Bericht vom 28. September aus Brüssel

 

Europakoordinatorin Suse Bader 

12.10.17

„My body my choix!“ und „Wir wollen kein Weißes Haus, wir wollen Revolution“

skandierten über 1000 meist junge Frauen am 28. September, dem Internationalen Tag des Rechts auf Abtreibung bei einer Demonstration in Brüssel. Der Weltfrauenmarsch Europa hatte im Rahmen der Kampagne „für das Recht auf Abtreibung in ganz Europa!“ aufgerufen. Die Kampagne zielt darauf, „dass die Rechte der Frauen, die Freiheit über ihren Körper zu verfügen, das Recht auf Abtreibung und Gesundheit in allen europäischen Ländern respektiert werden und als Grundrecht für die Gleichheit in das europäische Recht aufgenommen werden.“ (Europäischer Aufruf)

Mit ihrer Kampagne greift der Weltfrauenmarsch ein wichtiges und hochaktuelles Thema der Frauenbewegung auf und positioniert sich dabei auch gegen „reaktionäre, konservative und rückwärtsgewandte Regierungen“ (Europäischer Aufruf). Besonders die Delegationen aus Polen und Irland wurden stürmisch begrüßt. Weitere Delegationen kamen aus der Schweiz, Polen, Frankreich, Niederlande, Spanien, England und aus Deutschland war ich als Europakoordinatorin der Weltfrauenkonferenzen angereist.  Zeitgleich demonstrierten Frauen (und Männer) in Portugal, Italien, Griechenland und außerhalb Europas in Brasilien.

Die Demonstration wurde geprägt von den jungen Frauen mit ihren selbstgemachte Schildern und ihrem enthusiastischen Auftreten. Sie forderten „wir wollen eine Wahl, immer“! „Mein Körper – meine Wahl“, „Wir kämpfen, bis wir eine sichere Abtreibung haben, Bestrafung muss weg“ und immer wieder „so, so so – solidarité avec les femmes du monde entiers“. Vier junge Mädchen mit afrikanischen Wurzeln: „wir sind hier, weil es Möglichkeit gibt, die Situation der Frauen zu verbessern – besonders in Afrika.“ Andere forderten „Die Politik über unseren Bauch nicht auf unserem Rücken!“ Die Delegationen zeigten auch eine Verbindung von Gewerkschafts- und Frauenbewegung. Meine Teilnahme und der Weltfrauenprozess wurden mit großem Respekt und Freude begrüßt. Viele Visitenkarten wechselten die Besitzer – ein neues Band in der europäischen Koordinierung. Eine besondere Freude war für mich die spontane Einladung, als Beobachterin am anschließenden Kongress der Weltfrauenmarsches teilzunehmen. Hier lernte ich u.a. Grace aus Mosambik, Vertreterin des Internationalen Sekretariat des Weltfrauenmarsch kennen. Sie hatte schon viel über die Weltfrauenkonferenzen gehört. Vania, Mitglied der europäischen Koordinierung aus England, wollte die Weltfrauenkonferenzen am zweiten Konferenztag vorstellen.

In der aktuellen Presserklärung schreiben sie: „wir haben eine Petition an Mitglieder des Europäischen Parlament übergeben, für die Anerkennung des fundamentalen Rechts aller Frauen in Europa, über ihren Körper frei bestimmen zu können.“

Darüber hinaus gehen ihre Forderungen: „…..die Grenzen zu öffnen und das Recht überall zu leben“….. „Die Migration ist die Konsequenz der unterschiedlichen Formen der Gewalt gegen Frauen in ihren Herkunftsländern wie Hunger, Armut, Kriege, Ausbeutung der Ressourcen durch die multinationalen Konzerne, die Umweltzerstörung sowie geschlechtsspezifische Gewalt.“ Sie fordern „die Anerkennung der Gewalt gegen Frauen auf den Fluchtwegen als Asylgrund“…. „den sofortigen Stopp von Abschiebungen. Freiheit für alle politischen Gefangenen in der Türkei.“

So vieles eint unsere Bewegungen – gemeinsam sind wir stark!