Bericht zum Prozess der Weltfrauenkonferenz

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  1. Frauenpolitischer Ratschlag Chemnitz –

nationale Versammlung am Sonntag, 5.10.2014

Europakoordinatorinnen Monika Gärtner-Engel, Halinka AugustinDemo Abschlusskundgebung Monika und Halinka IMG_1800

Bericht zum Prozess der Weltfrauenkonferenz

Der Weltfrauenprozess, die internationale Zusammenarbeit und Koordination der kämpferischen Frauenbewegung hat in den letzten Jahren wichtige Schritte vorwärts gemacht!

Hier die wichtigsten Stationen zur Geschichte der Weltfrauenkonferenz der Basisfrauen

2006: Die Initiative geht vom Frauenpolitischen Ratschlag in Deutschland aus –

gemeinsam mit den dort anwesenden internationalen Gästen, vor allem aus Venezuela, Ecuador und Argentinien.

Danach knüpften wir intensiv Kontakte mit befreundeten Bewegungen und im Internet.

2008: Die Initiatorinnen aus Venezuela, Ecuador, Deutschland und Argentinien konstituieren sich in Venezuela und verabschiedeten nach intensiver Diskussion drei Grundsatzpapiere:

Aufruf, Grundsätze, Prozessplan, die den Weg wiesen zur 1.Weltfrauenkonferenz der Basisfrauen 2011 in Venezuela und bis heute Gültigkeit als Grundlagendokumente haben. Es folgte eine intensive Vorbereitung.

2011: im März findet im in Caracas Venezuela erfolgreich die erste Weltfrauenkonferenz der Basisfrauen statt.

An ihr nehmen über 3000 Frauen aus 43 Ländern teil, (auch Männer sind dabei..)

Das Abschlussplenum verabschiedet die Resolution von Caracas!

In ihr bekräftigten wir: .. die weltweite kämpferische Frauenbewegung (muss) eng zusammen arbeiten, sich zusammenschließen und koordinieren, Freundschaft schließen, voneinander lernen und gemeinsam kämpfen. Das ist die wichtigste Botschaft dieser begeisternden ersten Weltfrauenkonferenz der Basisfrauen 2011 in Caracas/ Venezuela.“

2012: Auf der Grundlage der Resolution von Carcas finden in Asien, Afrika und Europa Kontinentalkonferenzen zur Auswertung der 1. Weltfrauenkonferenz und zur Wahl von je zwei Kontinentalkoordinatorinnen und Stellvertreterinnen statt.

Die Hauptaufgabe der Koordinatorinnen ist

die Koordinierung der Vorbereitung der 2. Weltfrauenkonferenz in Verbindung mit der Stärkung der kämpferischen Frauenbewegung der Region, des Kontinents

die Verbindung zum weltweiten Komitee

Diese große Herausforderung erfordert einen ständigen internationalen Kontakt, Austausch und Absprachen!

2012: Das 1. Welttreffen der Koordinatorinnen in Stuttgart schließt den Prozess der Auswertung der 1. Weltfrauenkonferenz ab,  nimmt Kurs auf die 2. Weltfrauenkonferenz!

2013: Das 2. Welttreffen der Koordinatorinnen im Oktober in Johannesburg fasst zweieinhalb Jahre vorher schon weitreichende Beschlüsse  für die Vorbereitung der 2.Weltfrauenkonferenz 2016 in Nepal.

Das wichtigste Ergebnis des Treffens;

Die 2. Weltfrauenkonferenz wird 2016 in Kathmandu/Nepal stattfinden!

2014: Ganz Besonders freuen wir uns über den jüngsten Erfolg der beeindruckenden 2. Frauenkonferenz des Mittleren Ostens vor zwei Wochen am 27./28. September in Diyarbakir/ Türkei-Kurdistan bei der die Weltfrauen-Koordination des Mittleren Ostens in mitten heftigster Kämpfe „geboren” wurde!

Diese 2. Konferenz hatte sich das große Ziel gesetzt, die beteiligten Frauen und ihre Organisationen einzugliedern in die Bewegung der „Weltfrauen“ und damit in die aktive Teilnahme am Prozess zur Vorbereitung der 2. Weltfrauenkonferenz.

Delegierte aus Ägypten, Tunesien, Iran, Irak, Rojava/ Syrien, Libanon, Palästina, Türkei, Türkei-Kurdistan und Afghanistan waren angereist. Die Delegierten aus Rojava erkämpften sich zu Fuß ihren Weg über die „grüne Grenze“. Ich war eingeladen um die Konferenz zusammen mit Ceylan Bagriyenik von der Organisation DÖKH zu moderieren.

Die Geburtsstunde der Koordination des Mittleren Ostens zur Weltfrauenkonferenz fand inmitten einer historischen Kampfsituation gegen den faschistischen, extrem frauenfeindlichen „Islamischen Staat“ (IS) statt!

Trotz der turbulenten Zeiten wollte man unter keinen Umständen die Konferenz verschieben. So hoch wurde ihre  Bedeutung  angesichts der bevorstehenden 3. Weltkonferenz der Koordinatorinnen zur Vorbereitung der 2. Weltfrauenkonferenz eingeschätzt.

Herzlichen Glückwunsch zu diesem Erfolg!

Die festliche Eröffnung der Konferenz begann nach einer Gedenkminute für die in Paris ermordeten Kurdinnen Sakine, Leyla und Fidan. In Grußworten von Birsen Kaya Akad, der Bezirksbürgermeisterin sowie der beeindruckenden Rede der Bürgermeisterin von Diyarbakir, Gülten Kisanak wiesen beide auf die große Bedeutung der Weltfrauenbewegung, der Weltfrauenkonferenz und der Rolle der Frauen des Mittleren Ostens hin.

Sehr ernst wurde von beiden die Lage um die vom „Islamischen Staat“ (IS) bedrohte Stadt Kobane eingeschätzt. Ihr eindringlicher Aufruf an alle Weltfrauen, sich mit den Menschen in Kobane und dem Projekt Rojava solidarisch zu zeigen, ging unter die Haut und begleitete die ganze Konferenz.

Ich überbrachte Grüße im Namen der Weltfrauen und betonte v.a. das zukunftsweisende Signal, das aktuell von der Region ausgeht: auch einem übermächtig erscheinenden Feind unterwirft man sich nicht! Nicht nur Männer, gerade auch Frauen stehen an der Spitze des Befreiungskampfes! Es wird nicht nur gegen IS, sondern für eine demokratische, frauenbewegte Zukunft gekämpft. Viel Freude rief ein aus Deutschland mitgebrachtes, auf arabisch geschriebenes Transparent „Willkommen bei den Weltfrauen“ hervor.

Anstatt der ursprünglich geplanten 2-Tage-Konferenz wurde gleich zu Beginn einhellig das Programm geändert:  einer konzentriert durchgeführten Tagung wurden alle Grundlagen für den einhelligen Beschluss zur Teilnahme am Weltfrauenprozess gelegt: Sämtliche Delegationen trugen zunächst schriftlich vorbereitete, exakt 10-minütige Länderberichte vor. Eine beeindruckende Reise durch Leben und Kampf der Frauen des Mittleren Ostens. Ich berichtete über Geschichte, inhaltliche Grundlagen Prinzipien und Durchführung der ersten Weltfrauenkonferenz der Basisfrauen. Offen sprach ich über den Fehler der Unterdrückung der kurdischen Delegation durch einige Lateinamerikanische Initiatorinnen.

Der Höhepunkt war die Wahl der Koordinatorinnen.

Doch sofort begann der praktische Teil der Konferenz: ein Besuch in einem kommunal errichteten Camp für jezidische Flüchtlingen; am nächsten Tag die Fahrt zur syrisch-türkischen Grenze für die Solidaritätskundgebung für den Kampf um Kobane, gegen den faschistischen IS.

Dazu fuhr die Frauendelegation der Weltfrauen 4 Stunden mit dem Bus zur Grenze. Eine der Abschlussresolutionen ist ein flammender Aufruf an die Frauen der Welt zur Solidarität mit Kobane und dem Zukunftsprojekt Rojava und wurde an der Grenze flammend vorgetragen. Sie sichert ihrerseits allen Weltfrauen volle Solidarität in ihren Kämpfen zu.

Schützt Kobane! Verhindert ein 2. Sengal! Verteidigt das mutige Rojava!

Mit dieser erfolgreichen Konferenz gibt es jetzt in fünf Kontinenten/Regionen gewählte Koordinatorinnen und Ersatzkoordinatorinnen!

Denn im Juli diesen Jahres fand auch in Lateinamerika die Wahl von Koordinatorinnen statt: Susana Galli, Argentinien und Cecilia Jaramillo, Ecuador.

Neu gewählte Koordinatorinnen des Mittleren Ostens sind: Özlem Yasak, die Kurdistan in vier Ländern vertritt und Sana Shalaldah von der Union der palästinensischen Frauenkomitees. Auch drei Ersatzkoordinatorinnen wurden gewählt.

Herzlichen Glückwunsch an die neuen Koordinatorinnen!

Die Koordinatorinnen aus den fünf Kontinenten, bzw. Regionen, vertreten tausende Frauen der kämpferischen Frauenbewegung ihrer Länder und Kontinente im Weltfrauenprozess!

Damit hat die Koordination des Weltfrauenprozesses hin zur 2.Weltfrauenkonferenz in Nepal hat einen großen Schritt gemacht und verkörpert ein wachsendes Potential der kämpferischen internationalen Frauenbewegung! Ein Schwerpunktaufgabe der Welt-Koordinatorinnen liegt jetzt darauf, die Frauen in unseren Ländern und Kontinenten  zu informieren und zu mobilisieren, sowie eine Vielzahl neuer Länder und Frauen zu gewinnen für die 2.Weltfrauenkonferenz 2016 in Nepal.

2014 fand am 8. Februar sehr erfolgreich die 3. Europakonferenz in Paris statt!

Sie befasste sich mit der Lage und den Kämpfen der Frauen in den Ländern Europas und mit den Beschlüssen des Welttreffens von Johannesburg und  sie zog Schlussfolgerungen für die Vorbereitung der 2. Weltfrauenkonferenz in Europa. Die Konferenz beschloss:

Wir wollen Frauen aus allen Ländern Europas für die 2. Weltfrauenkonferenz 2016 gewinnen!

Und die 4. Europakonferenz wird in Athen 2015 statt finden!

Es waren 29 Delegierte aus 14 Ländern: aus Bosnien, Dänemark, Deutschland, Frankreich, Griechenland, Großbritannien, Niederlande, Österreich, Rumänien, Russland, Schweden, Spanien, der Schweiz und der Ukraine.

Albanien, Serbien und Tschechien sind am Prozess der Weltfrauenkonferenz beteiligt, konnten aber leider nicht teilnehmen. Neue Frauen aus einem breiteren Spektrum nahmen an der Konferenz teil.

Beim Podium junger Frauen nahmen Vertreterinnen aus 6 Ländern teil.

Das zeigt der Weltfrauenprozess in Europa wächst und erweitert sich!

Diese Erweiterung ist keine spontane Entwicklung – jeder neue Kontakt zu Frauen und Frauenorganisationen, jeder Teilnahme einer Delegierten geht einher mit intensiver Kontaktpflege, Beratung, wie Fragen der Finanzierung, des Visa-Prozesses usw. zu lösen sind und braucht Zeit und Kontinuität.  Um die Teilnahme jeder Frau musste gerungen werden!

Hier spielt die grundsätzliche Bedeutung der finanziellen Unabhängigkeit der WFK eine große Rolle.

bei jeder Aktivität finanzielle Beiträge im Auge haben und planen

das Wichtigste ist, mit der Sammlung von Spenden zu den Massen zu gehen.

Jede Frauenbewegung hat besondere Talente, die für die Spenden zum Tragen gebracht werden können.

Dies ist heftig umkämpft – international im Weltfrauenprozess – aber durchaus auch in Europa.

Die Europa-Konferenz in Paris weitreichende finanzielle Beschlüsse zur Unterstützung: für die Asienkonferenz 10.000 €, für die Afrikakonferenz 8000 €, für das 3. Welttreffen 7000 € und für die 4. Europakonferenz im Februar 2015 in Athen 5000 €.

Aus Europa gingen bisher nur aus der Schweiz, Deutschland und aus Griechenland Spenden ein.

Obwohl die Konferenz bekräftigte: „Die finanzielle Unabhängigkeit der Weltfrauenkonferenz ist unsere gemeinsame Aufgabe. Wir entwickeln vielfältige finanzielle Initiativen in unseren Ländern für die Finanzierung unserer eigenen Arbeit und die Unterstützung der Koordinierung in anderen Kontinenten und Regionen.“

Wie man das macht, auch wenn man selbst kein Geld hat, machen uns die griechischen Frauen vor. Sofia schickt uns wunderschöne hand- gestickte Tischdecken, die wir hier amerikanisch versteigern und dabei dreistellige Summen erlösen.

Es scheint also mehr eine Frage der richtigen Einstellung zur finanziellen Unabhängigkeit zu sein um in Verbindung mit Phantasie die eigenen Talente in finanzielle Potentiale umzuwandeln.

Das 2. Welttreffen im Oktober 2013 in Johannesburg in Südafrika fasste weitreichende Beschlüsse.

Die 2. Weltfrauenkonferenz soll sechs Tage dauern vom 13. – 18. 3. 2016.

Am 13.3.2016 (Sonntag) bewegende und kämpferische Eröffnungs-Zeremonie  mit Massenbeteiligung von Frauen aus Nepal statt.

Am 14.3. und 15.3., dem zweiten und dritten Tag finden die Workshops  zu den brennenden Fragen der Frauen der Welt statt, an denen alle teilnehmen können.

Am 16.3. und 17.3.,  dem vierten und fünften Tag findet die Generalversammlung der Delegierten statt.

Am 18.3., dem sechsten Tag findet Vormittags das Abschlussplenum mit  allen Teilnehmerinnen von Workshops und Generalversammlung statt und nachmittags die große Abschlussdemonstration mit Massenbeteiligung.

Die Generalversammlung der Delegierten – mit bis zu 5 Delegierten der kämpferischen Frauenbewegung der einzelnen Länder – berät die Lage und Kämpfe der Frauen der Welt der einzelnen Ländern, fasst Beschlüsse über die künftige gemeinsame Zusammenarbeit.

Die Workshops haben die Aufgabe einer intensiven Diskussion aller brennenden Fragen der Frauen der Welt.

Wir haben eine erste Diskussion zu möglichen Themen der Workshops begonnen.

Dazu gehören,

Frauen im Arbeitsleben, ihre Rolle in Kämpfen und als Teil der Arbeiterbewegung und in den Gewerkschaften

Frauen kämpfen für die Rettung der Mutter Erde, Frauen und Umweltbewegung

Junge Frauen, ihre Lage, in Arbeit, Studium, Sport und Freizeit, ihre Beteiligung an Frauenbewegungen und in der Politik

Höhepunkt im kulturellen Massenprogramm (mit Musik, Sport, Tanz, Gestaltung von Transparenten, Buch-Vorstellungen, Informationsstände usw.) sind die Kulturnächte und der internationale Song-Contest:

Am 5. Abend findet die Präsentation des Song-Contestes statt. Er wird in den Ländern und Kontinenten, ggf. auch als Bestandteil des Massenprogramms auf der Weltfrauenkonferenz vorbereitet. Sein Ziel ist die Einbeziehung der Talente v.a. vieler junger Frauen und Mädchen für eine Hymne der Weltfrauenkonferenz

Die Konferenz ist offen für alle Frauen und Mädchen, die die  Ziele und Prinzipien der Weltfrauenkonferenz akzeptieren und sich entsprechend verhalten.

Ausgeschlossen von der Konferenz sind Faschisten, religiöse Fundamentalisten,

sowie Vertreter aggressiver frauenfeindlicher Organisationen und Verhaltensweisen.

Die Konferenz wird selbstständig und überparteilich in einer demokratischen Streitkultur und Solidarität organisiert und unabhängig finanziert.

Aus allen Kontinenten werden Brigadistinnen und Brigadisten aufgerufen, die Frauen im Gastgeberland rechtzeitig und mit ausreichenden Kräften bei ihrer umfangreichen Arbeit zu unterstützen. Die Arbeit der Brigadisten wird vom Welttreffen der Koordinatorinnen zusammen mit den Frauen des Gastgeberlandes angeleitet, kontrolliert und koordiniert.

Die Koordinatorinnen erklären, dass die drei Weltfrauen-Kampftage – 8. März, 1. Mai und 25. November –  in allen Kontinenten weiter gemeinsam durchgeführt werden sollen. Sie dienen der Stärkung der kämpferischen Frauenbewegung im jeweiligen Land und dem wachsenden Bewusstsein, Teil der weltweiten kämpferischen Frauenbewegung zu sein und den Gedanken der Weltfrauenkonferenz zu verbreiten.

Das 2. Welttreffen der Koordinatorinnen beschloss den Aufruf zur Weltfrauenkonferenz, der inzwischen in neun Sprachen übersetzt ist!

Frauen der Welt erklimmen die höchsten Berge!

… Wir rufen die Frauen zum Dach der Welt! Kommt nach Nepal, wo die Frauen eine sehr bedeutende Rolle in der Geschichte der Kämpfe des Volkes gespielt haben. Frauen stehen in den ersten Reihen der Volksbewegung und des Widerstands, um eine bessere Gesellschaft zu erkämpfen.

Weltfrauen! Nehmt teil an der zweiten Weltfrauenkonferenz der Basisfrauen und setzt ein eindrucksvolles Zeichen gegen die Ursachen unserer Unterdrückung, gegen das System, das uns zu einem Leben in Ausbeutung und Unterjochung zwingt. Lasst uns uns zusammenschließen, uns organisieren und mit allen Befreiungsbewegungen zusammen einen Riesenschritt zur Befreiung der Frau machen!

Frauen der Welt vereinigt euch!

Brecht die Ketten von Ausbeutung und Unterdrückung!

Vorwärts mit dem Kampf um die Befreiung der Frau!

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