Internationaler Aufruf zum 25. November 2017 – Tage gegen Gewalt an Frauen

image_pdfimage_print

Internationaler Aufruf 2017

zum Tag gegen Gewalt an Frauen  

„An diesem Tag, dem 25. November, vereinigen wir unsere Kräfte mit allen Frauen der Welt

um alle Formen der Gewalt zurückzuweisen. Der Kampf für Freiheit, Gleichheit, Gerechtigkeit, Solidarität und vor allem Frieden ist unser Anliegen“.

 Kontinentalkoordinatorinnen – Weltfrauenkonferenzen, Repräsentantin – Weltfrauenmarsch Afrika

In Westafrika sind Frauen inmitten der Kämpfe, sie sind unzählbar. Sie unterstützen nach besten Kräften die Forderungen für bessere Lebensbedingungen für Alle.

Als Hauptverantwortliche für das Überleben der Familien, sind Frauen besonders verwundbar, denn sie müssen auch während der Kämpfe für alles Notwendige sorgen. Sie müssen ihre Aktivitäten trotz aller Risiken danach ausrichten. Sie organisieren sich.

In Kenia verlieren viele junge Menschen ihr Leben im Kampf gegen Regierungstruppen. Frauen suchen verzweifelt nach Plattformen für eine Lösung. Die politische Situation erfordert, dass die Frauen ihre Stimmen gegen die Unterdrückung erheben. In Nairobi prangerte eine große Friedensdemonstration das Morden an. Aber das Töten durch Polizei und Militär geht weiter. Im Sudan sehen wir, dass die Entscheidung des Volkes für Unabhängigkeit viele Frauen großer Gewalt aussetzt. In Somalia bleibt der Militarismus die Bedrohung mit terroristischen Angriffen und Bomben. Es ist den Frauen nicht möglich sich zu versammeln. Vergewaltigung wird als eine Massenkriegswaffe eingesetzt.

In Äthiopien herrscht ein stiller Krieg, besonders „Jaruele“ suchen Zuflucht im benachbarten Kenia und Eritrea. In Ruanda verletzt die politische Klasse die Frauen. Diane Rwigara, ehemalige Präsidentschaftskandidatin wurde aufgrund dessen zu lebenslanger Haft verurteilt.

In Asien/ Bangladesh bestimmen patriarchale Strukturen das Leben der Frauen. Diskriminierung aufgrund des Geschlechts ist tief verwurzelt. Belästigung von Frauen ist kulturell akzeptiert, toleriert und legitimiert. Gewalt gegen Frauen ist überall. Frauen und Mädchen trifft Gewalt wegen der Aussteuer, Vergewaltigung, Säureangriffe, Stalking, sexuelle Belästigung. Allein von Januar bis September 2017 wurden 109 Vergewaltigungen bekannt. Von den Opfern begingen sechs Mädchen Selbstmord, fünf wurden von ihren Tätern ermordet. Vergewaltigungsopfer werden stigmatisiert und in der Mehrzahl der Fälle von der Polizei als Schuldig behandelt. Die Mehrheit der Opfer und ihre Familien verheimlichen die Schande und suchen keine Gerechtigkeit.  Aber die jungen Arbeiterinnen organisieren sich. Fast 5 Millionen Textilarbeiter*innen von Bangladesh kämpfen seit zwei Jahren und eine Erhöhung des Mindestlohns. Führer*innen ihrer Gewerkschaft, der Garment Workers Trade Union Centre (GWTUC) wurden festgenommen, viele Arbeiter*innen ohne gesetzliche Vorgaben zu beachten festgehalten. Nach dem Streik wurde 2500 Arbeitern*innen gekündigt. Fabrikbesitzer und Regierung  arbeiten Hand in Hand und versuchen die Bewegung zu unterdrücken, indem Gewerkschaftsführer*innen und Aktivisten ebenso wie Arbeiter*innen verfolgt werden. Es werden gefälschte Anklagen erhoben um die anhaltende Lohnbewegung zu sabotieren.

In Indien, Westbengalen stehen seit einem Jahr 10.000de Frauen und Männer im Widerstand gegen den Bau einer Stromtrasse und die Vernichtung der Natur durch ihr Gebiet. Polizei und Militär haben das Gebiet umzingelt, Frauen sind besonderer Gewalt ausgesetzt.

Im Mittleren Osten sind Millionen von Frauen mit den verschiedensten Ausdrücken patriarchaler Gewalt konfrontiert. Krieg, Besatzung, Vertreibung, Verschleppung und Versklavung bestimmen das Leben der mittelöstlichen Frauen. Aber sie sehen sich nicht nur als Opfer vielseitiger Gewalt, sondern sind Vorkämpferinnen im Aufbau einer auf Demokratie, Pluralismus und Freiheit basierenden Gesellschaftsordnung, was sich vor allem in Rojava zeigt. In Nordkurdistan (Türkei) hat der Staat fast alle kurdischen Frauenorganisationen dichtgemacht und hunderte Politikerinnen, Aktivistinnen und Journalistinnen eingesperrt. In Südkurdistan (Irak) steigt die Zahl der Morde und Selbstmorde von Frauen. Noch immer sind hunderttausende Iraker*innen in Flüchtllingslagern wo Frauen sexueller Übergriffen ausgesetzt sind bei schlechter Gesundheitsversorgung. Im Iran  sind sie nicht nur mit politischer Unterdrückung konfrontiert, sondern auch mit tiefverwurzeltem Sexismus und wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Das Phänomen der Kinderbräute nimmt katastrophale Ausmaße an, die Zahl zwangsverheirateter Kinder sinkt unter 10 Jahren.

Tausende palästinensische und israelische Frauen haben im September einen zweiwöchigen Friedensmarsch begonnen mit dem Ziel einen Krieg zu verhindern und ein Übereinkommen zu erzielen. Im Libanon führten Frauen einen erfolgreichen Kampf gegen das berüchtigte  „Vergewaltigungsgesetz“, welches einen Vergewaltiger vor Strafe schützte, wenn er sein Opfer ehelichte. Es gibt kein Gesetz, welches sexuelle Belästigung verbietet, deshalb haben libanesische Frauen eine neue Kampagne namens „ Es ist nicht ok gestartet.

In Lateinamerika sind Frauen aktiv für das Leben, Gesundheit, gegen Armut und für Arbeit. Immer noch sterben viele Frauen bei der Geburt ihres Kindes aufgrund schlechter Gesundheitsversorgung. Besonders betroffen ist die indigene Bevölkerung auf dem Land. Die zunehmende und brutalisierte Gewalt gegen Frauen trifft Frauen aller sozialen Schichten und Klassen. In Argentinien, Peru, Bolivien, Honduras, Nicaragua, Kolumbien, Ecuador – überall leiden Frauen unter physischer und psychischer Gewalt bis hin zu Ermordung. Täglich stirbt eine Frau durch Gewalt. „Ni Una Menos“ wurden zum gemeinsamen massenhaften Schrei und Protest von Frauen Lateinamerikas.

In Spanien gingen in Madrid 40.000 Frauen gegen häusliche Gewalt mit Todesfolge auf die Straße und schlossen sich dem Motto der lateinamerikanischen Schwestern an  „Ni Una Menos“. In Brüssel zogen über 1000 junge Frauen für sichere und straffreie Abtreibung in ganz Europa auf die Sraße. „My Body, my choice“! Polen erlebt wiederholt Massenproteste der Frauen gegen Regierung und eine weitere Verschärfung des Abtreibungsgesetzes. Sie fordern die Trennung von Staat und Kirche. Ebenso in Irland. Die Kampagne „Me too“ bringt die allgegenwärtige  sexualisierte Gewalt ans Tageslicht. In Frankreich verbinden es die Frauen mit öffentlichen Aktionen. In Deutschland tritt mit den Massenkündigungen bei Air Berlin die strukturelle Gewalt ans Licht – 8000 Beschäftigte, viele Frauen, werden auf die Straße geworfen. Während Ex-Chef Winkelmann ein Jahresgehalt von 950.000€ plus Boni erhält. In der Türkei demonstrieren Frauen unter dem Motto „Misch dich nicht in meine Kleidung ein“ gegen die steigende Anzahl von Angriffen auf Frauen aufgrund ihrer Kleidung. Protestierende Frauen haben die Regierung letzten November erfolgreich dazu gebracht ein Gesetz zurückzunehmen, welches Vergewaltiger begnadigen würde, sofern sie ihr Opfer heiraten.

« Erst wenn die Berge Kurdistans, die Täler Lateinamerikas, die Wüsten und Dörfer Afrikas, die Städte Europas und die Megastädte Asiens die Stimmen der Weltfrauen erhören, dann haben die Frauen die höchste Berge erklommen ! Lasst uns gemeinsam dafür kämpfen ! »

nach, Kathmanduerklärung der 2. Weltfrauenkonferenz 2016

Verantwortlich: Kontinentalkoordinatorinnen der Weltfrauenkonferenzen und Weltfrauen

Download Aufruf: 171103 Internationler Aufruf zum 25. November 2017

KategorienAllgemein

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

15 − vierzehn =