Griechenland: Wir müssen unsere Kräfte lokal und international aufbauen!

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Beim 11. Frauenpolitischen Ratschlag im Oktober 2011 führte Monika Gärtner-Engel ein Sonia Mitralia verkleinertInterview mit Sonia Mitralia aus Athen/Griechenland. Sie  hat die internationale Kampagne zur Solidarität mit den Athener Putzfrauen organisiert. Sonia war zunächst bei den Weltfrauenmärschen engagiert, hat lange dort die Öffentlichkeitsarbeit gemacht. Inzwischen ist sie aktive Trägerin des Weltfrauenkonferenz-Gedankens und Initiatorin des Treffen der Weltfrauen mit griechischen Aktivistinnen am 30. Januar. Zusammen mit anderen hat sie eine Frauengruppe gegründet, Diese orientiert sich daran, dass die Frauen Griechenlands von der Politik der Troika massiv betroffen sind und dass sie aktiv werden. Sie haben sich vor allem in drei Projekten engagiert: Als erstes für das Frauenhaus in Thessaloniki. Als zweites eine Kampagne der Frauen, deren Krankenversorgungskosten nicht von der Versicherung übernommen werden, bzw. die wegen Arbeitslosigkeit aus der Krankenversicherung geflogen sind. Sie hat für das Recht gekämpft, im Krankenhaus ein Kind auf die Welt zu bringen, ohne zu bezahlen. Es gab Frauen, die ein Kind entbunden hatten und es nicht mit nach Hause nehmen durften, solange sie nicht bezahlt hatten.

Das dritte Projekt ist die Organisierung der internationalen Solidarität mit dem Kampf der Putzfrauen in Athen. Dafür hat Sonia alle Ihre Kontakte aus dem Weltfrauenmarsch und andere soziale Bewegungen usw. genutzt. Das Interview gibt einen Einblick in die Situation und Kämpfe der Frauen in Griechenland. Das Treffen am 30. Januar in Elefsina/Athen wird die Einblicke und Kontakte vertiefen.

Was ist das für eine Gruppe, in der du arbeitest?

Das ist eine Weltbewegung, auf Französisch CADPM, die die Aufhebung der Staatsschulden der Dritten Welt fordert. Ich hatte bereits vor 2010 Kontakt zu ihnen. Als dann durch die Staatsverschuldung die Krise in Griechenland kam, wussten wir, dass das ein Kampfmittel (der Herrschenden) ist. Es war das erste Mal im Norden der kapitalistischen, so genannten entwickelten Länder, dass man die Krise der Staatsschulden als Waffe gebraucht hat, um alles das, was die Arbeiterklasse erreicht hat, die ganzen demokratischen Rechte, die in den letzten 40 Jahren erkämpft wurden, aufzuheben. Diese Waffe wurde als erstes gegen Griechenland als Experiment angewendet. Und wir waren auch die ersten Frauen, die darauf reagiert haben. Das war schon 2010. Frauen sind die ersten Opfer dieser Waffe, die von denen da oben eingesetzt wird, um die Rechte abzubauen. Aber die Athener Putzfrauen und die Frauen, die in Nord-Griechenland gegen die Goldminen kämpfen, zeigen auch, dass die Frauen besonders aktiv waren gegen die Troika-Maßnahmen.

Was ist das für ein Kampf gegen die Goldminen?

Die Goldminen sind noch die gleichen wie die aus der Antike unter Alexander dem Großen. Diese haben sie jetzt in der Troika-Epoche wiedergefunden. Inzwischen sind sie im Besitz einer Privatfirma aus Kanada – sie heißt El Dorado. Die Mine liegt in einer wunderbaren Natur und wegen wenig Gold machen sie jetzt die ganze Natur kaputt. Die Frauen – ganz einfache Frauen von den Dörfern – waren besonders organisiert, d.h. alle Generationen, die älteren,  jungen und mittleren Frauen. Sie haben sich selbst gegen die Ausbeutung des Golds organisiert. Die Polizei hat sie angegriffen und die Art erinnerte die Leute fast an die Besatzung durch die Nazis früher. Sie sind wie die SS früher in die Dörfer und in die Häuser gegangen und haben die Leute festgenommen. Sie haben in eine Schule Tränengas-Granaten geworfen, eine Schule mit kleinen Kindergartenkindern im Alter von fünf Jahren. Sie haben vor allem die Frauen festgenommen, weil sie wussten, dass diese den Kampf tragen. Die Frauen sind kriminalisiert und aufs Gericht mitgenommen worden, sie wurden brutal angepackt und sexuell misshandelt von der Polizei. Die Polizei hat genau gewusst: Wenn man den Kampf der Frauen zerstört, dann zerstört man die ganze Bewegung. Das haben sie  bei den Athener Putzfrauen genauso versucht.

Was war das Ergebnis?

Sie kämpfen noch immer und haben sich auch international organisiert. Ich hoffe, dass wir in Kontakt kommen.

Ich habe auch Kontakte zu Frauen aus Edessa und Veria. Das sind Obstbäuerinnen und Arbeiterinnen auf Obstplantagen. Sie machen bittere Erfahrungen mit dem aktuellen Embargo gegen Russland, denn die ganze Ernte, die Pfirsiche, verfaulen, und kein Händler kommt, um diese zu kaufen. Das ist ein drastisches Problem.

Welche Kritik hast du an den Frauenmärschen?

Ich war zehn Jahre lang die Koordinatorin der Weltfrauenmärsche in Griechenland. Als die Troika kam, haben wir verstanden, dass man jetzt nicht mehr so propagandistische, abstrakte Aktionen machen kann, also alle fünf Jahre ein Treffen … Man muss viel konkreter sein, muss sich lokal organisieren und in den gesellschaftlichen Kämpfen die Kräfte lokal und international aufbauen.

Vielen Dank für das Interview!

 

Aktuelle Info:

Sonia hat es geschafft: Alle diese Frauen und noch weitere kommen zum Treffen mit den Weltfrauen!

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