Bericht der Europakoordinatorinnen von ihrer Delegationsreise nach Tunis zum tunesischen Vorbereitungskomitee vom 9.3. – 12.3.22

Liebe Weltkoordinatorinnen,

Wir möchten euch mit diesem Infobrief berichten und Rechenschaft ablegen über unsere Reise nach Tunis zum dortigen Vorbereitungskomitee Latifa Taamallah. Die Reise war ein Beschluss des Welttreffens, wir reisten als Delegation von euch. In einem ersten Webinar noch aus Tunis haben wir schon mit einigen von euch sprechen können.

Wir wurden sehr herzlich am Flughafen mit Blumen empfangen. Das Vorbereitungskomitee hatte ein tolles und volles Programm für uns zusammengestellt. Direkt vom Flughafen fuhren wir zum 1. Meeting mit Frau Turkiya Al-Shaybi, Präsidentin der Bewegung: „1 Million Rural Women and Landless People“. Sie stellte uns diese Bewegung vor. Die Bäuerinnen arbeiten sehr hart und bekommen einen geringen Lohn. Sie werden mit LKW´s auf die Felder gefahren. Dabei ereignete sich ein schwerer Unfall bei dem viele Frauen starben. Die Bäuerinnen sind nicht nur in der Coronapandemie bedeutend für die Versorgung der Menschen mit Nahrungsmittel.
Turkiya stellt uns auch die Universität von Manouba vor und wirbt dafür, dass die Weltfrauen dort ihre 3. Weltfrauenkonferenz abhalten: “Dort leben und arbeiten die Bäuerinnen, sie können wir dann zur Konferenz einladen, das ist wichtig, Tunesien hat viele Bauern“. Sie spricht auch über die Fabriken die dort sind – und die Arbeiterinnen.

Latifa Taamallah
ist das Frauenkomitee der PPDS. Es wurde anlässlich der Vorbereitung für die 3. Weltfrauenkonferenz gegründet und nach Latifa Taamallah benannt, die ihre Genossin war und 2013 starb. Sie freuen sich, dass wir gekommen sind und sie stellen ihre Arbeit vor. Sie haben ein Programm für unsere Reise gemacht. Wir werden gemeinsam weitere Frauenorganisationen besuchen und für die Mitarbeit an der 3. WFK werben. Es sind Frauenorganisationen von Parteien, Gewerkschaften oder NGO´s.
Wir werden sehr gut versorgt, sind gut untergebracht und genießen die große Gastfreundschaft.

National Union of Tunisian Women
Diese Organisation ist eine NGO; sie wurde 1956 gegründet, als Tunesien unabhängig wurde, und ist in vielen sozialen Bereichen für Frauen aktiv. Sie kooperieren mit europäischen Organisationen. Sie haben das erste Frauenhaus in Tunesien 2003 gegründet. Das Frauenhaus wird von der US Botschaft finanziert. Die Frauen sind begeistert nach unserem Besuch und sie denken darüber nach, wie sie die WFK unterstützen können. Vielleicht können sie Räumlichkeiten oder Schlafplätze in ihren Zentren organisieren. Es ist historisch eine wichtige Organisation die dafür sorgte, dass viele Frauen lesen lernten und bewusster wurden.

Auf einem Graffiti entdeckten wir EnaZeda, eine tunesische Bewegung gegen sexuelle Belästigung. Das wareine der Forderungen der Massenaufstände bis 14.1.2011, die zum Sturz von Ben Ali führten. 2017 wurde ein Gesetz zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen und zur Gleichstellung der Geschlechter in Tunesien verabschiedet.

Meeting mit der Gewerkschaft der Journalisten – snjt – Syndicat National des Journalistes Tunisiens. 60% der Mitglieder sind Frauen. Das Syndicat arbeitet nicht mit der Regierung. „Wir glauben an den Kurs der WFK weil er universell ist.“

Die Union Générale de Tunisienne du Travail – UGTT ist ein gewerkschaftlicher Dachverband für alle Berufsgruppen. Das Treffen fand im Straßencafé statt weil die Räumlichkeiten von internationalen Arbeitern genutzt wurden. Die Gewerkschaft hat ein Büro der Arbeiterinnen und der Jugend. Der Grundgedanke der WFK, dass die Basisfrauen, die Arbeiterinnen und hier besonders auch die Bäuerinnen zusammen kommen und sich organisieren, stößt auf Zustimmung. Unsere Gesprächspartnerin wird das in ihr Büro einbringen, schlägt eine Mitarbeit vor.

Das nächste Meeting ist bei ATFD, Association tunisienne des femmes démocrates. Sie sind eine Partnerorganisation von Oxfam /Deutschland. Sie setzen sich für die Umsetzung des Gesetzes gegen Gewalt an Frauen von 2017 ein und unterstützen Frauen und Mädchen, die von Gewalt betroffen sind mit unterschiedlichsten Angeboten, eine NGO. Sie möchten einen Workshop organisieren und einen Livestream.

Vorletztes Meeting bei „Horra“ oder „free women“ Frauenorganisation der PPDU.
Dann die tunesische Liga zur Verteidigung der Menschenrechte (LTDH), die letzte Station vor dem großen öffentlichen Vorbereitungstreffen.

Öffentliches Vorbereitungstreffen mit:
Latifa Taamallah; Horra; Liga der Menschenrechte, 1 Million Rural Women and Landless People; green Association. Halinka zeigt einen Powerpoint Vortrag über die Entstehung, Charakter und Prinzipien der WFK. Alle Anwesenden möchten sich aktiv an der Vorbereitung beteiligen. Manouba ist der Wunschort.

Mögliche Orte für die WFK die wir besichtigten und Fotos für euch gemacht haben:
Der Kulturpalast von Tunis – wahrlich ein Palast, aber er war ungeeignet in seiner
Raumaufteilung und viel zu teuer

Das Ministerium für soziale Angelegenheiten, Erwachsenenbildung
Der Bürgermeister von Tunis bemühte sich um einen Konferenzort aber leider – zu klein!

Die Universität von Manouba, sie liegt im Nordosten Tunesiens, westlich von Tunis. Die Universität kann mit der Metro oder Taxi gut erreicht werden. Ein Taxi mit 3 Personen kostet ca. 10.-Dinar (ca. 3,50€)
Das Gelände der Universität ist weitläufig, ruhig, im Grünen, mit Vogelgezwitscher und mitten unter den Bäuerinnen, Land- und Textilarbeiterinnen. Ca. eine halbe Stunde von Tunis entfernt.
Die Universität bietet uns eine Aula mit 504 Plätzen , Plus zwei weitere mit ja 198; ein Gebäude mit 3 Stockwerken und 22 Räumen á 32 TN; eine Bibliothek wo wir die Akkreditierung machen könnten. Ein Gebäude des Medizincentrums. Eine kleine Mensa und viel Platz für Zelte im Park!
Und das Tollste – die Studentenwohnheime stehen während der WFK wegen der Semesterferien leer! 2-3 Bettzimmer, Dusche und WC auf dem Stockwerk. Wir hoffen, sie nutzen zu können. Im Moment laufen die Verhandlungen für die Anmietung des gesamten Komplexes und wir finden dass dies der beste Ort für die WFK ist.

„We are breaking free – there´s not a star in the sky that we can´t reach“.

Das könnte auch ein Motto der 3. WFK sein? Was meint ihr? Wir denken, es ist ein guter Vorschlag!

Herzlich Halinka und Suse.

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Rechenschaftslegung über die Delegationsreise nach Tunesien