Brief an die russischen Weltfrauen

Courage Gruppe Berlin Mitte

Karola Kücken, Europadelegierte  Deutschland

Berlin , 4.4.2017

Liebe Ludmilla, liebe kämpferischen Frauen in Russland,

Aus den Medien in Deutschland war in den letzten Tagen zu erfahren, dass  die Duma-Abgeordneten mit nur einer Gegenstimme, ein  Gesetz beschlossen hat, das in Russland  Strafen bei häuslicher Gewalt in bestimmten Fällen als Bagatelldelikt behandelt. Gewalt wird nicht mehr als Straftat, sondern lediglich als Ordnungswidrigkeit gewertet. Bislang waren dafür Strafen von bis zu zwei Jahren Gefängnis vorgesehen, nun sollen nur noch Geldstrafen gelten. Eine härtere Strafe soll nur dann verhängt werden, wenn die Schläge mehr als einmal im Jahr vorkommen, Blutergüsse sichtbar sind oder Knochen brechen.

Das bedeutet für unzählige Frauen grausame und brutale  Gewalt im Alltag erleben zu müssen, ohne dass die Täter zur Rechenschaft gezogen werden und ohne vom Staat geschützt zu werden.  Es ist ein Faustschlag ins Gesicht aller Frauen, die Opfer von Häuslicher Gewalt  waren und sind. Das sind in Russland geschätzte  25 Misshandlungen pro Minute allein im häuslichen Bereich.

Wir sind entsetzt darüber, dass es den erzkonservativen Abgeordneten der Duma gelungen ist erkämpfte Rechte als  „ Teil der russischen Familientradition“ zu deklarieren und im mittelalterlichen Rückschritt zu marschieren. Auch die russisch-orthodoxe Kirche unterstützt das Gesetz.

Ein Abgeordneter der Duma sagte vor der Kamera, dass es Kritik an diesem Gesetz lediglich von Feministinnen und Lesben gäbe!!!

Die grausame Realität ist:  in Russland  stirbt alle 40 Minuten eine Frau an Häuslicher Gewalt.

Wir haben uns in Kathmandu zur 2. Weltfrauenkonferenz zusammengeschlossen und die große Kraft der Solidarität in der internationalen Frauenbewegung erfahren.

In der Abschlussresolution heißt es:

„Weltweit bleibt die Emanzipation der Frau eine Herausforderung. Patriarchale Strukturen werden vom Imperialismus verfochten, um die Massen zu spalten und die Frauen unterdrückt zuhalten. Aber Frauen stärken weiter ihre Bewegungen und stehen auf!  Ein Jahr vor dem hundertjährigen Jubiläum der Russischen Revolution werden Frauen immer noch gleiche Chancen, gleiche Rechte, reguläre Arbeitsplätze, gleicher Lohn für gleiche Arbeit, eine bedeutende Rolle in der gesellschaftlichen Produktion und viele andere Rechte verwehrt. Oft wird versucht, bereits erkämpfte Rechte wieder einzuschränken.“      

Auf der Europakonferenz im November 2016 in Deutschland, wurde uns berichtet über die Kämpfe und auch über die Schwierigkeiten.

Dennoch rufen  wir Euch zu: lasst Euch diesen Rückfall ins Mittelalter nicht bieten, kämpft und streitet weiterhin für Eure Rechte.

In diesem Sinne möchten wir  Euch unserer Solidarität in diesem  Kampf versichern und Euch Kraft und Energie wünschen. Jahrhunderte lang haben Frauen in aller Welt  gekämpft und sich gegen Gewalt gewehrt. Und wir werden nicht nachlassen, wir  werden uns zusammenschließen und   gemeinsam  für unsere Rechte und unsere Würde kämpfen.

Koordinieren wir unsere Kämpfe! In jedem Kampf müssen sich die Frauen sicher sein, dass sie unterstützt werden und dass ihre Kämpfe weltweit bekannt gemacht werden!“ ( Aus der Abschlussresolution von Kathmandu)

Lasst uns wissen, wie genau wir Euch unterstützen können.

Was haltet Ihr davon, allen Frauen, die mit uns auf der 2. WFK in Nepal die Anschlussresolution verabschiedet haben,  einem gemeinsamen Tag des Protestes gegen dieses Gesetz vorzuschlagen, z:B. vor den russischen Botschaften in den Ländern. Wir müssen zeigen, dass wir gemeinsam kämpfen, dass wir stark sind  und dass Ihr nicht allein seid.

Wir sind an Eurer Seite, mit kämpferischen Grüßen aus Berlin

Die Frauen der Couragegruppe Berlin Mitte

 

 

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