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Stellungnahme zur Verleihung des Steiger Awards an den türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan

Bundesverband der Migrantinnen in Deutschland e.V.

Wir protestieren! Wer Menschenrechte und Meinungsfreiheit mit Füßen tritt, verdient keine Auszeichnung!

Wir Frauen im Bundesverband der Migrantinnenverband protestieren gegen die Verleihung des Steiger Awards an den türkischen Ministerpräsidenten R.T.Erdogan! Es ist ein gänzliche Fehlentscheidung der Jury, den Steiger Award an einen Politiker zu verleihen, der für Intoleranz, Diskriminierung, Gewalt und Spaltung gegen die türkische und kurdische Bevölkerung steht! Anbetracht der Tatsache, dass der Award u.a. für Offenheit, Toleranz und Geradlinigkeit steht, macht sich die Jury und die Verantwortlichen des Steiger Awards mit der Nominierung Erdogans selbst unglaubwürdig. Das Argument, der türkische Ministerpräsident würde den Award stellvertretend für die in Deutschland lebenden türkeistämmigen Menschen erhalten, betrachten wir als puren Zynismus und völlig abwegig. So fragen wir uns: Warum verleiht man dann diesen besagten Preis nicht an diese Menschen selbst?

Wer Menschenrechte und den freien Gedanken im eigenen Land mit Füßen tritt, hat keine Auszeichnung verdient! Seit Wochen überschlagen sich die Meldungen über inhaftierte JournalistInnen, PolitikerInnen, Bürgermeister, Intellektuelle,  MenschenrechtlerInnen, GewerkschafterInnen in der Türkei. Ihr einziges „Vergehen“: Sie setzen sich Demokratie, freie und unabhängige Presse, Frieden und soziale Rechte ein!

Im aktuellen Pressefreiheit-Ranking 2011 (Press Freedom Index) der Menschenrechtsorganisation „Reporter ohne Grenzen“ steht die Türkei auf Rang 148 von insgesamt 178 Ländern. Die freie Presse- und Meinungsfreiheit ist seit Monaten faktisch aufgehoben. Seit 2009 wurden 103 JournalistInnen inhaftiert. Am 13.03.2012 ist in der Türkei die Verfolgungsverjährung für die Täter des Sivas-Massakers im Jahr 1993 eingetreten. Bei dem Brandanschlag auf ein Hotel starben 35 Intellektuelle, Künstler, Schriftsteller und Menschen alevitischen Glaubens. Die Regierung hätte hiergegen rechtliche Maßnahmen ergreifen können, wenn sie die Straftat als ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit eingestuft hätte!

Derselbe Regierungspräsident schloss die Augen vor den miserablen Zuständen im Pozanti-Gefängnis, in dem vor wenigen Wochen 7 inhaftierte Kinder misshandelt und vergewaltigt wurden. Auch ist es derselbe Regierungspräsident, der mit der geplanten Bildungsreform mit der Bezeichnung „4+4+4“ einen Freifahrtsschein für Kinderarbeit und Kinderheirat ausstellt! Seit der Regierungsübernahme durch die AKP unter Tayyip Erdogan sind Fälle von Gewalt gegen Frauen um 1.400 Prozent gestiegen! Allein im  Jahre 2011 starben in der Türkei  insgesamt 232  Frauen an den Folgen von Gewalt!

Wir Frauen im Bundesverband der Migrantinnen protestieren gegen die Auszeichnung des Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogans mit dem Steiger Award! Tayyip Erdogan besitzt also unter keinem Umstand die Tugenden Toleranz, Offenheit, Menschlichkeit und Geradlinigkeit. Ganz im Gegenteil: Er konterkariert sie. Die Verleihung entspricht daher einem Schlag ins Gesicht aller Menschen in der Türkei, die sich für Demokratie und Menschenrechte einsetzen!

Download:

Protestschreiben_Steiger Awards.1

Frankfurt, 13.03.2012

8.-März-Botschaften von Frauen aus den türkischen Gefängnissen

Mitteilung von CENI März 2012

8.-März-Botschaften von Frauen aus den Gefängnissen

Laut den aktuellen Statistiken der BDP begingen 429 politische Aktivistinnen den Weltfrauentag vom 8.März in Haft. Mit Selma Irmak und Gülser Yıldirim sind zwei von ihnen gewählte Parlamentarierinnen. Dazu kommen mit Fatma Kurtalan eine stellvertretende Vorsitzende der Partei und vier gewählte oder ehemalige Bürgermeisterinnen – Die Bürgermeisterin von Wêranşar (Viranşehir) Leyla Güven, ehemalige Bürgermeisterin von Wan (Van) Bostaniçi Gülcihan Şimşek, die durch den Staat ihres Amtes enthobene Bürgermeisterin von Gewer (Yüksekova) Ruken Yetişkin, und die Bürgermeisterin von Dêrika (Derik) Belediye Çağlar Demirel. Unter den weiteren inhaftierten Aktivistinnen befinden sich Partei- und Kreisvorstandsmitgliederinnen, Journalistinnen, Gewerkschaftlerinnen, Akademikerinnen und Anwältinnen. Doch die bewussten Angriffe des Staates, gerade gegen weibliche Aktivistinnen, tragen nicht dazu bei, dass die Frauen in ihrem Widerstand geschwächt werden. Im Gegenteil, die die vermehrte Beteiligung der Frauen am Ort des radikalen Widerstands auf der Straße, ist unverkennbar. Und auch im Gefängniswiderstand ist Frau aktiv.

In einer gemeinsamen Erklärung mehrerer inhaftierter Aktivistinnen, darunter Prof. Dr. Büşra Ersanlı, die Journalistin Zeynep Kuray und Fatma Kurtalan, an die Nachrichtenagentur ANF, haben sie Bezug zur Bedeutung des 8.Märzes genommen. Hier einige kurze Statements der Frauen:

Prof. Dr. Büşra Ersanlı: Die kurdische politische Bewegung, konkret die BDP mit ihrer Wertlegung auf die Geschlechterquote, hat den Freiheitskampf der Frau für die Türkei und die gesamte Welt sichtbar gemacht.

Fatma Kurtalan: Unser Aufschrei nach Freiheit wird auch diese Wände, die uns umgeben, niederreißen. Und der Funke einer friedlichen Zukunft wird uns erhellen.

Ayşe Berktay (Dolmetscherin): Der 8.März ist unser Widerstand gegen die männliche Herrschaft, gegen die Ungerechtigkeit, gegen die Verleugnung und Ausbeutung.

Sakine Güven (Friedensmutter): Dass unser Körper hier in Gefangenschaft ist hindert uns nicht daran, dass unser Geist am 8.März mit den Frauen da draußen die Plätze füllt.

Hatice Vural (Stadträtin): Genau mit derselben Begeisterung wie unsere Genossinnen da draußen, werden wir hier den 8.März begehen.

Hediye Aksoy (Krebskranke Inhaftierte): Für mich ist der 8. März der Kampf um meine Existenz. Er ist mein Widerstand, meine Kraft zum kämpfen. Die eigentliche Freiheit wird ihren Sinn durch uns Frauen erhalten.

Lütfiye Gürbüz (Friedensmutter): Unsere Begeisterung und unsere Moral hat unter Beweis gestellt, dass der Ort, an dem wir uns befinden, für uns keinerlei Bedeutung hat.

Download:

Mitteilungen zum 8. März von im Gefängnis inhaftierten Frauen

 

Aufruf Ceni zur Frauendelegation nach Kurdistan im Sommer 2012

25. Februar 2012

Aufruf zur Unterstützung der Frauenakademie in Amed und zur Frauendelegation im Sommer 2012 nach Kurdistan!

Seit mehreren Jahren werden in Nordkurdistan in Zusammenarbeit mit Frauenorganisationen und der Partei für Frieden und Demokratie (BDP) Frauenakademien – und Zentren aufgebaut. Hierüber ist bislang nur wenig in der deutschen Öffentlichkeit bekannt. Wir möchten mit einer Frauendelegation die Frauenakademien- und Zentren besuchen, um diese Arbeiten kennenzulernen, uns auszutauschen und voneinander zu lernen.

Die „Frauenakademie Diyarbakir“ ist eines der Projekte, die wir besuchen wollen. Sie wurde am 30. Juni 2010 im Stadtteil Sûr der kurdischen Stadt Amed (türkischer Name: Diyarbakir) gegründet. In einer Selbstdarstellung erklärt die Frauenakademie ihre Ziele, Prinzipen und Lehrinhalte folgendermaßen:

Download:

Aufruf_Frauendelegation_2012