Interview mit Brigadistinnen der WFK 2016 in Nepal

Hier finden Sie ein Interview (auf deutsch) mit Brigadistinnen und Hygieneverantwortlichen der Weltfrauenkonferenz 2016 in Nepal:

 




Bericht von der 2. Weltfrauenkonferenz Nepal 2016 vom Kämpferischen Frauenrat

  1. März 2016 und
    aktualisiert 20. März 2016 resized Delegierte

Bericht der Frauen der Koordinierungsgruppe
des Kämpferischen Frauenrats
zur 2. Weltfrauenkonferenz
der Basisfrauen in Kathmandu 

Wir wollen euch ein paar Auszüge aus der 6-tägigen Weltfrauen-Konferenz  senden, die morgen, am Freitag, den 18. März 2016 zu Ende geht.
Vorab bedanken wir uns bei den nepalesischen Frauen und Freunden sowie bei allem Helferinnen und Helfern. Wir haben alle Großes geleistet und die Frauen der Welt haben entschieden den weiteren Aufbau der internationalen Frauenbewegung in die Hand genommen. Wir freuen uns, wenn wir wieder in Deutschland angekommen sind, mehr über diese anstrengende, aber sehr erfolgreiche 2. Weltfrauenkonferenz zu berichten.

Angélica Urrutia
Mitglied im Kämpferischen Frauenrat und stellvertretende Europa-Koordinatorin

Tagesbericht 13.03.2016 Beginn der Workshops um 9:30

Stefanie und Christiane vom Kämpferischen Frauenrat (KFR):
Am Sonntag den 13. März um 7:00 Uhr in der Frühe ging es los. Die Brigadisten und viele Helfer aus aller Welt trafen sich in der „Academy Hall“ zum Großreinemachen und Aufbauen. Nach  anfänglichen Problemen mit der Stromversorgung und fehlenden Tischen gingen alle voller Tatendrang ans Werk. Es war eine Herausforderung, aber es gelang, die Halle einigermaßen sauber zu machen. Die Beschilderung wurde angebracht.
Nach und nach trafen die internationalen und nepalesischen Teilnehmer ein, sammelten sich vor dem Eingang und lernten sich kennen. Um kurz nach 11 Uhr ging es zusammen zum Startpunkt der Demonstration.

Zur Demo trafen sich die unterschiedlichsten  Frauen der Länder und Organisationen aus Asien, Afrika, Mittleren Ost, Europa und Südamerika; aus Ländern wie Marokko, Tunesien, Ägypten, Namibia, Mali, Kongo, Burkina Faso, Südafrika, Uganda, Eritrea, Kenia, Indien, Nepal, Bangladesch,  Indonesien, Philippinen, Frankreich, Deutschland, Kasachstan, Schweiz, Niederlande, Peru, Spanien, Kurdistan, Türkei, Iran, Syrien, Afghanistan und andere.

Aus Deutschland nahmen Vertreterinnen der unterschiedlichsten Organisationen und Parteien teil: SI, CENI Frauen, YPG, Pepeni, Terre des Femmes, Anwältinnen ohne Grenzen, Bündnis 90 DIE GRÜNEN, Frauenverband Courage, Ver.di, Frauenkomitee BASTA, kurdische Akademikerinnen, Solwodi, MLPD, ICOR, Rebell und viele mehr.

Die Demonstration wurde flankiert von nepalesischen Frauen. Sie war lautstark, ergreifend und bunt. Deutsche Frauen sangen Frauenlieder mit Gitarrenbegleitung. Es wurden viele internationale und farbenfrohe Transparente getragen. Und auch die nepalesischen Parolen wurden schnell von allen gelernt und lautstark mitgerufen. Der Demozug war sehr lang und umfasste weit über 1000 TeilnehmerInnen. Nach zwei anstrengenden aber erfolgreichen Stunden durch die Innenstadt von Kathmandu kamen wir wieder an der Academy Hall an.

Um 13 Uhr begann die Öffnungszeremonie.
Die Academy war voll besetzt. Neben  den Reden von einigen Koordinatorinnen der Weltfrauenkonferenz sprach auch die Nepalesische Parlamentspräsidentin Frau Onsari Gharti und ehrte die Weltfrauenkonferenz, indem sie ein symbolisches Licht anzündete. Untermalt wurde die Zeremonie von einer nepalesischen Gesangs- und Tanzdarbietung, den deutschen Delegierten mit „Vamos Mujeres“ und den Delegierten aus Afrika, welche das Publikum mitrissen und auch zu Tränen rührten.

Es sprachen: Shiela Singh (Asienkoordniatorin), Onsasri Ghartil (nepalesische Parlamentspräsidentin), Monika Gärtner Engel (Europakoordinatorin), Vilma Silva aus Peru (sie las das Grußwort der nicht anwesenden Koordinatorinnen aus Lateinamerika vor), Halinka Augustin (Europakoordinatorin), Mariam Chhaibi (Afrikakoordinatorin), Özlem Yasak (Nah-Ost-Koordinatorin).

In allen Reden ging es um die gemeinsamen Probleme und Situationen der Frauen auf der ganzen Welt und um die Entwicklung der Situation der Frauen in Nepal, die Geschichte der Weltfrauenkonferenz der Basisfrauen, die Entwicklung der Frauenbewegung weltweit und ihre Gemeinsamkeiten.

Das Rahmenprogram war sehr lebendig und es wurden immer wieder Lieder gesunden auf dem Platz. Für die Verpflegung waren die verschiedenen nepalesischen Stände zuständig (das Essen war für europäische Gewohnheiten oft etwas scharf, aber reichlich und gesund). Viele verschiedene Verkaufsstände der Frauenorganisationen bereicherten den Rahmen der Konferenz. Courage hat eifrig Weltfrauenkonferenz-T-Shirts verkauft und immer wieder kamen die T-Shirts der Weltfrauenkonferenz im Laufe der Woche zum Vorschein.

Tagesbericht 14.03.2016: Beginn der Workshops um 9:30
Am Vormittag wurden die Berichte der Frauen aus den verschiedenen Kontinenten vorgetragen. Diese waren sehr beeindruckend und zeigten deutlich die dramatische Lebenssituation von Millionen Frauen, die tagtäglich unter große Diskriminierung, Gewalt, Ausbeutung und Unterdrückung weltweit leiden. Deshalb haben wir Frauen die Proteste, Kämpfe und Widerstände verstärkt. Die Notwendigkeit der 2. Weltfrauenkonferenz der Basisfrauen wurde deutlich, denn die Befreiung der Frau muss weltweit geschehen, daher ist die enge Vernetzung und Solidarität der Frauen weltweit wichtig. Die Berichte gaben viel Input für die Diskussionen und Analysen in den Workshops.

Am Nachmittag 14:00 begannen die 9 Workshops
Die nepalesischen Frauen haben eine gute Organisation bzgl. Übersetzung, Versorgung und Aussprache vorbereitet. Nach dem langen Aufbau der Workshops konnten wir beginnen. Das Übersetzerteam war gut beschäftigt, um die nötige Unterstützung für die Verständigung zu geben.

Jasemin vom Kämpferischen Frauenrat berichtet: “Ich war in Workshop 2 – im großen Saal, der Vortrag von Meral Cicek (Repak – irakische Frauenorganisation) war eindrucksvoll und interessant. Im Saal fand auch Workshop 5 und auf der Bühne Workshop 3 statt. Von der Akustik her war das eine Herausforderung … Dennoch haben alle Frauen in den Workshops sehr ernsthafte und disziplinierte, aber auch oft kontroverse Diskussionen geführt und Kernpunkte für ihre Resolutionen beraten.

Angélica berichtet:“ Ich besuchte den Workshop Nr. 3. Thema: „Aggressionskriege – Frauen im Kampf um ihre Befreiung“.  Auf dem Podium waren: IWA Nepal, YPG und CPY aus Kurdistan und Gabriela aus den Philippinen. Mich beeindruckte besonders die kurdische Vertreterin von YPG mit ihrem ausführlichen Bericht über die konkrete Situation der Frauen in Rojava/Kobane sowie die Pakistanische Professorin Asra Zayed, die eine sehr informative  Schulung  “Wie funktioniert der Kapitalismus“ vortrug.   Wegen der notwendigen Übersetzung – Kurdisch- Englisch- Nepali- Deutsch war Hochkonzentration angesagt. Auf der Theaterbühne, wo auch andere Gruppen arbeiteten, war zusätzlich die Akustik nicht einfach. Allen diesen schwierigen Bedingungen haben wir getrotzt und verabschiedeten am 2. Tag unsere Resolution.“   

16. und 17. März: Generalversammlung
Die Generalversammlung der Delegierten begann sehr kulturvoll mit einem Lied. Nachdem die größte Herausforderung, die Verständigung in sage und schreibe 8 verschiedenen Sprachen, durch das Übersetzer-Team und die nepalesisch-deutsche Technik funktionierten, stimmten wir ab, dass die Koordinatorinnen und dessen Stellvertreterinnen auch abstimmen dürfen.

Die Einführung machte die Bedeutung der Weltfrauenkonferenz  klar: “Wir Frauen gehen hier gestärkt heraus und der Zusammenschluss wird uns alle stärken für unsere Rechte und Gerechtigkeit. Frauen werden sich von den Lasten befreien. Im Kampf um ihre Befreiung werden sie die verschiedensten Herausforderungen überwinden – wie das Erdbeben in Nepal und den Boykott Indiens gegenüber Nepal … Wir Frauen der Welt erklimmen die höchsten Bergen und wir werden das Ziel erreichen“.

Die Tagesordnungspunkte und Geschäftsordnung wurden mit der Ergänzung, dass die Koordinatorinnen und ihre Stellvertreterinnen abstimmen dürfen, angenommen. Monika Gärtner-Engel: “Eine Simultan-Übersetzung in 8 Sprachen –  das ist etwas Neues in Nepal.“

Nach mehr als 8 Stunden Arbeit mit den Berichten aus den vielen Ländern war das Bedürfnis nach Diskussion groß und die vielen Wortmeldungen mussten auf den Donnerstag vertagt werden. Bunt und laut ging es hier und da von den nepalesischen Zuhörerinnen zu, wenn sie Widersprüche hatten. Das war sehr wichtig für sie, sie hörten sehr genau, wie wir abstimmten und machten sich bemerkbar,  wenn sie Widersprüche hatten.

Am Donnerstagvormittag begann der Teil des Treffens der jungen Frauen. Diese Stunde ist besonders wichtig gewesen für die jungen und aktiven Frauen. Sie haben ihre Berichte und Resolutionen vorgetragen. Die Entschlossenheit für ihre Rechte zu kämpfen, gegen Sexismus, für Bildung und Gesundheit, beeindruckte alle Delegierten und Zuhörerinnen.

Gegen Mittag ging es weiter mit den Diskussionen und am Nachmittag wurde die Resolution diskutiert. Hier gab es 30 Anträge. Die Änderungen wurden diskutiert und Widersprüche, die die Überparteilichkeit der Weltfrauenkonferenz betrafen,  demokratisch, klar und sachlich geklärt.

Die Kathmandu-Resolution steht! Großer Beifall und Freude!

Weiter ging es mit den Resolutionen aus den Workshops. Auch hier natürlich viele Diskussionen, die zeigen, wie groß das Bedürfnis der Frauen ist, für die Lösung der Probleme tiefgehende Diskussionen zu führen. Am Freitag werden die noch ausstehenden Resolutionen vorgestellt und im großen Abschlussplenum zur Abstimmung gestellt.

Der Song Contest war so schön und musikalisch 1 A. Wir freuen uns, dass unser Lied gewonnen hat…. Ihr könnt es auf der Homepage in der Kategorie „Songcontest“ anhören!

Viele Grüße an alle Weltfrauen zu Hause!

Namaste!

Im Namen des Kämpferischen Frauenrats
Angelica

  1. Weltfrauenkonferenz 2016 Nepal, Kathmandu – Tag 5 Abschlussplenum – Freitag, 18.03.2016

Liebe Frauen der Welt, die ihr aus den unterschiedlichsten Gründen nicht dabei sein konntet hier in Nepal:

WIR FRAUEN HABEN DIE HOECHSTEN BERGE DER WELT ERKLOMMEN!

Das ist die Botschaft der 2. Weltfrauenkonferenz 2016 in Nepal, Kathmandu und nicht nur ein symbolisches Motto. Die Stärken unserer Resolutionen spiegeln die Erfolge der Konferenz wider: Diese Resolutionen müssen realisiert werden.

Wir als Weltfrauen müssen unsere gemeinsamen Kämpf stärken!

Wir als Weltfrauen organisieren uns international!

Die Stimme der Frauen in Bangladesch muss auch in Ägypten gehört werden – das Echo der höchsten Berge von Kurdistan muss auch die Wüsten des mittleren Ostens erreichen.

An der Generalversammlung der 2. Weltfrauenkonferenz nahmen 40 Länder mit 74 Delegierten teil; die Teilnehmer kamen aus 48 Ländern. Vertreterinnen aus weiteren 13 Ländern konnten nicht kommen. Insgesamt waren 61 Länder aktiv beteiligt am Vorbereitungsprogramm.

Unter den Delegierten waren Textilarbeiterinnen aus Bangladesch, Automobilarbeiterinnen aus Spanien, Stahlarbeiterinnen aus Griechenland, Bergarbeiterinnen aus Kasachstan, Pflegerinnen aus den Niederlanden und  Deutschland, Führerinnen von Bauernbewegungen in Marokko und Namibia, Landlose, Vertreterinnen von Farmprojekten in Ghana.

Mindestens 80 verschiedene Frauenorganisationen repräsentierten Hunderttausende von Mitgliedern in einem Spektrum von christlichen bis zu revolutionären Positionen.

Es wurden 100 Resolutionen verabschiedet, die in den Abschlussbericht mit aufgenommen werden.     Die Präsidentin von Nepal, Mrs Bidhya Devi Bhandari, empfing während des Abschlussplenums eine Delegation von mehr als 50 Delegierten und Teilnehmern. Sie wünschte uns Kraft für unsere Bewegung in den verschiedenen Ländern. Sie gratulierte uns zu unserer Resolution von Kathmandu und erbat sich eine Ausgabe. Da sie wisse, dass sie von Basisfrauen komme, habe sie die Resolution bereits mit dem Herzen unterschrieben.

Die Ergebnisse der zehn Workshops zu den brennenden Fragen des Lebens und Kämpfens der Frauen zeigten durchgängig ein hohes Niveau: Resolutionen wurden vereinheitlicht, offene Fragen und Widersprüche benannt und fest gehalten: das Austragen von Differenzen brachte Einheit.

Herausragend war die Botschaft des Workshops der jungen Frauen, geleitet vom Rebell (Deutschland), Kijah (Tunesien) und nepalesischen Jugendorganisationen:

“ Der Kampf gegen den Imperialismus und Sexismus brennt auf der Haut jeder jungen Frau auf der ganzen Welt! Wir wollen die jungen Weltfrauen werden! Junge Frauen und Mädchen mobilisieren für die Befreiung!”

Das Auftreten der jungen Frauen macht Mut für die Zukunft!

Die Resolution von Kathmandu spricht die Probleme der Frauen weltweit an, ebenso die Probleme, die das nepalesische Volk betreffen durch die anhaltende inoffizielle Blockade durch Indien. Nepalesische Frauen stehen dagegen, haben sich hier versammelt und die Weltfrauenkonferenz zu einem Erfolg gemacht! Allen politischen Parteien, Institutionen und den vielen Einzelpersonen Dank dafür!

Ein besonderer Dank geht an Monika Gaertner-Engel, die ihre Verantwortung als Europakoordinatorin mit dieser Weltfrauenkonferenz abgibt. Vor zehn Jahren hatte sie die Idee zu einer Weltfrauenkonferenz der Basisfrauen: “ Aus der Bewegung für die Weltfrauenkonferenz ist eine Weltfrauenbewegung geworden!”, ist Monikas Bilanz heute. Ihr Vorschlag zur Durchführung eines internationalen theoretischen Frauenseminars in 2017/18 wurde von der Generalversammlung begeistert angenommen.

Christiane Fiebing / Berlin (Deutschland)

Stimmen von Teilnehmern:

“Die Workshop Berichte waren sehr informativ und gut, die gesamte WFK war eine wirkliche Bereicherung. Über die Resolutionen kann das gesamte Plenum abstimmen – das ist ein tolles Instrument! Den Kontakt zu den Frauen der Welt herzustellen, das hat die Konferenz voll geleistet!” (Anne, 63)

“Die Konferenz hat gezeigt, dass unsere Arbeit Früchte trägt – es hat viel Spaß gemacht! Das nächste Mal wieder!”  (Thorben,21,  Brigadist)

“Mir hat es sehr gefallen. Das ist ein neues Denken, dass die Frauen der Welt zusammen kommen ! Das verbindet alle Frauen miteinander und hilft, dass sie einander verstehen.”  (Depa, 27, Krankenschwester aus Kathmandu)

“Ich bin völlig überwältigt, dass ich gekommen bin: das ist der Höhepunkt meines Lebens! Es ist mir eine Freude und Ehre hier zu sein mit all den tollen Frauen und der nepalesischen Frauenbewegung den Rücken zu stärken nach der Blockade.”  (Gisela, 69)

 




Bericht von der 2. Weltfrauenkonferenz Nepal 2016 – ver.di

Bericht von der 2. Weltfrauenkonferenz Nepal 2016

von den Korrespondentinnen an und von ver.di –

Link:

https://www.verdi.de/themen/internationales/++co++a12d72ec-e78a-11e5-aff6-5254008a33df

Der 1. Tag: Es gibt noch viel zu tun resized_Solidarität-Rana-Plaza-3

Die 2. Weltfrauenkonferenz der Basisfrauen in Nepal Kathmandu hat am Sonntag mit einer bunten, eindrucksvollen internationalen Demonstration begonnen. Und mit einem ersten Erfolg. Weil die Frauen, die aus Syrien anreisen wollten, wegen des Krieges dort keine Visa beantragen konnten und ihre Einreise deshalb ungewiss war, haben die Organisatorinnen der Weltfrauenkonferenz den nepalesischen Außenminister mit einbezogen. Mit dem Ergebnis: Die Syrerinnen konnten auch ohne Visa einreisen. Und auch im Fall einer Delegierten aus Deutschland, die in Afghanistan geboren wurde und wegen eines angeblich unleserlichen Passes zurück nach Dubai geflogen wurde, intervenierten die Kongressfrauen erfolgreich. Auch sie ist inzwischen in Kathmandu angekommen unter den knapp 3.000 Frauen aus aller Welt.

Die Frauen aus Afrika beeindruckten, weil sie die ganze Demo, zwei Stunden lang durchtanzten. Auf der offiziellen feierlichen Eröffnung sangen und tanzten tausende Frauen, einige berichteten über ihre Kämpfe, so Frauen aus Burkina Faso und aus Pakistan. Die einen kämpfen gegen Umweltzerstörungen, die anderen gegen sexualisierte Gewalt. Hier in Kathmandu wollen sie sich mit den anderen Frauen beraten und voneinander lernen.

Die Sprecherin des nepalesischen Parlaments begrüßte die Weltfrauen aus 40 Ländern und vier Kontinenten. Sie betonte, in Nepal stehe die Gleichberechtigung auf dem Papier. Zur Durchsetzung müsse aber noch viel getan werden!

Grüße vom Dach der Welt – Nina aus Kathmandu!

Der 2. Tag: Frauen der Welt, vereint Euch

Über 500 Frauen haben heute an den zehn verschiedenen Workshops des zweiten Kongresstages teilgenommen. Wir haben im Workshop „Working Woman …“ mitgemacht. Gemeinsam mit Frauen aus Ägypten, den Niederlanden, Namibia, Polen, der Schweiz, Marokko, Bangladesch, Deutschland – und Nepal natürlich! Die Berichte aus den verschiedenen Ländern machen immer wieder eines deutlich: Die Situation von uns Frauen erscheint auf den ersten Blick so anders und ist sich bei näherer Betrachtung doch so ähnlich. Und vor allem: Die Ursachen für die Ungleichheit zwischen Frauen und Männern in der Arbeitswelt haben die gleiche Wurzel.

Wir erfuhren von der Verwaltungsangestellten aus Frankreich, dass Mobbing gegenüber Frauen nicht selten ist; in Namibia gibt es viele Bergarbeiterinnen, die bei Bekanntwerden einer Schwangerschaft sofort entlassen werden; die nepalesischen Frauen arbeiten oft mit schwerem Gerät auf dem Land – sie müssen 2 Wochen nach der Geburt wieder arbeiten; in Bangladesch geht der Kampf um den Mindestlohn in eine neue Runde; viele Frauen mahnten an, dass auch eine Bundeskanzlerin kein Garant für Gleichberechtigung ist. Die nepalesischen Frauen brachten es gut auf den Punkt: „Zwar steht die Gleichberechtigung im Gesetz, aber für die Umsetzung müssen wir alle noch kämpfen.“

Am Schluss des ersten Arbeitstages gab es eine kleine feierliche Zeremonie: Wir, die ver.di-Frauen, überreichten Joly Talukder, der Vorsitzenden der Textilarbeiterinnen-Gewerkschaft in Bangladesch, die zuletzt eingegangen 1.911€ Spenden für das Projekt „Sponsoring von Organizerinnen für die Gewerkschaft GWTUC“. Joly Talukder sagte: „Danke an die Frauen von ver.di. Wir sind wirklich eine feste Einheit geworden!“

Darum geht es, dass sich die Frauen dieser Welt vereinen.

Viele Grüße vom Dach der Welt!

Der 3. Tag: Die Lage der Arbeiterinnen und Angestellten

In allen Workshops wird intensiv über die zentralen Fragen der Frauen der Welt diskutiert und beraten. Wir waren heute im Workshop zur Lage und dem Kampf der Arbeiterinnen und Angestellten. Es ging vor allem darum, wie wirksam Frauen gegen Ausbeutung, Armut und Arbeitslosigkeit kämpfen. Frauen vom Streikkomitee aus Griechenland berichteten, dass sie im Streik 480 Familien versorgten, die keinen Lohn mehr bekamen. Aus Frankreich berichteten Frauen von großen Demonstrationen, als die Textilfabrik Rana Plaza in Bangladesch einstürzte, denn viele Fabriken in Bangladesch haben ihren Sitz in Frankreich. Der Bürgermeister einer Kommune nahe Paris sei dadurch dazu bewegt wurden, eine Protestnote an das Arbeitsministerium zu senden.

In Ägypten arbeiten 49 % der Frauen, davon werden 25 % aber nicht als Arbeitskräfte anerkannt und kaum bezahlt. Einige Arbeiterinnen, vor allem als Hausangestellte, bekommen gar keinen Lohn. Die Delegierte aus Ägypten sagte, „niemals werdet Ihr in Ägypten eine Richterin sehen“, solche Berufe bleiben Frauen einfach verwehrt. Die Situation für Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter sei in Ägypten sehr schwierig, 2.000 Aktivist/innen säßen aufgrund ihrer Aktivitäten im Gefängnis. Für ihre Freilassung wurde eine Resolution verabschiedet.

Im Workshop wurde auch darüber diskutiert, dass Beschäftigte und Angestellte Verantwortung für die Rettung der Umwelt übernehmen müssen. Das war für viele insofern etwas Neues, da man diese Aufgabe bisher nur der Umweltbewegung zugeschrieben hat. Aber es ist mehr als einleuchtend. Denn was hilft uns der beste Kampf um höhere Löhne, wenn uns die Luft zum Atmen genommen wird?

Die wichtigsten Punkte wurden in insgesamt 6 Resolutionen festgehalten und beschlossen. Nun sind wir sehr gespannt auf die morgen startende Generalversammlung, wo auch diese Resolutionen Thema sein werden.

Namaste vom Dach der Welt!

Der 4. Tag: Die Last der Nepalesinnen

Es ist sehr beeindruckend, wie die Menschen hier das tägliche Leben, (Über)leben und Arbeiten nach dem Erdbeben bewältigen. Während uns im Verkehr der Atem stockt, sagt der Taxifahrer, das sei harmlos. Vor allem durch die Blockade durch die indische Regierung gibt es immer noch nicht genug Benzin und Öl. Mehrmals täglich fällt der Strom aus und die Notbeleuchtung geht über Generatoren an. In den Restaurants, Geschäften, Häusern und auf der Straße geht das bunte Treiben weiter. Wir wohnen im Stadtteil Thamel (sehr touristisch!). In den vielen schmalen Gassen gibt es zahlreiche kleine Läden mit Kunsthandwerk, bunten Stoffen und Kleidern, Schals aus Kaschmir, umgerechnet oft nur für ein paar Euros. Vereinzelt sehen wir Lücken zwischen den Häusern, dort standen vor dem Erdbeben vor einem Jahr noch Häuser. An einigen Ecken wird wieder neu gebaut. Vor allem die Frauen haben Großartiges geleistet, um den Schutt wegzuschaffen.

Dazu stehen im krassen Gegensatz die Rechte der Frauen in Nepal. Oft sind die Betriebe im Familienbesitz, und die Mehrheit der nepalesischen Frauen arbeitet unentgeltlich. Die Frauen säen, ernten, und der Mann bekommt das Geld vom Verkauf und gibt es wieder aus. Die Masse der Frauen hat kein Eigentum und kein Geld. Aber die gesamte Last der Familienarbeit und das Organisieren des Lebens lastet auf dem Rücken der Frauen. Da bekommt die Balance von Arbeit und Familie eine ganz andere Bedeutung.

Schola aus Nepal berichtete uns von einer Fabrik, die Plastik produziert, und Frauen nicht den Mindestlohn von 6.100 Rupien (58 Euro) im Monat zahlt, sondern sie mit 3.000 Rupien abspeist. Das sind nicht mal 30 Euro. Oder ein Fabrikbesitzer, der gar keine Frauen einstellt, weil der Betrieb dann angeblich nicht mehr zu führen sei. Obwohl in der neuen Verfassung 10 Prozent Frauenanteil in allen Unternehmen festgelegt sind.

Neben der Generalversammlung, die heute begonnen hat und an der Nina als eine der deutschen Delegierten teilnimmt, gibt es viel Kultur, Gesang, Gespräche und die Möglichkeit, einen Ausflug auf den Affenberg zu machen, mit wunderschönem Blick über die Stadt. Für uns ist jeder Gang und jede Fahrt durch die Stadt ein Erlebnis. Mit dem Auto wären wir heillos überfordert, uns im Linksverkehr zwischen Autos, Fahrrädern, Motorrädern und den vielen Menschen durchzuschlängeln.

Namaste vom Dach der Welt von den ver.di-Frauen

Der 5. Tag: Junge Frauen wehren sich

Heute haben die jungen Frauen und Mädchen in der Generalversammlung das Podium übernommen. Und die haben deutlich gemacht, dass Mädchen meist weniger wertgeschätzt werden als Jungen, Mädchen und jungen Frauen in vielen Ländern immer noch der Zugang zu Bildung verwehrt wird, und ihre Löhne in der Arbeitswelt generell niedriger sind. Besonders ergreifend waren die Berichte von Cansu und Balkis. Cansu hat das Massaker der Islamischen Terrormiliz IS in Suruç in der Türkei überlebt, bei dem 33 ihrer Freundinnen und Freunde starben. Balkis berichtete vom Völkermord an dem jesidischen Volk in Schengal im Nordirak im August 2014. Tausende Mädchen und Frauen wurden damals verschleppt, versklavt und ermordet. Noch heute sind über 3.000 jesidische Frauen und Mädchen in der Gewalt der IS-Milizen.

Eine junge Frau aus den Niederlanden sagte: „Die Medien reden uns ein, das Aussehen sei wichtiger als das Gehirn.“ Und fuhr fort, dass in den Niederlanden seit der Legalisierung der Prostitution der Sexhandel mit jungen Frauen boome.

Gewalt hat viele Gesichter, der Widerstand auch. Wir nehmen die Frage mit nach Hause, wie wir gerade auch junge Frauen organisieren können. Junge Frauen und Mädchen in der Welt verbindet der Traum von einer Gesellschaft ohne Ausbeutung und Unterdrückung. Das wurde auch in den Songs beim Songcontest klar. „Women of the world climbing the highest mountains!“ Alle Beiträge wurden für die Konferenz komponiert. Drei Songs kamen aus Nepal, zwei aus Deutschland und ein Song aus Bangladesch. Wer gewonnen hat? Das erfahrt ihr in den nächsten Tagen hier und auf der Website der Weltfrauenkonferenz.

Auf der Generalversammlung wurde darüber hinaus in vielen Reden immer wieder auch unsere Verantwortung für die Umwelt betont. So bedeuten die Auswirkungen des Klimawandels für die Frauen in Mali bereits heute, dass sie zig Kilometer weiter auf die Suche nach Wasser gehen müssen.

Wir grüßen euch vom Dach der Welt!

Namaste aus Kathmandu!

Der Abschlusstag: Lasst uns unsere Kämpfe koordinieren

Heute war eine Delegation der Weltfrauenkonferenz bei der Präsidentin des nepalesischen Parlaments eingeladen. Und die unterschrieb ohne zu zögern die Abschlussresolution. In der heißt es: „Wir sind auf dem Weg der internationalen Bewegung von Weltfrauen auf Grundlage unserer Prinzipien: Wir sind überparteilich! Wir arbeiten und entscheiden demokratisch! Wir sind unabhängig, aber grenzen uns nicht voneinander ab. Wir stärken unsere eigene finanzielle Basis. Wir lernen, eine internationalistische Denkweise in unserer Arbeit zu verwirklichen! Wir praktizieren eine demokratische Streitkultur. Der wichtigste Maßstab unserer Arbeit ist es, ob es gelingt, die Frauenbewegung nachhaltig zu stärken! … Lasst uns unsere Kämpfe koordinieren! In jedem harten Kampf müssen sich die Frauen sicher sein, dass sie unterstützt werden und dass ihr Kampf auf der ganzen Welt bekannt gemacht wird!“

Die Weltfrauenkonferenz endet nicht mit schönen Worten, sondern mit wichtigen Beschlüssen und Schlussfolgerungen für alle Frauen der Welt. Wir erheben unsere Stimmen vom höchsten Berg der Welt und sie werden gehört in den Tälern Südamerikas, in den Weiten Afrikas und an vielen anderen Orten. Insgesamt waren 40 Länder mit 74 Delegierten und vielen weiteren Teilnehmerinnen hier vertreten, insgesamt sind 61 Länder aktiv im Weltfrauenprozess. Frauen aus 14 Ländern konnten aus verschiedensten Gründen nicht kommen. Aber Vertreterinnen von 80 verschiedenen Frauenorganisationen, eine Vertreterin aus Frankreich vom Weltfrauenmarsch und der Rechtsanwältinnen ohne Grenzen, Frauen aus der christlichen bis zur revolutionären Bewegung und Aktivistinnen aus den vier kurdischen Regionen und viele andere Frauen haben teilgenommen, haben zukunftsweisende Beschlüsse gefasst, Resolutionen verfasst und an der Abschlussresolution mitgearbeitet.

Das hat auch für uns Gewerkschaftsfrauen eine wichtige Bedeutung. Wir sind wichtiger Bestandteil im Weltfrauenprozess mit all unseren Erfahrungen und unserem Know-how. Wir bringen neue Erfahrungen und neue Verbindungen zu vielen Frauen mit nach Deutschland zurück. Und wir sind sehr gespannt auf die Meinung unserer Kolleginnen und Kollegen.

Ein letztes Namaste vom Dach der Welt!

 




Bericht von der 2. Weltfrauenkonferenz Nepal 2016 – rf-news

Berichte von der 2. Weltfrauenkonferenz Nepal 2016
von den Korrespondentinnen an rf-news 160308 Kathmandu Fronttransparent

Link: https://www.rf-news.de/frauen

12.03.16: Gestern, am 11. März, fanden die letzten Straßensammlungen und Werbeeinsätze vor der Weltfrauenkonferenz statt, die morgen beginnt. Die Einsätze erstreckten sich über die letzten zwei Wochen. Die Brigadistinnen und Brigadisten sind motiviert bis in die Haarspitzen; viele machen so etwas zum ersten Mal. In den Straßen Kathmandus, auf Plätzen, in Geschäften sprechen sie die Menschen an und laden sie zur Weltfrauenkonferenz ein. Ihr Auftreten ist nicht zu übersehen und und nicht zu überhören. Die Lieder und Ansprachen, die Transparente und Flugblätter erregen Aufmerksamkeit.

Der Zuspruch ist beeindruckend. Kleine und große Spenden werden in die Sammelkartons gesteckt oder in die Sammeltücher geworfen – insgesamt ca. 50.000 Rupien. Das sind umgerechnet etwa 430 Euro und entspricht zwei Drittel eines durchschnittlichen Jahresgehalts. Einfach überwältigend! Unzählige Gespräche, Hunderte aufgeklebte Werbeplakate, die große Demonstration am Internationalen Frauentag machen die Weltfrauenkonferenz in Kathmandu bekannt. Nicht wenige Frauen – auch Männer – werden für die Teilnahme gewonnen, geben ihre Adresse und wollen in Kontakt bleiben, möchten Werbeplakate mit nach Hause nehmen, in der Nachbarschaft oder in ihrem Laden anbringen oder sofort beim Plakatieren helfen.

Und noch etwas begeistert bei den gemeinsamen Einsätzen der Brigadistinnen und Brigadisten aus Nepal, Deutschland und den Niederlanden: Die Frauen lernen sich näher kennen und lernen voneinander. Ihre Beharrlichkeit beim Sammeln ist beeindruckend, ihre Begeisterung mitreißend. Mit ihren Liedern machen sie richtig Stimmung. Das Vertrauen untereinander wächst ihn ihrem Kampf für die Vernetzung und Stärkung der internationalen Frauenbewegung; es entstehen Freundschaften. Dieses Gefühlt des gelebten Internationalismus ist unauslöschlich.

13.03.16 – Das Transparent “Let’s make grand success the 2. World Women Conference” führte die Demonstration von mehr als 2.000 Weltfrauen am heutigen Sonntag in der nepalesischen Hauptstadt Kathmandu an. Internationale Frauen und Koordinatorinnen trugen das Transparent mit der programmatischen Losung auf Nepali und Englisch. Der machtvolle Frauenmarsch eröffnete die zweite Weltfrauenkonferenz der Basisfrauen, die bis zum 18. März dauert. In einem Brief schreiben zwei Berichterstatterinnen:

“Es ist genau richtig, die Weltfrauenkonferenz mit dieser machtvollen Demonstration zu eröffnen, denn weltweit stehen Frauen auf, für ihre Interessen zu kämpfen. … Am Sammelpunkt begrüßten uns hunderte Frauen aus Nepal in ihren tollen farbenfrohen Kleidern. Am Tag vorher wurde … erkämpft, dass die syrischen Frauen – obwohl sie kein Visum beantragen konnten – mit Hilfe des Außenministers von Nepal einreisen konnten.”

Mit einer haarsträubenden Begründung hatten nepalesische Behörden zudem die aus Afghanistan stammende deutsche Jugenddelegierte Shamla Sarabi aus Essen auf dem Flughafen Kathmandu aufgehalten und mit dem nächsten Flieger zurück nach Dubai abgeschoben. Ihr Pass sei nicht maschinenlesbar! Wohlweislich: Shamla reist mit gültigem Pass und gültigem Visum.

Sofort begann eine politische Offensive in Nepal und in Deutschland. Protestschreiben der Asienkoordinatorin der Weltfrauenkonferenz, die auch Parlamentsabgeordnete ist, sowie des nepalesischen Außenministers wurden auf den Weg nach Dubai gebracht. Die afrikanischen Frauen verabschiedeten eine Protestresolution und es wurde nicht lange gefackelt: eine laute Demonstration kämpferischer Frauen zog durch die Stadt:

“Unangemeldet, mitten auf der Straße und gut geschützt durch unsere Ordner-Ketten, wie wir sie am 8. März kennengelernt hatten. Von den Afrika-Frauen konnten wir Kreativität und Musikalität bei den Parolen lernen: Aus ‘We want Shamla in Nepal!’ wurde ein Song mit Tanz! Angeführt wurde die Demonstration von der Asienkoordinatorin Durga Paudel und der Europakoordinatorin Monika Gärtner-Engel.

Nach kurzer Zeit kam Polizei und sprach Durga an: Das ginge doch nicht, wir könnten doch nicht einfach so eine Demonstration machen. Ihre Antwort: ‘Wir lassen nicht zu, dass die Delegierten unserer Weltfrauenkonferenz nicht ins Land gelassen werden!’ Daraufhin bekamen wir Polizeischutz, der vor der Demonstration lief und dann unsere Kundgebung schützte.” (Bericht vom 12. März 2016 auf der Webseite der Weltfrauenkonferenz und 4-minütiger Film auf Youtube).

Heute nun konnte Europakoordinatorin Halinka Augustin bekanntgeben: “Aufgrund der Demonstration und der Proteste gestern wird auch Shamla nach Nepal kommen! Gestern riefen wir: We want Shamla in Nepal now! Und heute wird sie da sein!”

Es folgte ein lebendiger Demonstrationszug, der von den nepalischen Frauen eingerahmt wurde … . Afrikanische Frauen riefen singend ihre Parolen und tanzten dazu. … Kämpferische Lieder aus unterschiedlichsten Ländern wurden gesungen. Am offenen Mikrofon stellten sich die Frauen vor. Es gab ein buntes Fahnenmeer von International Womens Alliance, IG Metall, REBELL, YPG, Courage, ICOR/MLPD, ver.di, Gabriela/Phillipinen und so weiter.

Ideenreich gestaltete Transparente wie von Frauen aus Kurdistan mit dem wunderbaren Gruß: ‘From the mountains oft Kurdistan to the highest mountains of the world! Womans radical struggle for a free life’ (Von den Bergen Kurdistans zu den höchsten Bergen der Welt! Der radikale Frauenkampf für ein freies Leben). … Die Notwendigkeit, organisiert zu kämpfen, wurde deutlich. Und der Kampf um die Befreiung der Frau, für die internationale Revolution und eine befreite Gesellschaft.

Auf der Demo sah man den Stolz der Frauen, sie wurde von tausenden Zuschauern auf der Straße, in den Geschäften und aus den Wohnungen schwer beachtet und wohlwollend begrüßt. Wir selbst waren natürlich auch überwältigt von unseren Eindrücken im Marsch durch die Straßen Kathmandus.”

Der Kampf um die Einreise, kämpferische Auftaktdemonstration und Verschwesterung, Ideenreichtum und Kampfgeist, Zusammenhalt, Verantwortungsgefühl und Solidarität bei den Werbe- und Spendeneinsätzen: die Tage unmittelbar vor und bei Beginn der 2. Weltfrauenkonferenz zeigen wie unter einem Brennglas, wie die Herausforderungen angepackt und gemeistert werden.

Stefan Engel, Vorsitzender der MLPD und Hauptkoordinator der ICOR, grüßt die 2. Weltfrauenkonferenz der Basisfrauen mit den Worten: “Es ist mir eine große Ehre und Freude, Euch die revolutionären Grüße der revolutionären Weltorganisation ICOR zu überbringen. Die ICOR hat seit ihrer Gründung die Befreiung der Frau zu ihrem programmatischen Ziel gemacht. Deshalb unterstützt sie mit ihren inzwischen 49 Parteien und Organisationen auf vier Kontinenten den Prozess der Weltfrauenkonferenz als eine wirkliche kämpferische Initiative der Basisfrauen. Die heutige Konferenz in Kathmandu ist ein  Sieg der internationalen kämpferischen Frauenbewegung allen Widerständen zum Trotz. … Die weltweit verbundene kämpferische Frauenbewegung entwickelt sich zu einem wichtigen Bindeglied zwischen der internationalen Arbeiterbewegung und der breiten Volksbewegung aller Unterdrückten. Der Kampf um die Befreiung der Frau wird siegreich sein, wenn er mit dem Kampf gegen Ausbeutung und Unterdrückung und gegen den Imperialismus gemeinsam geführt wird.”

14.03.16 – Vom begeisternden ersten Tag der 2. Weltfrauenkonferenz gibt es ein erstes offizielles Video. Die Weltfrauen haben eifrig mitgeflimt und somit ein erstes mitreissendes Filmdokument der Konferenz geschaffen. Es sind Bilder von Kathmandu, Interviews mit Konferenzteilnehmerinnen und  Berichte über die Solidarität mit Shamla Sarabi und vom ersten Konferenztag zu sehen

15.03.16 – Die zweite Weltfrauenkonferenz der Basisfrauen hat nach einer schwungvollen und kämpferischen Demonstration in Kathmandu zur Academy Hall erfolgreich begonnen. Der Saal war zur Eröffnungszeremonie brechend voll. Die Frauen aus dem UWA (United Womens Association) Nepal begrüßten die 1.200 Frauen aus aller Welt herzlich und würdevoll. Sie bedankten sich für die Hilfe beim Aufbau der Schule nach dem Erdbeben und erklärten, dass die Befreiung der Frau auf der ganzen Welt gegen den Imperialismus erkämpft werden muss. Nach der Begrüßung der Koordinatorinnen und der Vertreterinnen der neun nepalesischen Frauenorganisationen begann die Eröffnungszeremonie, mit Musik untermalt.

In ihrem Willkommensgruß gedachte die Präsidentin der “All Women’s Association”, Shiela Singh, der Erdbebenopfer. Shiela stellte heraus, dass es darum geht, eine bessere Welt zu erkämpfen und die Trauer in Wut zu verwandeln. Die Parlamentspräsidentin Frau Onsari Gharti ehrte die Weltfrauenkonferenz der Basisfrauen mit einer Ansprache. Sie ging auf die neue Verfassung ein, in der die Gleichberechtigung von Mann und Frau festgeschrieben ist.

Dann sprachen alle Koordinatoren. Monika Gärtner-Engel gratulierte in ihrer kurzen Ansprache zum großen Erfolg der Weltfrauenkonferenz, zu dem viele Menschen beigetragen haben und die ein historischer Erfolg ist. Sie verkündet unter großem Beifall, dass Shamla, eine junge afghanische Frau und Jugenddelegierte Deutschlands für die Weltfrauenkonferenz,  die in Kathmandu auf dem Flughafen abgewiesen und zurück nach Dubai geschickt wurde,  heute in Kathmandu eintreffen wird. Der Protest der Teilnehmerinnen war entscheidend, dass die Einreise nun doch möglich wurde.

16.03.16 – Der dritte Tag sah die Weltfrauenkonferenz in Kathmandu bei schönstem Wetter. Schon auf dem Weg zur Academy öffnete sich das Herz: Sonne, viele freundliche Gesichter, ein bunter Markt mit vielen Händlerinnen und Händlern. Häufig wird mit “Namaste“ gegrüßt. Die Workshops begannen pünktlich, weil alle sich orientieren konnten.

Heute berichten wir über den Workshop „Frauen kämpfen um Mutter Erde, Frauen und Umweltbewegung “: Awa Meité aus Mali hielt ein flammendes Plädoyer für die Herstellung der Einheit von Mensch und Natur.

Azra Sayed aus Pakistan entlarvte die Methoden der US-Monopole: Unter dem Deckmantel einer „grünen Revolution“ zerstören diese die Landwirtschaft in Pakistan.

Durga Paudel aus Nepal berichtet von ihren Kämpfen: Der erste Kampf, den sie gewonnen haben, ging gegen die Rodung der Bäume für Profit. Der zweite Kampf geht gegen den Kalksteinabbau. Dadurch gehen Wasserressourcen zurück und die Luft wird verschmutzt.

Als letztes sprach Miriam Gärtner von der Umweltgewerkschaft, unter anderem über die Einlagerung von Giftmüll unter Tage in Deutschland und den Kampf, der dagegen geführt wird. Nach den spannenden Beiträgen begann eine lebendige Diskussion. Diese wird in einer Resolution für die Generalversammlung verarbeitet.

Parallel zu den Workshops fand der Massenchor statt und verschiedene Tänze wurden auf dem Vorplatz der Academy vorgeführt. Liebevoll wird von den Nepalesinnen Essen an Ständen zubereitet, wo wir aus einer großen Vielfalt wählen können. Die Atmosphäre führt zu einem guten Arbeitsklima, was begeistert.

17.03.16 – „Vamos mujeres, olé olé olé“. So wurde die Generalversammlung der Weltfrauenkonferenz der Basisfrauen am 16. März mit internationalem Chor eröffnet. Trotz technischer Probleme konnte Durga Paudel, die nepalesische Koordinatorin, die Weltdelegationen aus vier Kontinenten warmherzig willkommen heißen: „Frauen erklimmen die höchsten Berge, dieses Versprechen werden wir einlösen.“

An diesem ersten Tag wurden alle Berichte aus den Kontinenten vorgetragen. Meral aus dem Mittleren Osten schilderte den Krieg in der Region Syrien/Irak, der als Stellvertreterkrieg begann und die Gefahr eines dritten Weltkrieges herauf beschwört. Umso mehr weist der Befreiungskampf des kurdischen Volks in Rojava einen Weg im Kampf um Freiheit und Demokratie in Konfrontation zu den Imperialisten und Neo-Imperialisten. Meral schilderte eindrücklich die Entwicklung der Frauenbewegung in den verschiedenen Ländern ihrer Region. Die Bestrebungen der Frauenbewegung des ganzen Mittleren Ostens und Asiens, den Kampf gemeinsam zu führen, wird dabei eine neue Seite aufschlagen.

Der Bericht der europäischen Koordinatorinnen, vorgetragen von Halinka Augustin, wurde mit großer Anerkennung und Begeisterung aufgenommen. Es wurde deutlich, dass die Frauenbewegung in Verbindung mit der Arbeiterbewegung, der Volks- und Jugendbewegung eine Entschlossenheit an den Tag legt und immer stärker die gesellschaftliche Auseinandersetzung prägt.

Die Afrikanerinnen sind mit einer beeindruckenden Anzahl von zwölf Länderdelegationen angereist. Erschütternd war in ihrem Bericht das Elend und die teilweise Zerrüttung ihrer Länder. Umso mitreißender war ihre Lebensfreude, ihre Entschlossenheit und ihr Ruf: „Afrika, Afrika vereinige dich gegen die Ausbeuter.” Die Frauen versprechen, den Kampf gemeinsam mit den Weltfrauen zum Erfolg zu bringen.

In der Mittagspause – plötzlich große Aufregung vor dem Eingangsportal. Eine Mutter, Aktivistin in der Frauenbewegung Nepals, steigt aus dem Wagen. Zusammen mit ihrem Mann stellen sie ihre neugeborenen Drillinge, acht Wochen alt, der Weltfrauenkonferenz vor, sinnbildlich für die Zukunft.

18.03.16 – Die Weltfrauenkonferenz in Kathmandu, Nepal, die heute in die letzte Runde geht, hat gestern eine wichtige Resolution beschlossen. Die jungen Frauen haben die Bühne der Generalversammlung selbstbewusst und mit einer mitreißenden Entschlossenheit betreten.

Aus den verschiedensten Ländern brachten sie ihre Positionen und Visionen vor. Cansu aus der Türkei: „Obwohl wir von Bomben und terroristischen Attacken bedroht sind, lassen wir uns nicht aufhalten, die Straßen und Plätze zu betreten.“ In mehreren Berichten kam der Kampf gegen den Sexismus zur Sprache. Franziska und Anna aus Deutschland berichten, welchen weitgehenden Diskriminierungen die Frauen ausgesetzt sind.

Unmissverständlich brachten die jungen Frauen in ihrer Resolution zum Ausdruck, „dass es nicht ausreicht, für bessere Bildung, für neue Gesetze zu kämpfen, weil all unsere Probleme im Kapitalismus begründet sind.“

Sie wollen die nationalen Kämpfe durch gegenseitige Information und Solidarität unterstützen: „Wir junge Frauen beabsichtigen einen internationalen Appell zum 8. März gemeinsam zu veröffentlichen, um in allen Ländern junge Frauen zu mobilisieren. Wir beschließen auch, uns gegenseitig alle drei Monate über neue Kämpfe und Entwicklungen zu informieren.“

19.03.2016: Meral Cicek, Koordinatorin des Mittleren Ostens eröffnete das Abschlussplenum mit den Worten: “Erst, wenn die Berge Kurdistans, die Täler Lateinamerikas, die Wüsten der Städte Europa, die Dörfer Afrikas die Stimmen der Weltfrauen erhören, dann haben wir Frauen die höchsten Berge erklommen. Weltfrauen, fällt starke Entscheidungen!” Mit einer Schweigeminute für alle gefallenen Frauen im Kampf um ihre Befreiung und mit Applaus für alle kämpfenden Frauen wurde das Plenum fortgesetzt.

Anschließend wurde aus jedem der 10 Workshops kurze, sehr beeindruckende Berichte vorgelegt. Die Frauen aus 48 Ländern haben sich mit vielen Fragen und Erfahrungen ihres Lebens, ihrer Kämpfe und ihrer Perspektiven auseinandergesetzt, sich beraten und überlegt, wie sie sich gegenseitig unterstützen können. Nicht immer waren sich die Frauen in allen Fragen einig, aber sie betonten, dass ein starkes Netzwerk wie die Bewegung der Weltfrauen nötig ist, um immer mehr Frauen für den gemeinsamen Kampf für die Befreiung der Frau zu mobilisieren. Es war in allen Workshops sehr beeindruckend, dass die Prinzipien der Weltfrauenkonferenz, die Überparteilichkeit, die breite Demokratie und auch die finanzielle Unabhängigkeit sich immer mehr durchsetzen. In einigen Workshops stand die Umweltfrage mit im Fokus und es wurde deutlich, dass Umweltbewegung und Frauenbewegung Hand in Hand arbeiten müssen, um Mutter Erde vor der Profitgier der Herrschenden zu retten. Für viele Frauen war dafür der Kampf der Frauen in Indonesien gegen den verheerenden Smog, der durch die Abholzung der Urwälder z.B. für Biodiesel entsteht, ein ermutigendes Beispiel. Es gab auch noch 3 “kleinere” Workshops zum Thema “Matriarchat”, von Solwodi, der Organisation, die sich um Frauen kümmern, die aus Not in Prostitution geraten sind. Oder von Solidarität International Berlin, die konkret “Kochen ohne Strom aber mit Sonne” vorführten.

Anschließend lagen dem Abschlussplenum über 20 Resolutionen vor, denen meistens mit großer Mehrheit zugestimmt wurde. In mehreren wurde die Freilassung politischer Kämpferinnen gefordert : “Befreien wir unsere Schwestern, befreien wir uns selbst!” So rufen die Schwestern aus den Philippinen zur Kampagne “Free Sharon Cabusao!” auf. Die Frauen aus Kurdistan erhielten die Solidarität im Kampf um die Freiheit mit allen politischen Gefangenen im Iran und in der Türkei. Sie fordern besonders Freiheit für Zeynep Calalian! Ein Teil der Koordinatorinnen und Delegierten war während des Plenums bei der Präsidentin Nepals eingeladen. Sie hörte den Besucherinnen interessiert zu, meinte auch, in Nepal sei noch viel zu tun für die Frauen, aber dass die Basisfrauen jetzt zusammen sind, sei sehr wichtig. Mit dem Herzen hätte sie die Abschlussresolution der 2. Weltfrauenkonferenz der Basisfrauen schon unterschrieben. Die Erklärung von Kathmandu wurde von der Generalversammlung einstimmig verabschiedet.

Sehr beeindruckend war die Übergabe eines Schecks und von Geschenken – u.a. einem Kopierer – an den Schulleiter der Schule von Magapowa, die mit dem gesammelten Geld von Frauen aus Deutschland aufgebaut wurde. Couragefrauen aus Hannover und Berlin und Frauen aus den Niederlanden wollen eine dauerhafte Partnerschaft aufbauen. Halinka Augustin, Europakoordinatorin, bedankte sich bei allen freiwilligen Helferinnen und Helfern vor allem aus Nepal und aus Deutschland. Die Bühne war ein Meer von Frauen, als sie alle ihre Zertifikate erhielten.

Monika Gärtner-Engel gab bekannt, dass sie auf der nächsten Europakonferenz nicht mehr als Koordinatorin kandidieren werde. “Das ist kein Abschied. So schnell werdet ihr mich noch nicht los!“, war ihre erste Antwort und sie versprach, dass fähige Frauen ihre Aufgabe übernehmen werden. Großer Beifall brauste auf, als sie berichtete, dass zum ersten Mal mit ihrer Person eine Frau in die Aufgabe des Hauptkoordinators der ICOR gewählt wurde. Die Weltfrauen dankten ihr für ihre Verdienste, manche mit Tränen in den Augen.

Die Weltfrauenkonferenz wurde von Durga Paudel beendet. Sie bedankte sich bei allen und brachte ihren Stolz und Freude zum Ausdruck, dass die Weltfrauenkonferenz in Nepal stattgefunden hat. Mit einem Saal voller tanzender Frauen und dem Lied “Todo cambia” endete die 2. Weltfrauenkonferenz der Basisfrauen 2016 in Kathmandu/Nepal.

19.03.16 – (aktualisiert am 21.03.16) Ca. 500 bis 600 Besucher verfolgten einen spannenden Liederwettbewerb um die neue Hymne der Weltfrauenkonferenz. Angetreten waren sechs Sängerinnen/Gruppen aus drei verschiedenen Ländern: Nepal, Deutschland und Bangladesh. Moderiert wurde der Abend von Bulelwa aus Südafrika und der Rebellin Bianca aus Göttingen, junge engagierte Nepalesinnen übersetzten in Nepali. In der Jury saßen Miriam, eine junge Frau aus Marokko; Rhea, eine junge Frau aus Deutschland und Rupa aus Nepal.

Alle drei wurden als Musikkennerinnen vorgestellt. Zu den Anforderungen an die Hymne und Teilnahme am Songcontest stellte der Jugendverband Rebell heraus: Es müssen die Werte der Weltfrauenkonferenz zum Ausdruck kommen, es soll rhythmisch sein und eine eingängige Melodie haben. Außerdem soll es das Bewusstsein und die Gefühle der Frauen ansprechen.

Die meisten Lieder waren selbst komponiert mit neuen Melodien; ein Lied aus Bangladesh war ein traditionelles Volkslied; das Lied „Women of the World – unite“ der Songgruppe WOW Colone/Deutschland nahm per Video Übertragung teil. Das Publikum ging begeistert mit, tanzte und klatschte. Die Jury bewertete fachkundig die Performance, Ausdruck und Stimme sowie die Besonderheiten in den Texten.

Es wurde schnell deutlich, dass die Entscheidung schwer fallen wird. Abgestimmt wurde mit Aufklebern an Plakaten, die von Jungs durch die Reihen getragen wurden. Dann war es soweit, das Lied „Women of the World we arise“ aus Deutschland gewann mit 167 Stimmen deutlich vor dem zweiten Platz der Nepalesin Nilima Pun. In einer weiteren Korrespondenz wird berichtet: “Kejsi, 11 Jahre aus Gelsenkirchen, die Gewinnerin des Vorentscheids auf dem Pfingstjugendtreffen 2015, trat auch per Video an. Ihr Song ‘Women of the world arise’ und ihre kraftvolle Stimme sorgte erneut für Erstaunen und Begeisterung. Dass die Jugend die Zukunft der Frauenbewegung ist, wurde so auch in ihrem Beitrag lebendig.”

Es war toll, wie alle Teilnehmer die junge Siegerin hoch leben ließen. Von Konkurrenzdenken keine Spur! Die Siegerehrung für alle anderen ging dann im allgemeinen Trubel etwas unter – aber alles in allem ein wunderbarer Abend, der im Zeichen der jungen Frauen für eine von Ausbeutung und Unterdrückung befreite Frau stand.

 




Eröffnungsrede WFK von Monika Gärtner-Engel (deutsche Übersetzung)

Monika Gärtner-EngelIMG_3608 (2)

Rede zur Eröffnung der 2. Weltfrauenkonferenz

Liebe Freundinnen und Freunde, liebe Schwestern, Genossinnen und Genossen!

IMG_3566 (2)Zehn Jahre ist es her, dass wir mit dem Prozess begannen, die weltweite Bewegung der “Weltfrauen” aufzubauen. Damit sind alle Frauen gemeint, die zusammenarbeiten im Prozess der Weltfrauenkonferenz der Basisfrauen.

Herzlichen Glückwunsch an euch alle für diesen großartigen Erfolg!

In welcher Situation entstand diese Idee?

Nach dem Zusammenbruch der ehemaligen Sowjetunion hatte sich die Weltlage verändert. Die starken kapitalistischen und imperialistischen Supermächte – USA und Europa – beherrschten die ganze Welt. Das bekannte Gesicht des Kolonialismus verwandelte sich in den Neokolonialismus. Die sogenannte Globalisierung war in Wirklichkeit eine kapitalistische und imperialistische Neuorganisierung der internationalen kapitalistischen Produktion. Ihre neue Weltordnung unterwarf die ganze Welt ihrer Macht. Ihre Instrumente sind die manipulativen Massenmedien, sowie ihr Militär. Einige hunderte Monopolisten beherrschen jetzt die ganze Welt.

2006 waren 10 Jahre vergangen seit der UN Frauenkonferenz in Peking, der letzten von vier Frauenkonferenzen. Seitdem konzentrierte sich die UNO auf das Krisenmanagement auf der ganzen Welt. In der Auswertung der Pekinger Konferenz konnten wir feststellen: trotz aller Resolutionen, Lobbyismus, Papierberge, Regierungs-,Weltbank- und IWF-Programme zur Stärkung der Frauen  – die Lage der Basisfrauen verschlechterte sich sogar! Sie waren Opfer der Globalisierung, des Neoliberalismus, der Privatisierung von Sozialleistungen, und ihre doppelte Ausbeutung und Unterdrückung verschärfte sich. Wir sahen dann, dass ihre “Stärkung der Frauen” sie dazu befähigen sollte, ihre Rolle in der neuen Weltordnung des Imperialismus zu spielen.

Andererseits führte die Internationalisierung von Wirtschaft und Politik dazu, dass die Welt näher zusammenrückte. Die Arbeiter in den großen Monopolbetrieben lernten, nicht gegeneinander, sondern gemeinsam zu kämpfen.

Immer mehr Frauen auf der ganzen Welt erkannten, dass die Wurzeln unserer Probleme im System der Ausbeutung von Mensch und Natur und in der patriarchalischen Denkweise liegen, wie sie sich über hunderte und tausende von Jahren entwickelt haben.

Deshalb mussten wir als Basisfrauen unseren Horizont erweitern. Die Gewalt gegen Frauen nahm zu. Immer mehr Frauen wurden berufstätig, aber die Löhne sind viel niedriger als die der Männer – und diese sind schon Löhne die auf Ausbeutung beruhen! Die natürlichen Lebensgrundlagen werden immer mehr zerstört! Die sozialen Rechte und die der Reproduktion wurden abgebaut! Das Wissen der ländlichen Frauen darüber, wie Nahrungsmittel für unsere Kinder hergestellt und verteilt werden, wurde durch Monopolisten wie Monsanto, Nestle und andere missachtet!

Andererseits, das Bewusstsein über die Frauenfrage wächst. Wir sehen sehr wichtige Bewegungen, in der Frauen an vorderster Front stehen: wir lernen von den harten Kämpfen der jungen Textilarbeiterinnen in Bangladesch! Wir lernen von den zähen und gut organisierten Kämpfen der Putzfrauen und Pflegekräfte in den Niederlanden und der Erzieherinnen in Deutschland. Wir hören von den Treffen der Frauen in Argentinien an denen jedes Jahr zehntausende Frauen teilnehmen. Wir werteten die Erfahrungen des sogenannten Arabischen Frühlings aus! Und – wir sind begeistert über den harten und erfolgreichen Kampf der kurdischen Bewegung, insbesondere der Frauen, die gegen ISIS/Daesh kämpfen, ihren Sieg in Kobane und ihre Botschaft an die Frauen der Welt: die Befreiung der Frau ist eng mit dem Kampf für befreite Gesellschaften verbunden!

Das alle bildet den Hintergrund für die Schaffung der Bewegung der Weltfrauenkonferenz der Basisfrauen. Während eines internationalen frauenpolitischen Ratschlags in Deutschland in 2006 begannen wir, diese Idee mit unseren Freundinnen und Schwestern in unseren Ländern und über das Internet zu beraten. Wir fanden immer mehr Unterstützer. Frauen aus Venezuela bewarben sich für die erste Weltfrauenkonferenz in Caracas, Venezuela. Und so feierten wir genau 100 Jahre nach der Entstehung des Internationalen Frauentags die erste Weltfrauenkonferenz der Basisfrauen.

Mit Frauen von immer mehr Ländern diskutierten und beschlossen wir die Prinzipien: Wir arbeiten auf überparteilicher Grundlage! Wir arbeiten und fassen Beschlüsse auf demokratische Weise! Wir grenzen uns nicht ab gegenüber anderen Bewegungen, wie es die feministische Bewegung manchmal tut. Als unabhängige Frauenbewegung arbeiten wir eng zusammen mit der Arbeiterbewegung, den Gewerkschaften, der Umwelt-, Jugend- und Bauernbewegungen und allen Befreiungsbewegungen. Wir wollen finanziell unabhängig sein! Wir beantragen Gelder von Regierungen – aber wir schaffen auch unsere eigene finanzielle Basis und stützen uns dabei auf die Massen. Wir lernen mit einer internationalistischen Denkweise zu arbeiten und denken. Wir praktizieren eine demokratische Streitkultur. Natürlich – auch während dieser Konferenz – wird es zu Fehlern, Missverständnissen und Problemen kommen! Dann sprechen wir offen und sachlich darüber! Wir diskutieren solidarisch! Und nicht zuletzt – diese Konferenzen sollten nur die Höhepunkte einer immer engeren Zusammenarbeit sein. Wir wollen nicht einfach wunderbare Konferenzen durchführen, ohne Veränderungen in unseren Leben und Kämpfen in unseren Ländern zu erreichen. Das wichtigste Kriterium bei diesen Konferenzen ist, ob sie wirklich die Frauenbewegung in allen Ländern stärken! Ob sie wirklich eine nachhaltige Koordinierung für Information, Zusammenarbeit, den gemeinsamen Kampf und der gegenseitigen Unterstützung schaffen.

Wir sind nun erfolgreich in der Vorbereitung dieser Konferenz. Dieser Prozess war wirklich ein Prozess der Bewältigung großer Probleme. Wir sind hier trotz des Erdbebens! Wir sind hier trotz der inoffiziellen Blockade der indischen Regierung gegen die Souveränität des nepalesischen Volkes! Die United Women’s Association (Vereinigter Frauenverband) wurde immer stärker, trotz aller Widersprüche in der Parteienlandschaft! Die Brigadisten aus Europa und Indien, zusammen mit den Freiwilligen aus Nepal, kamen zusammen und haben eine großartige Arbeit geleistet! Trotz aller Probleme – ob mit Geld, Sprache und unterschiedlicher Herangehensweisen – sind bereits Vertreterinnen aus 48 Ländern anwesend, 38 davon als gewählte Delegierte! Das alles ist  weit mehr als die Vorbereitung einer Weltfrauenkonferenz. Es geht um das Zusammenwachsen, das gegenseitige Lernen und den Beginn einer internationalen Befreiung der Frau, die organisiert und kämpferisch ist! Und um die Schaffung einer befreiten neuen Welt!

Es lebe die internationale Frauenbewegung!

Lasst uns die 2. Weltfrauenkonferenz der Basisfrauen zu einem großen Erfolg machen!

Frauen der Welt erklimmen die höchsten Berge!

 

 

 




Ver.di – Internationales – interessante tägliche Berichte zur WFK

Verdi Grafik GifpelstürmerinnenVer.di-Frauen aus Deutschland, die an der
2. Weltfrauenkonferenz in Nepal teilnehmen, berichten:
Bitte hier klicken:
Homepage Verdi Internationales




Grußwort von Elke Ferner, Bundesvorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratischer Frauen in der SPD

 




Konzept Workshop 10 – Der Kampf um die Befreiung der Frau (englisch)

Workshop No. 10 „The Struggle for the Liberation of Woman“

Dear women / ladies / attendees ,

we are very pleased to discuss with you this important topic and are curious about the following debate.

You can expect two prepared contributions:

Songül Yücel, EKA (Labourer Women) from Turkey-Kurdistan

Susanne Bader and Christine Klauth from the Marxist-Leninist Party of Germany

MLPD:

Reading today the classic  Marxist-Leninist literature about the topic of „The Liberation of  woman“ it is astonishing how intensely they looked into the subject (they chewed over the subject) of the women’s position and perspective. It was Mao Ze Dong who said the wonderful phrase: women carry one half of the heaven and they have to conquer it.

A new militant women’s movement is about to arise worldwide. Their trademarks are the tight  connection with  other movements of resistance in the world, an engraving role by the proletarian women’s movement, being without regard for affiliation, and its cooperation with Marxist-Leninist parties worldwide and its frankness for a liberated society.

Not one step on this way has fallen from sky, each success we have fought for. We had to overcome many resistances, as well in our own thinking: Did we take in hand too much ? Is it really worth the effort and so on …

Yes it is worth the effort and above all it has a future. Our consciousness is changing and this is necessary in a time when the general crisis proneness intensifies and our situation is getting worse and worse.

What are the objectives of the women’s movement, what is its perspective ? Isn’t it about time ( it’s high time) to free ourselves from anticommunism and to  deal with Socialism and its outlook for the women ? The author Thomas Mann called anticommunism the foolishness of the century – but we are no fools !

For the Marxist – Leninist Party of Germany the issue of the liberation of the women possesses greatest importance. We have come to the conclusion on the basis of our book „New perspectives for the liberation of women“ that social liberation of the working class and liberation of the women are two sides / threads of a common struggle for a liberated socialist society! This is one of our trademarks as a „Marxist-Leninist party of a new type“.

Our contribution focusses on two subjects:

the everlasting successes for the women in the construction of socialism and

the social reasons for the double exploitation and oppression of the woman.

REPAK:

The struggle of the Kurdish movement is based on a history of resistance that of Kurdish women for their identity, as ethnic women, and for their emancipation. Kurdish women human rights defenders have greatly contributed to the fight for the minority rights of Kurdish people and for gender equality in Kurdistan, in a climate marked by a number of challenges but, above all, new opportunities.

Today, millions of Kurdish women around the world regularly take the streets to struggle for their freedom. The current objective of the Kurdish women’s movement is to take the ideology global, because this ideology concerns all elements for a new societal model. This ideology not only promotes thinking, it is built on a reality. The women’s movement also presents a new project, that of developing a science of women – Jineology (the original version of this word is Kurdish and is derived from the Kurdish word for woman, jin. An exact definition would probably be womanology).

Download:
Workshop 10 Women’s Liberation Struggle




Konzept Workshop 6 – Rettet Mutter Erde (englisch)

6. Women are fighting to save mother earth; women and the environmentalist movement. Environmental Union, Mirjam Gaertner (Germany), Prof. Cynthia Folkerts (USA),

Azra Sayeed (Pakistan)

 Workshop Environment „ Save mother earth“

Aim:

The increasing threat of the existence of humanity by a global environmental catastrophe is clearly perceptible all over the world and it could also only be prohibited all over the world. The protection of the environment is boundless – and it unites a mass of women on their militant spirit and their worldwide political and cultural acitivities.

Militantly, purposefully and on a global scale the environmental movement must confont the willful destruction of the natural foundations of life by those in power.

We want to organize an exchange of experience and an process of cognition and draw conclusions together.

About us:

Mirjam Gärtner, 36 years old, working in a VW factory in Kassel, Germany, and represent the women in the IGM (Union of German Metal Workers) in my factory. We already have met at the Women’s Political Counsel in Chemnitz, Germany in October 2014.

Cynthia Volkert, a professor of physics at the University of Göttingen. She held one of the presentations about the environment at the meeting in Chemnitz, Germany. She won’t be able to participate unfortunately.

Azra Sayeed, chairwomen of the IWA and the organization Roots for equity,  a Pakistani famer organisation for land souveregnity, against the trade with seeds and many more

Bianca Rohde, student from Germany, organized in the youth movement in Germany.

Several other lectures

Topic and Method:

Day 1

  • Introduction / Knowing each other / Aim and reason of the workshop /
  • Presentation of the issue ( 20 images) including different lectures to stimulate the following discussion and exchange of experiences. Our previous propositions:

(increasing extreme weather events; increasing glacial melting at the Himalaya and increasing lack of drinking water; autonomy in basic needs of life / seeds / privatization / landgrabbing; waste; worse living conditions and working conditions)

Day 2 

  • common discussion about the results of the day before and about the necessary conclusions – proposition for the general assembly and the closing discussion of the WWC
  • writing demands on bags with textile markers – we can sell them after or the participants can keep them.

Download:
Workshop 6 Women and environmental movement

 

 




Konzept Workshop 4 – Frauen und Arbeit (englisch)

  1. Working women, their role in the struggle as part of the labor movement and in trade unions

Themes working women – equal pay for equal work – women and union work – child care at the workplace – discrimination against mothers – political and economic review of the situation of women – discrimination against women in access to leading positions – the situation of young women

The organization of the workshop

  • To be organized together with Bangladesh, Germany and Tunesia. The official language is English.
  • We assume that there are about 100 women participating in the workshop.
  • We come up with a catchy title for the workshop
  • The workshop itself can make resolutions for the General Meeting
  • We want to gather all the experiences and then concentrate them to be able to present them to the General Assembly
  • We bring pictures, flags, banners and other materials to brighten up the workshop and ask others to do the same. Esther proposes to ask colleagues for greetings (messages).

Which topics are covered?

The Platform of World women in the Netherlands organized a discussion about the subject of ‘working women’ on October 3, 2015 and February 14, 2016 the following aspects were discussed:

  • How do women combine work, life and struggle?
  • Fighting for economic independence
  • Forms of harassment at work and the fight against it
  • Philippines want to bring experiences with ‘defend jobs’, how they fight for work.
  • Work and poverty – 65% of the cleaners in the Netherlands live in poverty and many young people live in poverty. Many young people are unemployed. Officially 17%, but with many jobs you cannot build an independent life. Youth wage should be abolished and all other forms of nearly free work, such as ‘paid’ internships, traineeships etc.
  • The life of (young) women is heavily burdened by expensive child care and the severe cuttings in the care system, causing the care for family and sick / old / unemployed family members to end up on their backs. The crisis of bourgeois family will grow.
  • Women earn 20% -24% less than men (who don’t earn to much themselves)
  • Propagate demands such as permanent employment, free health care, child care in the workplace, equal pay for equal work.
  • Organization, collective action is the solution. How can you develop autonomous struggle as an active union member. How do you find each other? Organize, how do you do that? How do you involve other sectors? How to enter the discussion with colleagues? How do you find each other? How can you support the struggle of others? Cleaning women and women in (Health) Care have gained experiences in actions for jobs, higher wages, respect and against cuts of the government in (Health) Care. We want to visit more workplaces, other companies and schools. Solidarity statements and solidarity actions. According the five principles: discuss the case together – formulate offensive demands – organize independently – it should be an active committee, not just talking – create relationships with others –  We organized ourselves.
  • Safety at work. In Bangladesh a factory collapsed and there are frequent fires in the factories. In the Netherlands, for example, the pressure at work is rising. How do you fight for good working conditions?
  • How do we make our struggle self-financing. Collect money, every bit helps. People want to support often because they believe it is important that these things happen. We need to keep our eyes open and make it less individual. Travel together, collect places to stay, expand the possibilities to organize.
  • The right to strike. In the Netherlands there is only a very limited right to strike. In Bangladesh people strike a lot and massively. Despite very difficult circumstances. Young women organize unions. In Tunisia there is no right to strike.
  • How unions are organized. Movement of active union members: “We are the union and we want to be in control.” The union leadership tries to take over every militant movement among colleagues and keep the fight within the frames.
  • Replacing payed jobs by compulsory unpaid work
  • Situation of young working women. We want to make a special effort to organize young women. The turnaround of permanent jobs into flexible work.
  • Discrimination against women with children
  • Women have to take over leadership. Therefore practical and ideological obstacles must be removed.
  • The beauty industry with its beauty ideal reduces the chances of older women at work.
  • The abolition of the scholarship increases the debt burden of young people and reduces access to education and study.
  • In our struggle we want to change society ourselves. For example, in Peru and South Africa collectives of women and children are being formed.
  • We support each other’s actions and international initiatives.

The above mentioned aspects we started to work out in four thesis, in which always special attention is given to the situation of young women:

  1. Working, living and fighting – women direct the whole life
  2. Stronger through struggle, organized and in solidarity
  3. No more unemployment and poverty while working
  4. Safety is required at work

Download:
Workshop 4 Women at work fuer Anmeldung – US