren durch die gewaltigen Angriffe in der Wirtschaftskrise durchgemacht haben. Die ehemaligen Regierungen unseres Landes haben auf Befehl der IWF, EZB und der EU über Nacht all unsere Rechte im Namen der Schuldentilgung zerstört.

 

Insbesondere Frauen sind hart von den Sparmaßnahmen betroffen, da wir immer:

 

– die ersten sind, die entlassen werden und die letzten, die eingestellt werden

– diejenigen mit der höchsten Arbeitslosenrate sind (unter jungen Frauen liegt sie derzeit bei 67%)

– diejenigen sind, die aufgrund ungleicher Bezahlung in den vorangegangenen Jahren, von ihrer Rente nicht leben können

– eine große Zahl von Frauen arbeitet ohne Sozialversicherung

– diejenigen sind, die als erste Opfer von Gewalt auf der Straße, Belästigung auf der Arbeit oder häuslicher Gewalt werden (Wir wissen von der SOS Hotline dass sie in den letzten drei Jahren 18000 Anrufe wegen Vorfällen mit Gender bezogener Gewalt erhalten haben)

– diejenigen sind, die die Last des Rückbaus der Sozialleistungen im Gesundheitswesen und der Bildung zu tragen haben (durch die Übernahme der Pflege der Alten, der Kranken und der Kinder)

– diejenigen sind, die in öffentlichen Krankenhäusern nicht länger umsonst entbinden können und deren Neugeborenen als „Hypothek“ gesehen werden.

– diejenigen sind, die oft kein Essen und keine Kleidung für unsere Kinder haben (Laut UNICEF angaben in 2011-2012:

– ist die Kinderarmut um das doppelte gestiegen und 322.000 Kinder leiden Hunger)

– 44% der Haushalte melden unzureichende Bedingung für ihre Kinder

32.000 Schüler/innen sind mit Verpflegungsunsicherheit konfrontiert (so wird Hunger offiziell bezeichnet)

 

  1. Während dieser Attacken der IWF; EZB und EU haben wir 2011 eine Initiative gegründet, die „Fraueninitiative gegen Schulden und Sparmaßnahmen“ (Women’s Initiative against debt and austerity measures). Unser Ziel war es mit anderen Bewegungen eine Front aufzubauen, die Widerstand gegen die neo-liberalen Attacken auf unsere Gesellschaft leistet.

Die Fraueninitiative hat verschiedenste Aktionen entwickelt, bezüglich aller oben aufgeführter Themen, da diese von der Memorandum Politik unserer Regierungen und der Troika „kreiert“ wurden.

 

Wir haben Veranstaltungen in den Bezirken von Thessaloniki organisiert, wo wir die Dokumentation „Debtocracy“ über die Schulden gezeigt haben. Unser Anliegen war es zu zeigen, dass nicht die Bevölkerung verantwortliche für die  Schulden sind und sie daher auch nicht zahlen sollten.

Wir haben an allen großen Demonstrationen und Märschen der Gewerkschaften teilgenommen. Wir haben eine große Kampagne gegen die Sparmaßnahmen, die das öffentliche Gesundheitssystem aufgelöst haben durchgeführt. Unser Slogan dabei war „Freie Gesundheitsversorgung für alle“. Wir haben in antirassistischen und antifaschistischen Bewegungen partizipiert, welche in letzter Zeit enorm zunehmen.

 

Unter den gegebenen Umständen, hat die Fraueninittiative ein Solidaritäts – und ein Frauenlokal aufgebaut, welches sich an alle Frauen und besonders alleinerziehende Mütter und Singlefrauen richtet.

Es ist ein offener Ort, wo alle angehört werden, so dass wir durch unsre Selbstorganisierung in die Lage kommen, den Veränderungen die durch die IWF aufgezwungen werden Widerstand zu leisten und wir hoffen kollektiv Lösungen für unsere Probleme zu finden.

Der Frauen Solidaritätstreff (wie ein Frauenhaus) ist von 10 Uhr morgens bis spät am Abend geöffnet und bietet an:

– juristische Beratung in Gesundheitsfragen oder bezgl. Häuslicher Gewalt

– Abende mit gemeinsamem Kochen und Essen

– Unterricht, Gespräche und Diskussionen, Filmvorführungen

– direkte Aktionen bezgl. Akuter Probleme durch die Politik des Memorandums der Regierung (Strom Kürzungen, Zwangsvollstreckungen

, zurückgehenden oder gar keine Gesundheitsvorsorge,..)

Mit unserem Motto „ Keine Frau in der Krise allein lassen!“ antworten wir auf die anachronistische Kultur von Angriffen, Barbarei mit einer anderen Kultur, einer Kultur der Solidarität, selbst-Organisation, Kooperation, gegenseitiger Hilfe und direkten Aktionen in unserer Bewegung (Zugang zu was noch übrig ist von unserem Gesundheitssystem, Immigrantenzenteren, Ärzte der Welt, Bürgerinitiativen, etc.

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2.Teil

 

Wir waren erfolgreich mit unserem Frauen Solidaritätstreff und hatten kleine Erfolge!

Insbesondere haben wir in Griechenland ein Problem mit den Kürzungen im Elektrizitätsbereich, da viele Menschen und besonders alleinerziehende Mütter und arbeitslose Frauen die zusätzlichen Steuern, welche von der Regierung kürzlich mit den Stromrechnungen verknüpft wurden, nicht mehr zahlen können. Darum haben wir die Initiativen der Nachbarschaften eingeladen und den Protest unter dem Motto „ Kein Haus ohne Strom“ vor dem zentralen Gebäude der Stromversorgung organsiert. Nach unserem Treffen mit dem Leiter dort, haben wir erreicht, dass die Häusern von 2 Frauen wieder an Strom angeschlossen und sie einen Sozialtarif 28 zahlen, nur für den Strom – keine Steuern – in verschiedenen  Raten, z.B. 30  im Monat.

 

Auch sind wir in Krankenhäuser gegangen und haben gefordert, dass die Frauen ohne zu bezahlen untersucht werden.

 

Und kürzlich haben wir es durch unser Einschreiten geschafft, dass das Kind einer Immigrantin in den Kindergarten gehen kann ohne zu bezahlen und haben ihr die notwendigen Papiere beschafft, damit sie legal in unserem Land bleiben kann.

 

Gerade in dieser Zeit der barbarischsten Angriffe des Kapitals und der EU, versuchen wir ihre Angst zu kultivieren ihre „Diener/Beschützer“ und die Medien zu benutzen, wir als Frauen Solidaritätstreff versuchen, diesen Terror zu beantworten, indem wir zusammenstehen und an großen Demonstrationen und Märschen, die jeden Tag in Griechenland stattfinden, teilnehmen.

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