Theoretisches Seminar der Weltfrauenbewegung: Impulsreferat zur Befreiung der Frau (3. Tag)

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Monika Gärtner-Engel und Halinka Augustin, November 2018

Liebe Freundinnen, liebe Genossinnen,

ich verlese ein gemeinsames Referat von Monika Gärtner-Engel, ehemalige Europakoordinatorin und Ideengeberin der Weltfrauenkonferenz und dieses Seminars – und mir.  Monika ist auch Mit-Autorin des Buches „Neue Perspektiven für die Befreiung der Frau“, das inzwischen in sieben Sprachen übersetzt wurde und in zahlreichen Ländern der Erde studiert und diskutiert wird. Leider kann sie nicht persönlich teilnehmen, sendet uns aber herzliche Grüße und wünscht uns viel Erfolg. Obwohl sie nicht hier sein kann, haben wir sie gebeten, um Mitarbeit an diesem Impulsbeitrag zum Thema gebeten, das auch auf dem genannten Buch basiert! Diesen werde ich nun verlesen

Liebe Freundinnen und Genossinnen,

Die internationale kämpferische Frauenbewegung hat sich in den letzten Jahren unübersehbar gestärkt, große Errungenschaften erkämpft und bedeutende Fortschritte erreicht.

Werfen wir nur einen Blick allein auf die letzten Monate:

  • Seit Juli kämpfen Tausende Arbeiterinnen von You Li International in Kambodscha. Kürzere Vorgaben verschärfen die Arbeitsbedingungen. Wer Vorgaben nicht einhält, bekommt den Lohn gekürzt, das wird auch bei Schwangeren angewendet.
  • Am 18. September traten in Swasiland 10.000 Arbeiterinnen und -arbeiter von fünf Textilfabriken in den Streik für höhere Löhne und bessere Arbeitsbedingungen – gewaltsamen Angriffen durch die Polizei zum Trotz.
  • Seit Ende September streiken in Indonesien Tausende Arbeiterinnen der Bekleidungsfabrik PT II Jin Sun, weil sie über Monate keinen Lohn erhielten.
  • Zwei Monate streikten Textilarbeiterinnen in Myanmar für bessere Arbeitsbedingungen. Die Forderungen wurden weitgehend erfüllt. Die Geschäftsleitung bestellte Schlägertrupps. Seitdem organisieren die Frauen ein Protestcamp vor der Fabrik.
  • Ende Oktober streikten 3000 Arbeiterinnen der Bekleidungsfabrik Ivory Vietnam gegen zuviele Extraschichten, geringe Zulagen und überteuertes Kantinenessen.

Fazit: immer mehr Frauen werden Teil des internationalen Industrieproletariats und der  Arbeiterklasse. Sie bilden das Rückgrat der kämpferischen Frauenbewegung. Vorne dran die vielen Textilarbeiterinnen weltweit.

Auch in vielen anderen Bereichen kämpfen werktätige Frauen für höhere Löhne und Anerkennung ihrer Arbeit. Die gewerkschaftliche Frauenbewegung erstarkt:

  • Im November streikten 4.500 – großteils weibliche – Beschäftigte der Mariott-Hotels in den USA „Ein Job muss reichen“, aber auch für Arbeitssicherheit, insbesondere besseren Schutz vor sexueller Belästigung.
  • Teearbeiterinnen in Sri Lanka legten für einen Tag nicht nur alle Teeplantagen im größten Anbaugebiet lahm, sondern auch den gesamten Verkehr der Stadt. Sie kämpfen für Löhne, von denen sie ihre Familie ernähren können.
  • Am 31. Oktober traten Tausenden Mittagessen-Helferinnen in indischen Bundesstaat Tamil Nadu in unbefristeten Streik – und starteten mit einer Straßenblockade. Sie fordern höhere Löhne, Mutterschutz und Rentenversicherung.
  • Pflegekräfte, Hebammen und Krankenschwestern kämpfen in den Niederlanden, in Spanien, 12 Wochen Streik mit der Gewerkschaft ver.di an den Uni-Kliniken Essen und Düsseldorf in Deutschland, Demonstrationen in 13 Städten in Neuseeland,
  • 000 Beschäftigte in Kalifornien, 8.000 (vor allem weibliche) Beschäftige von Kindergärten und Grundschulen streikten 2 Tage in Glasgow/Schottland.
  • Im September demonstrierten 20.000 Frauen in Bern/Schweiz für Lohngleichheit.
  • Am 2. November fand ein koordinierter Streiktag bei Google in Asien, Europa und Nordamerika gegen Diskriminierung und Sexismus am Arbeitsplatz statt.

 

Die kämpferische Frauenbewegung ist an der ganzen Bandbreite der Fragen des Lebens und der Arbeit aktiv: Löhne, Renten, Armutsbekämpfung, Kinderbetreuung, Gesundheitsfürsorge, Pflege und nicht zuletzt der Schutz der natürlichen Umwelt stehen im Brennpunkt.

  • Der Kampf gegen Gewalt an Frauen ist zum Gegenstand von Massenprotesten Unter dem Motto #NiUnaMenos („Keine einzige (Frau) weniger“) – ging ½ Million auf die Straße, erst in Argentinien, dann in Nachbarländern und in der ganzen Region. Alle 30 Stunden stirbt in Argentinien eine Frau aufgrund häuslicher Gewalt, aber auch in Deutschland alle 58 Stunden.
  • Unter dem #MeToo wurde ein ganzes System an sexuellen Übergriffen hinter Hollywoods Glamourfassade, aber auch im Europaparlament und anderswo, aufgedeckt und öffentlich Konsequenzen gefordert.
  • In „aller Herren“ Länder kämpfen Millionen Frauen um ihr Recht auf selbstbestimmten Schwangerschaftsabbruch. In Polen und der Türkei haben die Massenproteste der ultrareaktionären PiS-Regierung 2016 und dem faschistischen Erdogan-Regime bedeutende Niederlagen beigebracht.

 

Zunehmend politisieren sich die Kämpfe, richten sich gegen die Politik rechter Regierungen, gegen Faschismus und Krieg:

  • Der Women’s March gegen den frauenfeindlichen US-Präsidenten Trump, gegen Sexismus und Rassismus wurde mit 5 Millionen Beteiligten zur größten Manifestation in der Geschichte der USA seit den Protesten gegen den Vietnamkrieg.
  • Seit 714 Wochen demonstrieren in der Türkei die „Samstagsmütter“ für die Aufklärung der Verbrechen, denen ihre Kinder zum Opfer gefallen sind.
  • Im Iran verbinden sich starke Arbeiterkämpfe mit dem politischen Kampf gegen das faschistische Regime. Frauen kämpfen dabei mutig mit, klagen den Verschleierungszwang an.
  • In Brasilien demonstrierten hunderttausende Frauen gegen den faschistischen und extrem frauenfeindlichen Kandidaten Bolsonaro

 

Besonders bemerkenswert sind Bewegungen, die sich nicht nur gegen die von Kapitalismus und Feudalismus hervorgebrachten Probleme wenden, sondern das gesamte System der doppelten Ausbeutung und Unterdrückung der Masse der Frauen angreift und selbst gesellschaftliche Alternativen fordert und repräsentiert:

  • Die u.a. von Sharmista geführte Banghor Bewegung kämpft für Land, Lebensgrundlagen, Ökologie und Umweltschutz.
  • Wir erlebten, wie in Rojava Frauenverteidungseinheiten führend die Befreiung vom faschistischen IS erkämpften, nicht „nur“ einen Rollback verhinderten, sondern auch bedeutende Schritte vorwärts zur Befreiung der Frau, für Demokratie und Freiheit!
  • Mit Stolz blicken wir auf zwei Weltfrauenkonferenzen der Basisfrauen. Selbst organisiert, selbst finanziert, auf demokratischer und überparteilicher Grundlage mit der Offenheit für eine befreite Gesellschaft haben Frauen aus vier Kontinenten sich ausgetauscht und beraten. Wir sind zu einer Weltfrauenbewegung herangewachsen.
  • Viele revolutionäre Organisationen sind entstanden, haben sich gestärkt und z.B. in der ICOR zusammengeschlossen, die die Befreiung der Frau auf ihre Fahnen geschrieben haben.

 

Liebe Frauen!

Wenn ich eben sagte, wir sind zu einer Weltfrauenbewegung herangewachsen, so gibt es doch keinerlei Anlass zur Selbstzufriedenheit.

  • Wir haben wunderbare Konferenzen – doch die wirkliche nachhaltige ständige praktische Zusammenarbeit, Koordination und Kooperation ist nur in Einzelfällen entwickelt, wie in der Solidarität mit Joly oder Sharmista. Das ist aber der eigentliche Gradmesser!
  • Wir wählen wunderbare Frauen – aber in der Realität sind es einige wenige, die wirklich kontinuierlich und verantwortlich arbeiten.
  • Natürlich ist die Arbeit im eigenen Land die Basis für den weltweiten Prozess. Aber in der Dialektik von nationaler und internationaler Arbeit muss entschieden mehr in die internationale Arbeit investiert werden. Denn unser Gegner ist ein hochorganisiertes imperialistisches Weltsystem.
  • Bei allem gewachsenen Selbstbewusstsein und einer riesigen Bandbreite von Frauenkämpfen existiert zugleich noch eine gravierende Unterschätzung der nötigen gesellschaftsverändernden Ausrichtung dieser Bewegung, als Schule eines perspektivischen Kampfes um befreite Gesellschaften, um Sozialismus und Kommunismus

Die Frauenbewegung muss lernen, die besondere Ausbeutung und Unterdrückung der Masse der Frauen als im Kapitalismus und Imperialismus systemimmanent fest verwurzelt zu erkennen und deshalb Teil einer gesellschaftsverändernden Bewegung werden.

Solange der Kapitalismus existiert – und das tut er heute in allen Ländern der Erde -, wirken auch seine Gesetzmäßigkeiten: er beruht keineswegs nur auf der Ausbeutung der Lohnarbeit. Das ist die reformistische Auslegung, die als Lösung nur die gerechtere Umverteilung innerhalb des Systems fordert.

Nein, der Kapitalismus beruht von Anfang an auf der untrennbaren Einheit von Ausbeutung von Mensch und Natur einerseits und der bürgerlichen Staats- und Familienordnung andererseits.  Das sind zwei Seiten einer Medaille.

Die gesellschaftliche Grundlage für die Befreiung der Frau kann nur durch eine revolutionäre Lösung geschaffen werden. Eine Revolution, die eine andere Grundlinie für Arbeit und Leben in der Gesellschaft durchsetzt: statt Ausbeutung von Mensch und Natur, Herrschaft einer winzigen Minderheit über die Mehrheit der Gesellschaft, doppelte Ausbeutung und Unterdrückung der Masse der Frauen – ein Leben im Einklang von Mensch und Natur, Befreiung der Frau und Zukunft für die Jugend. Unterdrückung nur der winzigen Minderheit, die die alten ausbeuterischen, kriegstreiberischen, patriarchalen und umweltzerstörerischen Verhältnisse wiederherstellen wollen.

 

Liebe Freundinnen, liebe Genossinnen,

Der Kampf um die Befreiung der Frau währt nun schon Jahrtausende. Denn immer gab es Frauen, die sich nicht mit ihrer Diskriminierung abgefunden haben. Aber noch nie in der Geschichte der Menschheit gab es so gute Ausgangsvoraussetzungen wie heute, weltweit organisiert unsere Ziele und Träume zu verwirklichen. Denn die Befreiung der Frau setzt auch gesellschaftliche Verhältnisse einer hohen Arbeitsproduktivität voraus, die Arbeit, Nahrung, Bildung, Gesundheit, menschliches Zusammenleben, Kultur und gesellschaftliches Engagement und Beziehungen aufgrund von Liebe ermöglichen. Und dies ohne eine ökonomisch erzwungene Familie als Wirtschaftseinheit, und ohne eine romantische Rückkehr zu den gesellschaftlichen Verhältnissen der Urgesellschaft.

Revolutionen waren die Lokomotiven im Kampf um die Befreiung der Frau. 1871 hat die Pariser Kommune erste Ansätze zur Befreiung der Frau erreicht und die Frauen standen gleichberechtigt an den Barrikaden. Vor 101 Jahren fand die sozialistische Oktoberrevolution in Russland statt, die in einem Ausmaß Frauenrechte durchsetzte, von denen in vielen Ländern der Erde noch heute die Frauen träumen. Vor 100 Jahren fand die Novemberrevolution in Deutschland statt, die den I. Weltkrieg beendete, den Kaiser verjagte, den Achtstundentag und das Frauenwahlrecht einführte.

Diese geschichtlichen Tatsachen strafen auch alle Vorstellungen Lügen, dass die Befreiung der Frau ein reiner Frauenkampf wäre. Im Gegenteil wurden die größten Erfolge für Frauen gerade im revolutionären Verbund bei gleichzeitiger selbstständiger Frauenbewegung erreicht.

Ein zielklarer Kampf erfordert eine zielklare Strategie und Taktik aufgrund wissenschaftlich fundierter theoretischer Grundlagen.

Marx, Engels und Lenin waren große Vordenker der Befreiung der Arbeiterklasse von Ausbeutung und Unterdrückung und der Befreiung der Frau! Sie schälten die grundsätzliche Identität des revolutionären Kampfs um die soziale Befreiung der Arbeiterklasse und des Kampfs um die Befreiung der Frau heraus.

  1. Marx und Engels entwickelten den doppelten Produktionsbegriff in der Schrift „Der Ursprung der Familie, des Privateigentums und des Staats“. Friedrich Engels schrieb bereits 1884:

»Nach der materialistischen Auffassung ist das in letzter Instanz bestimmende Moment in der Geschichte: die Produktion und Reproduktion des unmittelbaren Lebens. Diese ist aber selbst wieder doppelter Art. Einerseits die Erzeugung von Lebensmitteln, von Gegenständen der Nahrung, Kleidung, Wohnung und den dazu erforderlichen Werkzeugen; andrerseits die Erzeugung von Menschen selbst, die Fortpflanzung der Gattung.« (Marx/Engels, Werke, Bd. 21, S. 27/28)

Bestimmende Faktoren in der Gesellschaft sind demnach immer die Entwicklungsstufe einerseits der Arbeit (also Produktion und Reproduktion von Lebensmitteln, Werkzeugen/Maschinen etc.) andererseits der Familie (in der die Produktion und Reproduktion des menschlichen Lebens selbst stattfindet). Beide Arten der Produktion und Reproduktion sind in den verschiedenen Gesellschaftsformen in einer jeweils charakteristischen Art untrennbar miteinander verbunden.

Die politische Ökonomie von Marx und Engels ist dadurch charakterisiert, hinter den Warenbeziehungen die Verhältnisse und Beziehungen der Menschen und Klassen aufzudecken und zu untersuchen, die in der jeweiligen Gesellschaft existieren. Die Reduzierung der politischen Ökonomie auf die Produktion und Reproduktion im Bereich der Arbeit/ der Fabriken ist dagegen typisch für die kapitalistische politische Ökonomie. Der Kapitalist interessiert sich vor allem für diese Produktion und Reproduktion, in der die Ausbeutung der Lohnarbeit stattfindet. Dieser Bereich ist die unmittelbare Quelle seiner Maximalprofite. Das menschliche Leben interessiert ihn vor allem als Quelle neuer Arbeitskräfte. Aber die Verantwortung dafür soll die bürgerliche Kleinfamilie und darin die Frauen tragen.

Gegen die von Marx und Engels begründete Politische Ökonomie des Marxismus traten Karl Kautsky und Eduard Bernstein auf, damalige Theoretiker des Revisionismus. Sie leugneten den doppelten Produktionsbegriff. Diese Revision der marxistischen Grundlagen hatte klare Motive, die Aussöhnung mit dem kapitalistischen System. Ein handfestes Motiv war auch die persönlich spießige, kleinbürgerliche oder gar bürgerliche Lebensweise der reformistischen und revisionistischen Führer. Sie beruhte darauf, dass ihre Frauen brav das ganze Leben managen, die Kinder erzogen und möglichst ihre eitlen Männer anhimmelten.

Der doppelte Produktionsbegriff wurde aber später auch in der kommunistischen Bewegung verdrängt. Die Kritik am Kapitalismus wurde auf die Kritik der Ausbeutung der Lohnarbeit in den Betrieben reduziert. Das zog ökonomistische Tendenzen in der Arbeiterbewegung nach sich, sich einseitig mit den Lohn- und Arbeitsverhältnissen zu befassen. Die ganzen gesellschaftlichen Verhältnisse, die bürgerliche Staats- und Familienordnung blieb tendenziell unangetastet. Das führte dazu, den Kampf um die Befreiung der Frau als revolutionäre Grundposition über Bord zu werfen. Er wurde auf Gleichberechtigung oder auf die Einbeziehung der Frauen in die Produktion reduziert.

Oftmals war dies damit verbunden, die Ausbeutung der Lohnarbeit als „Hauptwiderspruch“ und die Frauenfrage als „Nebenwiderspruch“ abzuhandeln. Die Lösung des sogenannten Nebenwiderspruchs wurde dann gerne auf zukünftige sozialistische Verhältnisse verschoben.

 

  1. Die doppelte Ausbeutung der Masse der lohn- und gehaltsabhängigen Frauen:

Als Wirkung des kleinbürgerlichen Feminismus ist die Ansicht verbreitet: Die Frau würde erstens durch den Kapitalisten im Betrieb ausgebeutet wird und zweitens durch den Mann und die unbezahlte Familienarbeit. Familienarbeit ist aber keine kapitalistische Ausbeutung, weil nicht für den Austausch, sondern für den eigenen Bedarf produziert wird.

Der Marxismus deckt die gesellschaftliche Realität auf: Die doppelte Ausbeutung der Masse der Frauen besteht erstens in der Ausbeutung, der die Arbeiterin als Teil der Arbeiterklasse insgesamt unterliegt und zweitens in der noch niedrigeren Einstufung ihrer Arbeitskraft gegenüber den männlichen Kollegen. Der Kapitalist bewertet die Arbeitskraft der Frauen niedriger, weil sie ihm nach der bürgerlichen Familienordnung aufgrund der hauptsächlichen Verantwortung der Frau für die Kindererziehung und Haus-/Familienarbeit nicht im selben Umfang zur Ausbeutung zur Verfügung steht, wie die des Mannes. Das ist weltweit so, Frauen bekommen 20-30 Prozent niedrigere Löhne als Männer, auch in Deutschland sind es 23 Prozent weniger.

In dem Buch „Neue Perspektiven für die Befreiung der Frau“ schrieben wir:

Die eigentliche Ursache, sowohl für die Ausbeutung der Lohnarbeiter wie für die doppelte Ausbeutung der Masse der lohn- und gehaltsabhängigen Frauen, liegt in der kapitalistischen Lohnarbeit. Erst wenn nicht mehr für den Profit, sondern für die Befriedigung der Bedürfnisse der Gesellschaft produziert wird, kann auch der Unterschied in der Bewertung von gesellschaftlicher Produktionsarbeit und privater Hausarbeit verschwinden. Die unwissenschaftliche und kleinbürgerliche Kritik der doppelten Ausbeutung der Frau läuft auf die Spaltung von Männern und Frauen hinaus und leugnet die Notwendigkeit, den Kapitalismus zu überwinden und die Familie als Wirtschaftseinheit und die private Organisation des menschlichen Lebens aufzuheben.“ (Streitschrift, S. 44/45)

 

  1. Die besondere Unterdrückung betrifft alle Frauen, nicht nur die Arbeiterinnen. Die besondere Unterdrückung der Frau ist sogar ein wesentliches Element jeglicher Herrschaftsausübung in der auf Ausbeutung und Unterdrückung beruhenden Klassengesellschaften. Zu dieser besonderen Unterdrückung zählen:
  • die systemimmanente Verantwortung der Frauen für die private Haushalts- und Familienführung, die auch eine ökonomische Abhängigkeit vom Mann mit bedingt.
  • die Kontrolle der Sexualität und Gewalt gegen Frauen
  • ein ganzes System an „Ketten der bürgerlichen Moral“, die über Traditionen, Rollenzuweisungen, Religionen, Moralvorstellungen wirken.
  • vielfältige Diskriminierung auf Grund des Geschlechts.
  • Der Sexismus als Methode der Zerstörung des Selbstbewusstseins von Frauen und Mädchen.

Von der besonderen Unterdrückung sind alle Frauen und Mädchen in der Gesellschaft betroffen, auch wenn sie nicht zur Arbeiterklasse gehören,  von der Arbeiterin, Bäuerin, Akademikerin, Schülerin, Studentin, bis zur bürgerlichen Frau.

Diese Tatsache ist auch die Grundlage dafür, dass eine selbständige, kämpferische Frauenbewegung entstehen kann, die Frauen aller Klassen und Schichten umfasst.

Es war ein historischer Fehler der Frauenarbeit der früheren kommunistischen Bewegung, sich tendenziell auf die proletarischen Frauen einzuengen. Dabei hat sie Großes geleistet. Aber die Vernachlässigung der bürgerlichen und kleinbürgerlichen Frauen überließ diese dem Einfluss der Bourgeoisie. In Deutschland wurden sie zu einer wesentlichen Massenbasis für den Hitlerfaschismus. Gerade angesichts der weltweiten Rechtsentwicklung ist das eine bedeutende historische Lehre, den nötigen breiten, überparteilichen und kämpferischen Zusammenschluss der Frauenbewegung zu stärken. Das gehört auch zum Fundament unserer erfolgreichen Weltfrauenbewegung.

 

  1. Die Behauptung der Gleichberechtigung von Mann und Frau ist zu einer der zentralen Lebenslügen kapitalistischer Gesellschaften geworden. Die formal-juristische Gleichstellung ist natürlich ein hart erkämpfter immenser historischer Fortschritt – dennoch klaffen Welten zwischen dem Gesetzestext und der Realität. Das ist kein Zufall, sondern wird innerhalb des kapitalistischen Systems trotz aller notwendigen Kämpfe immer so bleiben.

Erst in einer sozialistischen Gesellschaft bestehen die Voraussetzungen für die Befreiung der Frau. Marx und Engels haben diese Voraussetzungen folgendermaßen charakterisiert:

erstens eine gesellschaftliche Produktion, die vollständig auf die Befriedigung der Bedürfnisse der Menschen ausgerichtet ist;

zweitens die gleichberechtigte Beteiligung aller Familienmitglieder – je nach ihren Möglichkeiten – an der gesellschaftlichen Produktion;

drittens wird das Verhältnis ökonomischer Abhängigkeit zwischen den Familienmitgliedern beseitigt;

viertens hört die Familie auf, die grundlegende Wirtschaftseinheit zu sein, auf der jedes persönliche Leben beruht,

und fünftens werden Hausarbeit und Kindererziehung öffentliche Aufgaben der Gesellschaft. (RW 28, S. 215/216)

Im Aufbau des Sozialismus in der Sowjetunion erfolgte eine weitreichende sozialistische Gesetzgebung und Massenmobilisierung zur Befreiung der Frau – ein gigantischer welthistorischer Fortschritt mit Aufbau von Kindergärten, Krippen, Wasch- und Reparaturstätten, Eheschließung war Privatangelegenheit, es gab Schutzrechte für Frauen, ein einfaches Scheidungsrecht und fortschrittliches Sexualstrafrecht. Es gab ein breit gefächertes Frauen-Delegiertensystems.

Über die Befreiung der Frau im Sozialismus tobte im sozialistischen Aufbau von Anfang an ein heftiger Kampf um die Denkweise, patriarchale und feudalistische Einflüsse mussten überwunden werden. Dabei gab es auch Fehler wie die sowjetische Familiengesetzgebung 1936 zur Zeit von Stalin.

Aus der bewussten Verarbeitung von Erfolgen und Fehlern erwächst die Chance für einen neuen Aufschwung im Kampf um die Befreiung der Frau in einer befreiten Gesellschaft. Die Streitschrift „Neue Perspektiven für die Befreiung der Frau“ zog daraus Lehren:

Die sozialistische Gesellschaft kann die Befreiung der Frau nicht per Dekret Wirklichkeit werden lassen. Vielmehr handelt es sich um einen mehr oder weniger langwierigen revolutionären Prozess der Umgestaltung ihrer gesamten Produktions- und Lebensverhältnisse. Er steht in Wechselwirkung mit den Veränderungen der Bewusstseinsformen und politischen Strukturen, in denen die Diktatur des Proletariats jeweils konkret zum Ausdruck kommt.“ (S. 244)

 

Liebe Freundinnen, liebe Genossinnen,

Das Haupthemmnis bei der Entwicklung einer breiten kämpferischen Frauenbewegung ist die zersetzende Wirkung des Systems der kleinbürgerlichen Denkweise! Die kleinbürgerliche Denkweise gibt sich gesellschaftskritisch und orientiert in ihrer antikommunistischen Grundausrichtung aber auf den Erhalt und die Verewigung des Kapitalismus und Imperialismus. Ein Teil dieses Systems der kleinbürgerlichen Denkweise ist der kleinbürgerliche Feminismus.

Er kritisiert die reale gesellschaftliche Ungleichheit von Mann und Frau und antwortet darauf mit dem Geschlechterkampf. Er verbreitet die Illusion, die gesellschaftliche Gleichstellung sei durch den Kampf gegen die „Dominanz der Männer“ erreichbar. Das machte den kleinbürgerlichen Feminismus für die Herrschenden wertvoll: Sie integrierten ihn in die bürgerliche Gesellschaft, gaben damit scheinbar Antwort auf die berechtigten Kritiken, lenkten diese aber in die entgegengesetzte Richtung des Systemerhalts.

Der kleinbürgerliche Feminismus machte die Frauenbewegung auf der ganzen Welt anfällig für Bemühungen, sie in die bürgerlichen Institutionen zu integrieren. Viele aktive Frauen wurden aufgesogen von Nichtregierungsorganisationen (NGOs), die von imperialistischen Institutionen finanziert und gesteuert wurden.

Das ist „eine Gegenstrategie der Herrschenden gegen den Kampf um wirkliche Befreiung der Frau und gegen den proletarischen Klassenkampf zur Überwindung des Systems der kapitalistischen Ausbeutung und Unterdrückung“ (Streitschrift, S. 110).

Wir müssen uns aber auch in unserer eigenen Theoriebildung kritisch-selbstkritisch mit Einflüssen der kleinbürgerlich-feministischen Denkweise auseinandersetzen. Gestern hörten wir ein Referat aus der kurdischen Frauenbewegung zur Frauenbefreiungsideologie. Die kurdische Bewegung und ihr Führer Abdullah Öcalan haben zweifellos große Erfolge auf dem Weg zur Befreiung der Frau erkämpft. Ohne dass Öcalan das Bewusstsein zur Frauenfrage so entwickelt hätte mit Analysen, Texten und einer massenhaften Bildungsarbeit und entschiedenen Maßnahmen der Frauen Förderung durch die ganze Bewegung, wären die großen Erfolge der Rojava-Revolution nicht möglich gewesen. Doch die Theorie der Jineologie ist quasi die einfache Negation der ökonomistischen Behauptung, die Befreiung der Gesellschaft wäre allein durch die Beseitigung der Ausbeutung der Arbeiter zu erreichen.

Eine der im Internet veröffentlichten Kernthesen der Einführungsrede der kurdischen Frauenbewegung lautet: „Die Frauenfrage als Hauptkonflikt“. Begründet wird das: Frauen sind die am meisten unterdrückteste Rasse, Nation oder Klasse. Alle anderen Formen der Versklavung wurden auf Grundlage der Hausfrauisierung durchgesetzt.” und als Schlussfolgerung gezogen, „dass wahre Revolutionen weiblich sein müssen.“ Tatsächlich beruht das heutige kapitalistische System aber eben nicht „nur“ auf der Unterdrückung der Frauen, sondern sie ist das untrennbare Gegenstück zur Ausbeutung der Lohnarbeit. Zu diesem System stehen die Arbeiterinnen und Arbeiter in antagonistischen Widerspruch, sind hoch organisiert und die wirkungsvollste und führende Kraft im Kampf gegen den Imperialismus. Sie ist die auf internationaler Ebene am höchsten organisierte Kraft und Trägerin der modernen Produktivkräfte. Die weltweit heute etwa 3 Milliarden umfassende Arbeiterklasse, ihrer wachsende Größe und Bedeutung zu leugnen und stattdessen „das Erwachen der Frau als die führende gesellschaftliche Kraft in dieser historischen Szenerie“  zu erklären ist nicht nur ziemlich überheblich, sondern auch unwissenschaftlich und fern jeder Realität.

Zweitens wird in den Thesen hervorgehoben: Die Männlichkeit als System zu überwinden muss ein grundlegendes Prinzip des Sozialismus sein”.  Auch noch unter Bezugnahme auf marxistische Klassiker wird in der Diskussion hervorgehoben, dass heute die Frau das Proletariat und der Mann den Kapitalisten repräsentierten. Das ist eine Verfälschung der wissenschaftlichen Analyse von Engels. Er schrieb:

Die moderne Einzelfamilie ist gegründet auf die offne oder verhüllte Haussklaverei der Frau, und die moderne Gesellschaft ist eine Masse, die aus lauter Einzelfamilien als ihren Molekülen sich zusammensetzt. Der Mann muss heutzutage in der großen Mehrzahl der Fälle der Erwerber, der Ernährer der Familie sein, wenigstens in den besitzenden Klassen, und das gibt ihm eine Herrscherstellung, die keiner juristischen Extrabevorrechtung bedarf. Er ist in der Familie der Bourgeois, die Frau repräsentiert das Proletariat. (Der Ursprung der Familie, des Privateigentums und des Staates, 1884, Marx/Engels, Werke, Bd. 21, Seite 75)

Der Mann als Bourgeois, die Frau als Proletariat bezieht sich also auf die reaktionäre bürgerliche Familienordnung. Das zu übertragen auf die gesamtgesellschaftlichen Verhältnisse, oder die gesellschaftsverändernde Bewegung würde bedeuten, diese reaktionäre Familienordnung zum Modell für die ganze Gesellschaft zu machen. Diese These ist nicht zuletzt ein kleinbürgerlicher Führungsanspruch der Frauenbewegung, der nur zur Schwächung und Spaltung der gesamten Bewegung führen würde. Diese Erkenntnis schmälert keineswegs die strategische und bedeutende Rolle der Frauen für die Revolution. Im Gegenteil, die Frauenbewegung muss eine starke eigenständige Kraft sein, die ein Bindeglied zwischen den Bewegungen ist.

 

Liebe Freundinnen, liebe Genossinnen!

Aus alledem erwächst die fundamentale Bedeutung der Dialektik zwischen revolutionärem Parteiaufbau und überparteilichen Selbstorganisationen und Bewegungen in der Frauenarbeit, als die grundlegende Beziehung im Kampf um die Befreiung der Frau. Ein entscheidender Maßstab, ob der revolutionäre Anspruch von Parteien tatsächlich eingelöst wird ist heute, ob sie den Kampf um die Befreiung der Frau in Wort und Tat auf ihre Fahnen geschrieben haben. Ob jedes Mitglied – Mann und Frau – in Wort und Tat darauf verpflichtet sind. Ob sie eine systematische Frauenförderung betreiben und Frauen in tatsächlich in führende Funktionen qualifizieren.

Frauenorganisationen und – Bewegungen sind demgegenüber erst dann tatsächlich stark, wenn die parteibezogene Anbindung und Zersplitterung überwunden wird und sich überparteilich alle Kräfte bündeln.

Deshalb freue ich mich sehr, dass dieses Seminar Wirklichkeit geworden ist – ein echtes Novum in der kämpferischen internationalen Frauenbewegung, dass sich gerade die Basisfrauen aus aller Welt dazu aufgemacht haben!

Viel Erfolg, ich wünsche euch eine spannende Diskussion!

 

 




Introductory speech by the Kurdish Women’s Movement


International Theoretical Seminar on Women’s Liberation
2-4 December 2018 – Bangalore

Dear women, dear comrades, dear sisters,
We are honoured to be in the presence of such revolutionary, struggling women. We are especially grateful to our Indian comrades for hosting us and making this historic gathering possible. On behalf of the Kurdish women’s movement, we salute you and your resistance.
We thank the organizers for dedicating the venue hall to our precious comrade Sakine Cansiz. Sakine Cansiz, nom de guerre Sara, born 1958 in Dersim, was one of the co-founders of the Kurdistan Worker’s Party. She was detained in 1980 in the infamous military prison of Diyarbakir, where she was tortured brutally. As a leading figure of the prisoner’s resistance she became a living legend. After her release in 1991, she joined the Kurdish guerrilla. She played a special role in the founding of the Kurdish women’s guerrilla and the autonomous organisation of women within the Kurdish liberation movement. On January 9, 2013 together with two of her comrades, Fidan Dogan and Leyla Saylemez, she was assassinated by the Turkish intelligence in Paris/France. , Comrade Sara has been a symbol for women’s resistance during her lifetime and continues to drive our struggle beyond her death.


Throughout history, women have played historic roles in the struggles for socialism, democracy and national liberation. Despite their sacrifices, labor, and commitment, they have often been pushed to the background, even by their own male comrades. Our own historical experience as the Kurdish women’s movement shows us that the patriarchal backlash that struggling women often experience is not due to their weakness or lack of will. Rather, we believe that this phenomenon is due to a lack of sufficient theoretical analysis of the depth of patriarchy and its relationship to capitalism and state. Likewise, practically, women’s demands are often compromised and turned into side attachments to the revolutionary work for the so-called „general cause“ due to a lack of autonomous organization and ideological women’s structures. Over a difficult, struggle-ridden period of four decades, we came to a determined conclusion: that all revolutions must be women’s revolutions.
Today, we want to share with you the ways in which our theory and practice went hand in hand. Over decades, we managed to achieve important steps, but our history was determined by immense struggles over gender and class, as well as a profound challenging of our own perspectives on revolution before we could reach this day.
Kurdistan is the homeland of one of the largest nations without a state. One century ago, European imperialist interests arbitrarily re-drew the map of West Asia along colonial interests. As a result, our homeland was divided between four nation-states: Turkey, Iraq, Iran and Syria. In response to the brutality of severe state terror and colonialist violence, inspired by the many powerful Marxist-Leninist and anti-colonial revolutionary national liberation movements of the world, the Kurdish freedom movement around the Kurdistan Workers‘ Party (PKK) was formed in 1978 by Abdullah Öcalan and his comrades. One of the women that attended the foundation of the PKK was Sakine Cansiz. In the mid-1980s, the PKK started guerrilla warfare against the genocidal policies of the Turkish state.
At the time, in the Cold War world, many of the party’s initial assumptions and attitudes, including its perspectives on women’s liberation resembled that of most revolutionary groups of the time. The ideal of socialism provided a framework for a promise of freedom; women in socialist countries had made immense gains. With the collapse of the Soviet Union, however, the movement’s leadership engaged in a deep critical and self-critical analysis to understand the conditions that led to the end of this historic era. As early as the 1990s, Abdullah Öcalan began to question the belief that the attainment of an independent Kurdish state would necessarily lead to the liberation of society. To what extent did national liberation induce social change? Did it necessarily overcome class? How about all the anti-colonial movements and their new nationalist elites that exploit the people? How could we expect patriarchy, a system that is not 500 but 5,000 years old, to be overcome, if it manifests itself in the most private areas of life?
Women were part of the Kurdish freedom struggle from the very beginning. The first women joined the struggle to be part of the fight for socialism and national liberation; the movement’s perspective was internationalist from the very start. In the 1980s, but especially with the 1990s, when the Turkish state began systematically destroying Kurdish villages, thousands of women joined the guerrilla ranks and participated in social and political work. With the perspectives and suggestions of Abdullah Öcalan, who was a comrade of women from the very start, the 1990s marked the beginning of Kurdish women’s autonomous organization in the armed sphere. The increased participation of women in the armed struggle and their leading role in people’s uprisings at the beginning of the 1990s lead to the formation of a women’s army with own headquarters, academies and commandership within the guerrilla ranks. After a process of theoretical, ideological and practical preparation on March 8, 1995 300 female guerrilla fighters came together in a cave in the mountains of Kurdistan to uphold their first women’s congress and to announce the Kurdistan Women’s Freedom Union (YAJK). But this development was not only a result of the growing number of women but also an answer to a challenge within the movement: gender and class conflict.
This was because both, classical class and gender relations were reproduced within the militants. Male militants made use of the class conflicts between the women according to the old imperialist rule “divide and rule”. Therefore it was not just crucial to organize women separately but to strengthen the ideological struggle inside the revolutionary movement, to fight not just the external enemy but also the internal enemy, which reproduces the system we are opposing.
This is what the Women’s Liberation Ideology of the Kurdish Women’s Liberation Movement is about. Women’s liberation ideology plays a strategic role for the ideological struggle between women and men on one side and women and women on the other side. Being a freedom fighter is not only about taking arms and fighting against the occupiers. Being a militant is not only about organizing people for the case. Being a revolutionary is about realizing the revolution in your own personality first. It’s about living the ideals and values of the society you are fighting for. Because otherwise you never can be sure that you don’t reproduce the system you are opposing. Therefore political and ideological struggle cannot be disconnected from each other. And we have to start with ourselves.
But do we, as women need an ideology? In our own struggle we saw: Yes, we as women need an ideology. Because enslavement, exploitation and discrimination of women have an ideological background. By analyzing social history we came to the conclusion that patriarchy marks a counter-revolution against a social order that was developed by women without any forms of exploitation, power and hierarchies. Patriarchy, which has a history of 5 thousand years, is reproducing itself through very ideological arguments and systematic mechanisms that are based on sexism, which is the basic ideology of power. It is crucial to see that ever since the hierarchical order’s enormous leap forward, sexism has been the basic ideology of power. It is closely linked to class division and the wielding of power. Power and sexism in society share the same essence.
What about the relationship between power and masculinity? Power is synonymous to masculinity. If we want to understand the fundamental characteristics of the consequent male-dominant social culture, we need to analyse the process through which woman was socially overcome. Class and sexual oppression develop together; masculinity has generated ruling gender, ruling class, and ruling state.
The woman’s question has mostly been seen as a sub-conflict that will be solved automatically with the revolution or the national liberation. But if we look at the revolutionary experiences of socialist and national liberationist movements in the 20th century unfortunately we see that the situation of women did not really change or that as result of women’s liberation struggles mechanisms for women have been established but sexism itself or the patriarchal mind have not ben shaken in their roots. What is the reason for this phenomenon? Shouldn’t overcoming masculinity as a system be the fundamental principle of socialism?
As movement we came to the conclusion that it is crucial for women’s liberation to analyse masculinity as a system that is not just outside, but effecting and determining both, men and women, in every sphere of life. Masculinity is a system that is well-organised, that is based on an ideology (sexism) and a state of mind (patriarchy). If we really want to overcome it, if we really want to found the basis for a free life of society, we need to struggle in an organised, systematic and ideological way against masculinity. By saying masculinity we do not reject men. But we believe in the need for a transformation of the men, because the question of freedom does not only concern women but also men. That means a male revolutionary or socialist has also the responsibility to liberate itself from patriarchy.
In our movement this issue has been taken on the agenda of the movement by its leader Abdullah Öcalan and the militant Kurdish women’s liberation movement. The project through which the women’s movement developed this issue further practically and ideologically was called “transformation of the men”. At the beginning of the century male guerrilla fighters wrote reports to the women’s leadership, expressing the reasons why they want to join this project, how they think about male power and women’s liberation and how they aim to overcome masculinity. Those chosen by the women’s movement spent nearly one year at the women’s freedom academy, studying and analysing how patriarchy is reproduced in their personality and trying to overcome it.
But before these steps for the transformation of men, the militant women made a radical cut, starting to organise themselves separately. It was needed to create the room for women to educate, organise, train, live separately, in a place of women. This experience to organise the whole life without any help from men, to build own camps, to plan own military actions, to decide as women on women was very crucial as it showed them that women are able to do everything men can. This experience was very important for strengthening women’s will and also to create a new understanding of women’s collectivism. Liberation is a collective process and needs organisation.
This radical step of the women was later theorized as break-off theory. The meaning was not just a physical break-off from men – they were not totally isolated or disconnected, but came together in mixed meetings, educations, military actions etc. – but it was symbolizing ideational and physical breaking off by women from the patriarchal mentality. This theory was later further developed and named “total divorce”, which means the ability of women to divorce from the five thousand years old culture of male domination.
These and other concepts and theories build together the Women’s Liberation Ideology. The women’s liberation ideology is an expression of the need for an ideological ground of women’s liberation struggle. The Women’s Liberation Ideology is based on the several principles. First of all, women’s patriotism. Against male-dominated notions of borders, nations, and states, we express our patriotism as a universal love for humanity and the earth. We are attached to our native lands, forests, waters, languages and cultures. Our identity is indivisible from our concept of life. Women’s patriotism means a fight against colonialism, state terror and other forms of exploitation and oppression. Women’s patriotism is inherently internationalist. This is connected to the second principle, organized-ness. We see organization as the guarantor for women’s struggles to succeed. Without our active participation in all spheres of life, from society to culture, economy to self-defence, we cannot assert ourselves and our demands for freedom. Women’s autonomous organization constitutes the collective expression of women’s willpower, independent from patriarchal concepts and cultures of life. The third principle, free thought and free will, is a commitment for women to develop their independent and autonomous struggle concepts to make sure that they do not reproduce male-dominated structures. We believe that we need to turn upside down the patriarchal meanings of concepts like democracy, revolution, nation, and class. We need to induce a mental social revolution in the realm of thought and theory. The fourth principle is struggle. We cannot expect automatic formulas to magically give us our rights, we cannot pursue standard procedures and expect deeply internalized social mentalities of exploitation and domination to be overcome. We must be in a permanent struggle, against the male-dominated system’s expression among our comrades and even within ourselves. If individual women do not struggle to liberate themselves, they will not be able to act upon society against oppressive conditions. But above all, we must create mechanisms for collective struggle. The fifth principle claims that for women to develop an autonomous and independent understanding of themselves, society and life, an alternative understanding of ethics and aesthetics is necessary. Women’s conduct and appearance, their mentality and bodies, their means of internal and external self-determination have been taken away by patriarchal systems. Women’s bodies are commodified for the further generation of profit and exploitation. But we believe that beauty transcends the physical realm. Beauty concerns primarily the dynamics within women’s mental self-determination. In other words, it is of vital importance for women’s thought and perspectives to be beautiful. Her ethics, informed by a commitment to justice, autonomy, truth and liberation, generate principles by which she can live. With this understanding of beauty and its effects on physical aesthetics, our confidence and inner power will have an aestheticizing effect on our environment to transform ourselves, other women, men, and society a whole.
Without a women’s liberationist ideology, even the most revolutionary women will be dragged into the male-dominated system or be instrumentalized, even by their male comrades. Our own experience has illustrated this. At the same time, we see the ways in which women’s movements can become detached from societal realities, because they create no alternative to the system or lack the militancy to struggle. The women’s liberation ideology can be applied by women in all countries and adapted to their own contexts. It guaranteed our women that our struggle will not defer women’s liberation to a later point. Instead, we believe that to the extent to which women are liberated, revolution will be possible. Women will not merely serve revolutions, which marginalize their freedom. On the contrary, we are the revolution’s pioneers and creative force. Not only is the women’s liberation struggle the guarantee of revolution, it is also the most radical intervention to the 5,000-year-old male dominated system.
In the realm of theory, our women’s liberation ideology provides a radical, ideological perspective, a revolutionary mentality with which we tackle all of our tasks, from the democratization of the family, to the creation of our communes, cooperatives, academies and assemblies, to our strategic relationship building with revolutionary women around the world such as yourselves. Practically, we understand that our women’s revolution is an on-going effort that must be started in the here and now in the most concrete forms. Thus, rather than delaying our liberation to a date in the calendar, or to a distant, uncertain future „after the general revolution“, we are working towards building up a women’s confederal system from our neighbourhoods to our global democratic alliances.
As Kurdistan Women’s Liberation Movement we came to the conclusion that the woman’s question marks the most profound, deep-rooted question in society and history. Women are the first class in history. They are the most oppressed race or nation. All other forms of enslavement have been implemented on the basis of housewifisation. Without an analysis of woman’s status in the hierarchical system and the conditions under which she was enslaved, neither the state nor the classed system that it rests upon can be understood. Without a thorough analysis of women’s enslavement and establishing the conditions for overcoming it, no other slavery can be analysed or overcome. In this sense, we must acknowledge that not only is patriarchy the precondition for all other forms of exploitation and domination such as class to develop, but also that the liberation from all other forms of oppression necessary must go through the liberation of women.
Therefore we believe that each quest for liberation must take women’s liberation in its centre. Because the women’s question is neither a secondary issue nor a side contradiction but the “mother of all issues”. This is the paradigm with which our movement, which started as classical Marxist-Leninist cadre party, entered the 21st century. In this sense, the new century was entered with a commitment to democratic socialism. This, in turn, would only be possible with nothing less but a women’s revolution.
At this point we have to return to the dialectics of women’s liberation and social transformation. The Kurdish Freedom Movement maintained a dialectical understanding, saying that national liberation and women’s liberation must be simultaneous processes. Women’s freedom in turn stands in dialectical relation to the liberation of society. In this sense women must be the main subjects in the struggle for a free, democratic and equal society. In his message to YAJK in 1998, Öcalan described this point with these sentences:
“Woman’s freedom will play a stabilising and equalising role in forming the new civilisation and she will take her place under respectable, free and equal conditions. To achieve this, the necessary theoretical, programmatic, organisational and implementation work must be done. The reality of woman is a more concrete and analysable phenomenon than concepts such as ‘proletariat’ and ‘oppressed nation’. The extend to which society can be thoroughly transformed is determined by the extent of the transformation attained by women. Similarly, the level of woman’s freedom and equality determines the freedom and equality of all sections of society.”
With Abdullah Öcalan’s suggestion to shift in favour of a “Democratic, Ecological, Women’s Liberationist Paradigm” through his proposal of Democratic Confederalism not only the quest to find freedom within a state changed in favour of radical democratic, direct action-based, concrete social, political and economic structures, such as communes, people’s academies, people’s assemblies and cooperatives – this new perspective also further radicalized the women’s movement. Since 2005, in all spheres of life, women organize their everyday needs, theorize their freedom principles and build the concrete conditions for a free, just and beautiful life through the democratic confederal system.
Since 2013, on each level of our political and organizational positions, we implement the principles of equal participation and equal representation. Inside the movement half of the members of each body and executive body are women. They are not only numbers but representatives of the organized collective will of the women’s movement. Therefore, the female candidates are chosen by the women’s movement itself. Men are not able to intervene in the collective will of the women but women can veto men that reject women’s liberation values and principles.
It was with this perspective that in Rojava/North-Eastern-Syria, over the last 7 years, the world has observed a radical women’s revolution unfold, which not only managed to defend entire communities against the fascist patriarchal barbarism of ISIS and similar groups, but also to create the foundations for a new autonomous life. From the smallest commune to federal units in all of our liberated areas, the principle of co-leadership between one woman and one man is formally and practically implemented. Women’s communes solve society’s issues, while women’s autonomous economic efforts, justice systems and educational perspectives attempt to mobilize, organize and educate women in all spheres of life.
To be able to play this leading role and to give revolutionary processes a female character, it is crucial for women to organise autonomously and separately. Only as an autonomous force with an organised collective will that takes its own decisions and can intervene in general decision-making processes we can play a historical role in our own movements and at the first quarter of the 21st century, which we can transform into an era of women’s liberation. An end of patriarchy is possible. Because it constitutes the shortest period in history. Even pre-civilizational matriarchal, primitive communal societies have a longer history than patriarchy. We can overcome it by realising the 2nd women’s revolution everywhere. Without such a radical women’s revolution liberating life from all forms of exploitation, enslavement, violence, oppression will not be possible. But it’s also not possible to make a revolution with enslaved women. The extent to which society can be deeply transformed is determined by the extent of the transformation attained by women. The level of woman’s freedom and equality determines the freedom and equality of all sections of society. Women need to be an organized autonomous force within liberation movements to be able to create real change – starting with themselves. Therefore, let’s realise total divorce from the patriarchal system, with all the attitudes it imposes on women and men, for strengthening women’s leadership in revolutionary processes and by doing so let’s turn the 21st century in an era of women’s liberation.
Jin – Jiyan – Azadi!
Women – Life – Freedom!




Statement on the Theoretical Seminar of the World Women’s Conference of grassroots women from 2-4 December 2018, Bengaluru, India

Suse and
Halinka – European coordinators

300 women from 19 countries discussed ways and goals
of the liberation of women!

“For our women’s organisation it is a great
honour to organize this theoretical seminar with so many participants from all
over the world!”
Said one of the organisers of AIRWO (All Indian
Revolutionary Women’s Organisation).

From December 2-4, 18, in Bengaluru – India – in the state of Karnataka, women from 11 states of India, from Nepal, Bangladesh, Togo, Uganda, South Africa, DR Congo, Netherlands, France, England, Germany, Southern Kurdistan, Turkey, Cameroon, Ethiopia, Iran and other countries came together to discuss and exchanges views on theories of the liberation of the woman. Representatives of various women’s organisations and individual women had spared neither long distances, high costs nor strenuous journeys to attend this seminar. The seminar was based on a decision of the 2nd World Women’s Conference of grassroots women that took place in 2016 in Kathmandu in Nepal. The seminar was organised by AIRWO (All Indian Revolutionary Women’s Organisation) and coordinators and world women of other continents.

“I want to share with you my dream of the
liberation of women in a free society!”
said a
participant from India. In the three days a mass discussion arose among the
grassroots women. A common theme was the special oppression of women, their
social inequality towards men and their lower pay. This theme was to be heard
in contributions from all countries. The reports impressively showed how
women’s consciousness of the various forms of special oppression has grown. “I
got a real sense of freedom when I got involved in the fight, that’s why I
organised myself!”

The seminar was a great start and an expression that
the process of theoretical processing of practical experience has already
started. There was unity among the participants that this process must be
continued systematically in the countries and movements.

The next highlight of the ideological debate will be
the third World Women’s Conference of grassroots women. For this to become
reality, the militant world women’s movement needs a good functioning
coordination on all continents.




Für die Befreiung der Frau! * Aufruf zum theoretischen Seminar nach Indien! Das Seminar beginnt morgen!

Theoretical SeminarIndia_All Languages_20181010

Die Koordinatorinnen der Weltfrauenkonferenzen der Basisfrauen und das Organisationsteam in Indien informieren über den aktuellen Stand der Vorbereitungen!

Bis heute haben wir Anmeldungen

Vom Dach der Welt aus Nepal/Kathmandu

aus Afrika

aus Lateinamerika

aus Europa

Das Organisationsteam startet eine Werbekampagne in Asien

Und für alle Frauen, die gerne mehr von Indien sehen möchten bietet das Reisebüro People to People  / für Völkerfreundschaft die Möglichkeit einer anschließenden Reise.

Sie sind in Verhandlungen mit einem fortschrittlichen indischen Reiseveranstalter. Das Angebot soll ein Gruppenreiseprogramm sein, nach dem Seminar. Die Dauer: ca. 1 Woche, mit Verlängerungsmöglichkeit von einigen Tagen z.B. Strandurlaub.
Wer daran Interesse hat, sollte sich vor der Flugbuchung mit People to People Reisen in Verbindung setzen über eMail: reisen@people-to-people.de oder telefonisch unter 0209 1776560.
Gerne berät People to People Reisen auch zu euren Flugbuchungen und bucht die Flüge für euch.
Sobald das Reiseprogramm fertig ist, veröffentlichen wir es auf der Homepage. Bei Interesse meldet euch direkt, die Freunde von People to People informieren euch gerne.

Auch die inhaltlichen Vorbereitungen sind in vollem Gange. Das Seminar ist ein Beitrag der internationalen kämpferischen Frauenbewegung zur theoretischen Auseinandersetzung um Wege und Ziel der Befreiung der Frau. Es ist ein Seminar der Basisfrauen. Es wendet sich an jede interessierte Frau, an Fabrikarbeiterinnen, Bäuerinnen, Hausfrauen, Krankenschwestern, Erzieherinnen usw. Ihr müsst nicht studiert haben oder viele Sprachen können. Jede Frau kann hier mitdiskutieren, ihre vielfältigen Erfahrungen einbringen. Die theoretische Verarbeitung der vielfältigen Praxis und Lebenserfahrung wird uns helfen, in diesen aufgewühlten Zeiten einen klaren Blick zu bekommen.

 

 




Theoretisches Seminar: Thesen Impulsreferat Monika Gärtner-Engel (auf deutsch)

  1. Die internationale kämpferische Frauenbewegung hat einen großen
    Schatz an Erfahrungen und Errungenschaft im Kampf um die Befreiung der
    Frau. Aber – es existiert eine gravierende Unterschätzung der
    grundsätzlichen Seite was notwendig ist, um die Grundlagen für diese
    Befreiung zu schaffen.
  2. Nur eine revolutionäre Lösung legt die Grundlagen für die
    gesellschaftliche Befreiung der Frau! Eine Analyse der wesentlichen
    Erfolge der Frauenbewegung und ihre tatsächliche Begrenztheit im
    Kapitalismus.
  3. Lehren aus der Geschichte bis heute – Revolutionen waren Lokomotiven
    der bisher weitest gehenden Frauenrechte.
  4. All die vielen, heute stattfindenden Kämpfe sind wichtig auf dem Wegzur Befreiung der Frau, aber sie müssen als Schule des Kampfs um die
    Befreiung der Frau geführt werden.
  5. Das Ziel der Befreiung der Frau kann nur gemeinsam, über weltanschauliche und parteipolitische Grenzen hinweg und auf der Grundlage von Prinzipien erkämpft werden. Dafür muss die kämpferische Frauenbewegung überparteilich sein. Dies  ergibt sich aus dem gemeinsamen Ziel der vollständigen Emanzipation der Frau, der Befreiung der Frau in befreiten Gesellschaften.



Theoretisches Seminar: Kernthesen der Einführungsrede der kurdischen Frauenbewegung

 

  • Über die Kurdische Frauenbefreiungsbewegung:

In der über 40jährigen Geschichte der kurdischen nationalen Befreiungsbewegung haben sich die Frauen seit den frühen 1990er Jahren auch autonom organisiert. Dieser Prozess, der mit der Gründung einer Frauenguerillatruppe innerhalb den Reihen der Guerilla startete, hat heute ein Niveau der gleichberechtigten Teilhabe und Repräsentation in allen Teilen des Kampfes erreicht. Die Frauen sind autonom organisiert und sie treffen alle Entscheidungen bezüglich der Frauen. Doch der ideologische und praktische Kampf für wahre Befreiung geht weiter, da er zum Ziel hat Frauen und Männer gleichermaßen vom patriarchalen und kapitalistisch-modernistischen Denken zu befreien. Der Kampf der Frauen innerhalb des kurdischen Befreiungskampfes bedeutet eine Revolution innerhalb der Revolution.

Er basiert auf der Idee, dass wahre Revolutionen weiblich sein müssen; dass Befreiungstheorien und Ideologien die Frage der Befreiung der Frau ins Zentrum stellen müssen. Derjenige, der die ersten Analysen zum Status der Frau in der Gesellschaft und ihre Befreiung begann war der Gründer und Führer der Kurdischen Arbeiterpartei (PKK), Abdullah Öcalan. Er wurde in einer NATO-Operation 1999 entführt und wird seitdem in Einzelhaft auf einer türkischen Gefängnisinsel gehalten. Sakine Cansiz, nom de guerre „Sara“, war eine der ersten Revolutionärinnen in Kurdistan. Cansiz war ein Gründungsmitglied der PKK. 1980 wurde sie inhaftiert und grausam gefoltert. Durch die Führung des Widerstands gegen den kolonialistischen türkischen Staat in den Gefängnissen wurde sie zur lebenden Legende. Sie war zugleich lebende Geschichte der kurdischen Frauenbefreiungsbewegung. Am 9. Januar 2013 wurde Sakine Cansiz zusammen mit ihren Genossinnen Fidan Dogan und Leyla Saylemez durch den türkischen Geheimdienst in Paris/Frankreich ermordet.

 

  • Die Frauenfrage als Hauptkonflikt
    Die Frauenfrage stellt eine der tiefgehendsten und tiefst verwurzelten Fragen der Gesellschaft und Geschichte dar. Frauen sind die am meisten unterdrückteste Rasse, Nation oder Klasse. Alle anderen Formen der Versklavung wurden auf Grundlage der Hausfrauisierung durchgesetzt. Ohne die Analyse der Rolle der Frau im hierarchischen System und der Bedingungen unter welchen sie versklavt wurde, kann weder der Staat noch das Klassensystem welches darauf aufbaut verstanden werden. Ohne eine gründliche Analyse der Versklavung der Frau und ohne die Bedingungen zu schaffen diese zu überwinden, kann keine andere Sklaverei analysiert oder überwunden werden.
  • Die Bedeutung Männlichkeit als System zu analysieren
    Macht ist synonym mit Männlichkeit. Wenn wir die fundamentalen Eigenschaften der konsequent Männer-dominierten gesellschaftlichen Kultur verstehen wollen, müssen wir den Prozess analysieren der Frauen gesellschaftlich herabgesetzt hat. Klassen- und sexuelle Unterdrückung entwickeln sich gemeinsam; die Männlichkeit hat das herrschende Geschlecht, die herrschende Klasse und den herrschenden Staat hervorgebracht. Die Männlichkeit als System zu überwinden muss ein grundlegendes Prinzip des Sozialismus sein.
  • Sexismus als grundlegende Ideologie der Macht
    Seitdem die hierarchische Struktur einen enormen Sprung nach Vorn gemacht hat, ist Sexismus zur grundlegenden Ideologie der Macht geworden. Es ist eng verbunden mit Klassenspaltung und Machtausübung. Macht und Sexismus in der Gesellschaft sind von der gleichen Substanz.
  • Die Bedeutung Frauen selbstständig zu organisieren
    Ein befreites Leben ist unmöglich ohne eine radikale Frauenrevolution, die Mentalität und Leben der Männer(Übersetzerkommentar: oder allgemeiner der Menschen) verändert. Doch es ist auch unmöglich mit versklavten Frauen eine Revolution durchzuführen. Das Ausmaß zu welchem eine Gesellschaft grundlegend verändert werden kann wird von dem Ausmaß der von den Frauen erreichten Veränderungen bestimmt. Der Grad der Freiheit und Gleichheit der Frau bestimmt die Freiheit und Gleichheit aller Bereiche der Gesellschaft. Frauen müssen eine organisierte autonome Kraft innerhalb der Befreiungsbewegungen sein, um in der Lage zu sein wahre Veränderungen zu erreichen – beginnend bei ihnen selbst.
  • Hauptkonzepte und Theorien der kurdischen Frauenbefreiungsbewegung
  • Abbruchtheorie: Ideeller und physischer Bruch der Frauen von der patriarchischen Mentalität.
  • Totale Scheidung: Die Fähigkeit sich von der fünftausend Jahre alten Kultur der Dominanz der Männer zu scheiden.
  • Transformation des Mannes: Befreiung ist nicht nur Frauensache, sondern auch die der Männer.
  • Frauenbefreiungsideologie: Ausdruck der Notwendigkeit einer ideologischen Basis des Frauenbefreiungskampfes
  • Jineologie: Die Wissenschaft der Frauen und des Lebens, welche die Beziehung zwischen Wissenschaft und Macht ablehnt und gleichzeitig den wissenschaftlichen Charakter der Ideologie stärkt.
  • Freie Partnerschaften: Alternative mit dem Ziel die Institution Ehe zu befreien und die Beziehung zwischen Frau und Mann zu reorganisieren.



Impulsthesen für das Theoretische Seminar zur Befreiung der Frau (in englisch)

Theses of the impulse paper by Monika Gaertner-Engel for the theoretical seminar on the theory of women’s liberation, India, December 2018

  1. The international militant women’s movement has a great wealth of experience and achievements in fighting for the liberation of women. However, the fundamental side of what is necessary to create the basis for this liberation is severely underestimated.
  2. Only a revolutionary solution lays the foundation for the social liberation of women! An analysis of the major successes of the women’s movement and their actual limitations within capitalism.
  3. Lessons from history until today – revolutions were locomotives for the most far-reaching women’s rights so far.
  4. All of the many struggles taking place today are important on the way to the liberation of women, but they have to be led as training ground of the fight for the liberation of women.
  5. The goal of liberating women can only be achieved jointly, across ideological and party-political lines and based on principles. For this the militant women’s movement has to be non-party affiliated. This results from the common aim of the complete emancipation of women, the liberation of women in liberated societies.

 




Theoretisches Seminar: Presseerklärung – AIRWO richtet Internationales Theoretisches Seminar zur Befreiung der Frau in Bangalore aus

23.11.18: Die All India Revolutionary Women’s Organisation (AIRWO) ist stolz vom 2. – 4. Dezember das internationale theoretische Seminar zur Befreiung der Frau 2018 in Bangalore auszurichten. Das Seminar wird in Spoorthidhama,  Anjananagar, Bangalore stattfinden und ist eine Initiative der Weltfrauenkonferenz, einer internationalen Koordinierung von Basisfrauen, die sich für eine weltweite Solidarität der kämpfenden Frauen einsetzen. AIRWO ist seit Beginn des Projektes in Venezuela 2011 ein Teil dieser Weltfrauenkonferenz. Der Beschluss, ein internationales theoretisches Seminar durchzuführen, wurde auf der zweiten Weltfrauenkonferenz 2016 in Nepal gefällt.

An dem dreitägigen internationalen Seminar nehmen Teilnehmer aus Asien, Westasien, Afrika, Europa und Lateinamerika teil. Hinzu kommen etwa 200 Teilnehmer aus rund 15 Staaten Indiens. Frauen aus der ganzen Welt werden über die Probleme der Frauenbefreiung, mögliche Strategien zu ihrer Überwindung und die Bemühungen zum Aufbau einer gerechten und egalitären Gesellschaft sprechen und sich austauschen. Der Schwerpunkt des Seminars liegt auf Austausch und Interaktion und nicht auf einseitigen Beiträgen.

 

Der Veranstaltungsort – Sakine Cansiz (Sara) Hall, Gauri Lankesh Nagar – wurde nach zwei bemerkenswerten Märtyrern benannt, Gauri Lankesh aus Indien und Sakine Cansiz von der kurdischen Frauenbewegung. Beide haben ihr Leben gegeben, um gegen Ungleichheit und Unterdrückung zu kämpfen.

 

Im Jahr 2018 wurde Indien in einer Umfrage der Thomson Reuters Foundation zum unsichersten Ort der Welt für Frauen erklärt, während die Weltgesundheitsorganisation erklärt hat, dass das Ausmaß der Gewalt gegen Frauen weltweit zu einem “globalen Gesundheitsproblem von epidemischem Ausmaß” geworden ist. Es gibt kein einziges Land auf der Welt, egal wie entwickelt, wo Frauen nicht diskriminiert werden oder wo es die Gleichstellung von Frauen und Männern gibt.

Die Unterwerfung von Frauen, Gewalt gegen Frauen und die Verweigerung der Gleichberechtigung sind eindeutig globale Phänomene, die tief im globalen politisch-ökonomischen System verwurzelt sind und daher eine globale Antwort erfordern.

 

Das Internationale Theoretische Seminar über die Befreiung der Frau ist ein bescheidener, aber organisierter Versuch, zu einem tieferen theoretischen Verständnis der Frauenfrage zu gelangen, um den Krieg gegen Ungleichheit, Ungerechtigkeit und Ausbeutung zu gewinnen.

 

 

Sharmistha Choudhury

Generalsekretärin, AIRWO)




Theoretisches Seminar: Fotos vom Veranstaltungsort Spoortidhama




Theoretisches Seminar: Zuschrift aus Esslingen – Spendenerfolg

“Das internationale Frauenbündnis Esslingen hat bei der gemeinsamen Aktion gegen Gewalt an Frauen Geld für die Reisekosten zum “Indienseminar” gesammelt.Der Löwenanteil kam über die kurdischen Frauen herein, die leckere Speisen vorbereitet hatten und diese gegen Spende verkauften.
133,80 € kamen zusammen.
Die werde ich Euch heute auf das Konto zur Förderung des Austauschs in der Frauenbewegung überweisen.

Herzliche Grüße und viel Erfolg
Margitta , Courage Esslingen-Nürtingen”