Weltfrauen Deutschland: Neuigkeiten und Beschlüsse

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Infobrief 2 an den Kämpferischen Frauenrat Grafik Frauenpolitischer Ratschlag

Liebe Frauen!

Hier senden wir euch unseren Bericht vom ersten Treffen des neuen kämpferischen Frauenrats am 25. April 2015 in Essen. Die Nachricht von dem großen schweren Erdbeben in Nepal platzte mitten hinein; mit großer Betroffenheit und bangen Fragen zur Situation der Menschen und unserer Freundinnen mit Familien in Nepal, Indien und Bangladesh erhielten wir zunächst nur wenige offizielle Informationen. Wir beschließen einen ersten Brief an die nepalesischen Frauen.

Nach einem Gedenken an Emmely und Ivana Hoffmann und einem verspäteten Dankeschön an die 4 Frauen des letzten Kämpferischen Frauenrats, die nicht mehr kandidiert hatten,                    diskutierten wir die aktuelle frauenpolitische Lage in Verbindung mit der Vorstellungsrunde des neuen Kämpferischen Frauenrats. Es wurde deutlich, dass wir sehr breit aufgestellt sind, sowohl im Alter der Frauen (von 13 bis 71 Jahren) als auch in den Interessen- und Arbeitsschwerpunkten: Frauen in ‚Männerberufen‘, Fackel von Opel Bochum weitertragen,  Mädchen gegen Sexismus, Arbeit mit Migrantinnen, Therapiezentrum für yesidische Frauen, internationale Solidarität mit Kobané/Korridor nach Rojava, offensiv gegen Nazis, internationale Zusammenarbeit für die Weltfrauenkonferenz der Basisfrauen, gegen TTIP, umweltpolitische Fragen in Kommunalpolitik, Nachlegen im Erzieherinnenstreik, Bündnis ‚Frauenkampftag‘ in Berlin, Kampf von Courage um Gemeinnützigkeit…

Hervorgehoben wurde, dass es keine Hemmschwelle gibt, im Kämpferischen Frauenrat mit zu machen:  Die Prinzipien der weltanschaulichen Offenheit, der finanziellen Unabhängigkeit, der Überparteilichkeit und des Internationalismus haben eine große Strahlkraft und sind sehr erfolgreich im Kampf für die befreite Frau in einer befreiten Gesellschaft.

Monika Gärtner-Engel berichtete vom 4. Welttreffen der Koordinatorinnen im März 2015 in Nepal und stellte kurz alle Kontinentalkoordinatorinnen vor: wir haben ein breites Spektrum im Weltfrauenprozess von Basisfrauen, Frauenmassenorgansationen wie Gabriella auf den Philippinen, Frauen die international bekannt sind wie Clariste Soh Moube aus Mali bis hin zu ICOR-Frauen.

In Nepal war jetzt zum ersten Mal ein Welttreffen der Koordinatorinnen. Eine Besonderheit dort ist, dass jede Partei  eine eigene Frauenorganisation hat; die Frauenorganisationen von 8 Parteien haben sich zusammengeschlossen, um die Weltfrauenkonferenz zu unterstützen. Die Frauen praktizieren eine überparteiliche Zusammenarbeit trotz der z.T. heftigen Widersprüche der Parteien untereinander. Es gelang den Frauen in Nepal, alle Parteien zu verpflichteten, die Weltfrauenkonferenz zu unterstützen. Von der Zusammenarbeit können auch wir lernen. Die Überparteilichkeit, die sich in der Zusammenarbeit im Kämpferischen Frauenrat widerspiegelt, wird  als Prinzip erst in den wenigsten Ländern verwirklicht.

Wir richten einen zentralen Fonds für die Weltfrauenkonferenz der Basisfrauen ein, so dass Spenden, die in Europa gesammelt wurden, für Treffen in Asien  oder Afrika  von den Welt –Koordinatorinnen verwaltet werden können.

Erziehungsarbeit und Überzeugungsarbeit zum Spendensammeln und zur finanziellen Unabhängigkeit müssen wir überall machen: in Asien, in Deutschland, in Europa, deshalb ist es gut, einen zentralen Fonds zu haben. Sehr beeindruckend war, wie Frauen in Südafrika Spenden sammeln mit Gemüsekistenverkauf in den Slums, das verdiente Geld verleihen sie wieder und so weiter oder wie die kurdischen Frauen Versammlungsräume, Hotels u.ä. erbitten, um diese möglichst umsonst zu bekommen.

Beschlüsse:

  1. Die Homepages von Weltfrauenkonferenz (WFK) und Frauenpolitischen Ratschlag  (FPR) sollen einfach strukturiert sein und die wesentlichen Schritte und Prinzipien zur WFK und zum FPR darstellen; Veranstaltungshinweise und inhaltliche Beiträge zu verschiedenen Themen veröffentlichen die Organisationen.
  2. Wir führen die nationale Frauenversammlung mit der Wahl der Delegierten für Nepal am Samstag, den 14.11.15 in Kassel durch.
  3. Wir führen zur Vorbereitung dieser Veranstaltung und der Weltfrauenkonferenz mehrere „Count down – Veranstaltungen“ in ganz Deutschland durch.
  4. Zur Vorbereitung der nationalen Frauenversammlung in Kassel wird eine AG gegründet.
  5. Zu unserem beschlossenen Spendenziel  von 300 000 Euro in Deutschland gehören alle Kosten, die von Frauen in Deutschland für den WFK-Prozess ausgegeben werden (inkl. der eigenen Reisekosten). Bis zum 5. Welttreffen im September sammeln wir 25 000 Euro für den zentralen Fond, weitere 25 000 Euro für den Weltfonds und 10 000 Euro für den Europa-Fond bis März 2016.
  6. Die Orte entscheiden selbst, wie sie ihr Geld einteilen (für örtliche Ausgaben oder die zentralen Fonds).
  7. Der Songcontest auf dem PJT findet wie ausgeschrieben statt mit 3 Siegern und Preisen. Ebenso wird beim Songcontest am 14.11.15 in Kassel verfahren. Es können dann die  Gewinner nach Nepal fahren, beide Songcontests sind gleichgewichtet. Der Kämpferische Frauenrat bezahlt die Preise in Kassel (Reisegutscheine von People to People).

Wir diskutierten das erste Mal über die Auswertung des 11. Frauenpolitischen Ratschlags (FPR)2014 in Chemnitz; hier ein erster stark gekürzter Überblick:

Es ist uns gelungen, Chemnitz für uns zu gewinnen! Eine so tolle Zusammenarbeit von Koordinierungs- und Organisationsgruppe wie mit den Chemnitzer Frauen hatten wir noch nie. Es war ein Riesenerfolg!

Der FPR hat einen bleibenden Eindruck hinterlassen und wirkt in der Chemnitzer Frauenbewegung nach. Vielen Dank noch mal  an alle Frauen (und Männer), die zum 11. FPR beigetragen haben!

Die bisher eingegangenen Auswertungen sind sehr gut, ausführlich, kritisch und selbstkritisch. Dem Handbuch werden entsprechende Teile hinzugefügt. Die Leiterinnen der Foren werden angeregt, die Vorbereitung und Durchführung der Foren auszuwerten.

Die Referentinnen, die die „Heißen Eisen“ in den Foren vorgestellt hatten, waren sehr gut. Diese Impulsreferate sollten wir beibehalten: hochkompetent und spannend.                    Kritik gab es z.B. am Forum „Mutter Erde retten!“: Eine kompetente pakistanische Referentin bekam kaum Redezeit und die Referentin des entsprechenden „Heißen Eisens“ wurde gar nicht in das Forum einbezogen. Im Forum „Fight Sexism!“ gab es inhaltlich keinen Konsens zu der Forderung nach  „Verbot der Prostitution“; es machte aber den Eindruck als wäre der ganze Frauenpolitische Ratschlag darauf vereinheitlicht. So war zu Schwester Lea Ackermann keine kontroverse Referentin eingeladen. Die Kontroversen der beteiligten Kräfte in den Foren sind aber fester Bestandteil, wir wollen ja die unterschiedlichen Standpunkte austauschen und diskutieren. Das macht die Vorbereitung auch komplexer.

Der Austausch im Forum „Basisfrauenbewegen und organisieren!“ über andere Formen der Organisierung in der Frauenbewegung war für die teilnehmenden Frauen sehr interessant, es wurde von einzelnen Frauen aber der Austausch über andere Formen vermisst; es sei lediglich beklagt worden, dass sich die Frauen nicht organisierten. Wir nehmen das als Anregung an um mehr Frauen aus einem breiteren Spektrum der Frauenbewegung für diese Diskussion zu gewinnen.

Die Spontan-Demonstration zur Solidarität mit Kobané (mit Fackeln)war begeisternd, weil das richtig ein gemeinsamer Kampf war, der das Forum „Frauenbefreiungsbewegung“ in die Tat umsetzte; innerhalb von 2 Stunden fand die Demo zusammen mit Kurden aus der ganzen Region statt.

Dank des persönlichen Einsatzes der Chemnitzerinnen war die Uni bei Übergabe so sauber wie noch nie.  Wir können jederzeit zurück an die Uni. Die Kritik an der Gemeinschaftsaufgabe „Sauberkeit“  hätte schneller geklärt werden müssen. Eine Konsequenz ist, dass die Endreinigung beim nächsten Ratschlag genauer geplant und ein fester Bestandteil  sein wird.

Beschluss: 

Wir schlagen der nationalen Frauenversammlung am 14.11.15 in Kassel vor, den 12. Frauenpolitischen Ratschlag  2016 wieder in Chemnitz durchzuführen.

Wir wählten entsprechend der Leitlinien  des Frauenpolitischen Ratschlags, II.4 einstimmig fünf Frauen in die Koordinierungsgruppe und eine Org-Gruppe mit 9 Frauen.

Für das Finanzteam wurde eine Frau bestätigt, eine zweite Frau soll noch gewonnen werden.

i.A. Christiane Fiebing / Berlin und die Koordinierungsgruppe des Kämpferischen Frauenrats

Download Infobrief Nr. 2 des Kämpferischen Frauenrats:

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