Monika Gärtner-Engel – Aufruf zur Solidarität

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09.08.2014

Monika Gärtner-Engel – Europa-Koordinatorin der Weltfrauenkonferenz

Gaertner.engel@t-online.de

6.8.2014MGE mit Kurdin

Als  Europa-Koordinatorin der Weltfrauenin Deutschland bin ich zutiefst besorgt und entsetzt über die aktuelle Entwicklung in Südkurdistan /Nordirak, wo am 3. August die faschistisch-islamistische IS (früher ISIS) die Stadt Sengal (Sindschar) im Norden des Iraks eingenommen hat und mit einem Massaker gegen Bevölkerung Sengals droht.

Die Bevölkerung von Sengal gehört der kurdischen Religionsgemeinschaft der Yeziden an. Aufgrund der Furcht vor Massakern durch die Islamisten befinden sich zehntausende Menschen aus der Region auf der Flucht. Viele der Menschen flüchten in Richtung Norden nach Dihok (Dohuk) in die Autonome Region Kurdistan. Diejenigen, die allerdings keine Fahrzeuge mehr finden konnten, flüchteten zu Fuß auf die an die Stadt angrenzenden Sindschar Berge. Auch rund 20.000 turkmenische Schiiten, die nach der Einnahme ihrer Heimatstadt Tal Afar nach Sengal geflohen waren, flüchteten weiter in dasselbe Gebirge. Durch die knappen Lebensmittelvorräte droht eine humanitäre Katastrophe für die Menschen in den Sindschar Bergen.

Ich fordere alle „Weltfrauen“ in Deutschland und alle fortschrittlichen Kräfte auf, Öffentlichkeit herzustellen, sich an Protesten und Demonstrationen zu beteiligen und die mutigen Kämpferinnen und Kämpfer für Demokratie und Freiheit zu unterstützen.

Aktuell ruft das Demokratische Gesellschaftszentrum (NAV-DEM) zu Demonstrationen auf, um auf das drohende Massaker gegen die Yeziden aufmerksam zu machen.

9.08.2014

Hamburg, 15.00, HBF (Hachmann)

Bielefeld, 14.00, HBF (Zentraldemo von Föderation der Êzîdîschen Vereine e.V.)

Weitere Informationen:

http://ezidipress.com/?p=2763

In Deutschland ruft das Demokratische Gesellschaftszentrum (NAV-DEM) zu Demonstrationen auf, um auf das drohende Massaker gegen die Yeziden aufmerksam zu machen. Bislang sind für folgende Städte Demonstrationen angesetzt:

04.08.2014

Düsseldorf, 17.00, Willi-Becker-Allee 10
Bielefeld, 14.00, Jahnplatz
Köln, 13.00, Ebertplatz
Gießen, 18.00, Marktplatz

05.08.2014sengal2-kopie

Dortmund, 15.00, Bornstraße 160
Oldenburg, 16.00, HBF

06.08.2014
Saarbrücken, 18.00, Europagalerie
Berlin, 17.00, Pariser Platz/ Brandenburger Tor
Basel, 18.00, Claramatte

07.08.2014
München, 16:45 Uhr, Karlsplatz

09.08.2014
Hamburg, 15.00, HBF (Hachmann)
Bielefeld, 14.00, HBF (Zentraldemo von Föderation der Êzîdîschen Vereine e.V.)

Pressemitteilung von Civaka Azad, 04.08.2014

IS nimmt yezidische Stadt Sengal (Sindschar) ein – Kurdische Peshmergekräfte ziehen sich zurück – Tausende Menschen flüchten vor drohendem Massaker – YPG rückt für Kampf gegen IS aus Rojava an

Nach zweitägigen Angriffen haben Kämpfer des Islamischen Staates (IS) am 3. August die Stadt Sengal (Sindschar) im Norden des Iraks eingenommen. Kurz vor der Einnahme der Stadt durch die Islamisten wurde vermeldet, dass die südkurdischen Peshmergekräfte sich aus der Region zurückziehen und die Bevölkerung gegen die Islamisten sich selbst überlassen werden.

Die Bevölkerung von Sengal gehört der kurdischen Religionsgemeinschaft der Yeziden an. Aufgrund der Furcht vor Massakern durch die Islamisten befinden sich zehntausende Menschen aus der Region auf der Flucht. Viele der Menschen flüchten in Richtung Norden nach Dihok (Dohuk) in die Autonome Region Kurdistan. Diejenigen, die allerdings keine Fahrzeuge mehr finden konnten, flüchteten zu Fuß auf die an die Stadt angrenzenden Sindschar Berge. Auch rund 20.000 turkmenische Schiiten, die nach der Einnahme ihrer Heimatstadt Tal Afar nach Sengal geflohen waren, flüchteten weiter in dasselbe Gebirge.
Durch die knappen Lebensmittelvorräte droht eine humanitäre Katastrophe für die Menschen in den Sindschar Bergen. Am späten Abend erreichte uns eine Meldung, wonach die Islamisten einen Teil der Flüchtlinge in den Bergen umzingelt hätten und ihnen eine Frist bis zum Morgen gegeben hätten, um zum Islam zu konvertieren. Sollte das nicht geschehen, werde man sie mit dem Tode bestrafen. Um wie viele Menschen es sich hierbei handelt und wie ihre Situation jetzt ist, ist derzeit unklar.

Nach dem Rückzug der Peshmergekräfte aus Sengal gab es Meldungen, dass diese sich nur vorübergehend zurückgezogen hätten, um auf weitere Unterstützung zu warten. Bis gestern Abend bewahrheitete sich diese -Meldung allerdings nicht. Stattdessen erreichten knapp zwei Stunden, nachdem der Einzug der Islamisten in die Stadt vermeldet wurde, Kämpferinnen und Kämpfer der YPG (Volksverteidigungseinheiten) aus Rojava (Nordsyrien) die Region Sengal, um gegen die Islamisten zu kämpfen. Die Kämpfe zwischen beiden Gruppen konzentrieren sich seither im Norden von Sengal auf den Ort Sinunê.

In Sengal sollen die Mitglieder der IS bereits die ersten Massaker an der Zivilbevölkerung verübt haben. Laut Angaben des Pressesprechers der PUK (Patriotische Union Kurdistan) in Mosul Xeyri Sengali sollen die Islamisten im Til Izer bei Sengal zwölf Menschen aus derselben Familie ermordet haben. Zudem seien dutzende Mädchen und junge Frauen von den Islamisten entführt worden.

Die Bevölkerung von Sengal hatte in der jüngeren Vergangenheit mehrfach die politischen Verantwortlichen in der Autonomen Region Kurdistan dazu aufgerufen, die Sicherheitsvorkehrungen für die Stadt zu verstärken, da die dort lebenden Yeziden erklärtes Ziel der Islamisten seien. Ein Angebot der Gemeinschaft der Gesellschaften Kurdistans (KCK) aus den Kandilbergen, dass die Volksverteidigungskräfte der HPG für den Schutz von Sengal sorgen könnten, wurde von der KDP unter der Führung von Barzani nicht gestattet. Im Zuge der aktuellen Angriffe von IS und dem Rückzug der Peshmergekräfte der KDP erneuerten nun die Yeziden aus Sengal mit einem dringenden Aufruf die Bitte um Unterstützung bei der Verteidigung ihrer Heimat.

Die Stadt Sengal gilt als heilige Stätte für die Glaubensgemeinschaft der Yeziden. Sie war bereits im August 2007 Angriffsziel islamistischer Organisationen. Bei mehreren zeitgleichen Bombenanschlägen wurden damals über 700 Zivilisten ermordet.

Neben Sengal sind auch an irakischen Grenze zu Rojava/Nordsyrien im Ort Rabia Auseinandersetzungen zwischen der YPG und IS ausgebrochen. Auch dort zogen sich zunächst die unter der Kontrolle der südkurdischen KDP stehende Peshmergekräfte vor den Gefechten mit den Islamisten zurück. Rund 700 von ihnen verließen ihre Stellungen und flohen über den Grenzübergang Til Koçer (Al Yarubia) nach Rojava. Später erreichten uns allerdings Meldungen, dass Teile der Peshmergekräfte an der Seite der YPG den Kampf gegen die Islamisten aufgenommen haben.

Durch die Angriffe auf Sengal und Rabia beabsichtigt IS von Mosul aus in Richtung Westen über Tal Afar bis zur Grenze nach Rojava einen Korridor unter ihre Kontrolle zu bringen. Über dieses Gebiet könnten die Islamisten auch zu neuen Angriffen gegen den Kanton Cizîre in Rojava ansetzen.

In Anbetracht der aktuellen Entwicklungen in Südkurdistan forderte Nilüfer Koç, Ko-Vorsitzende des Kurdistan Nationalkongresses (KNK), auf unsere Anfrage, dass die kurdischen politischen Kräfte eine gemeinsame Verteidigungslinie entwickeln müssen. „IS greift die gesamte Gesellschaft an. Sie zwingt die Menschen aus der Region nicht nur ihre Heimat zu verlassen, sie zerstört auch das kulturelle Erbe Mesopotamiens. IS will sich für ihre Niederlage in Kobanê nun in Sengal rächen. Wenn die gesamte Gesellschaft zum Ziel der Angriffe der IS gemacht wird, so müssen die Gesellschaft und die Politik gemeinsam gegen diese Gruppe agieren. Eine gemeinsame Verteidigungslinie aller kurdischen politischen Kräfte ist unabdingbar“, so Koç.

Eziden brauchen schnelle Hilfe – Abgeordnete Ulla Jelpke bricht nach Kurdistan auf

Ulla Jelpke, Innenpolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE. im Bundestag, 04.08.2014

„Terrorbanden des Islamischen Staates haben am Wochenende das wichtigste Siedlungsgebiet der Eziden um die Provinzhauptstadt Shingal und den Ursprungsort dieser jahrtausendealten monotheistischen Religionsgemeinschaft im Irak erobert. Wenn nicht schnell gehandelt wird, bedeutet dies das physische Ende der Eziden im Irak“, warnt die innenpolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE. im Bundestag Ulla Jelpke.

„Bereits jetzt erreichen uns Berichte von Massakern an Zivilisten. Zweihunderttausend Menschen wurden vertrieben, Zehntausende sind in die umliegenden Berge geflüchtet, einige sind dort schon wegen Versorgungsmangel gestorben. Die Terroristen haben rund hundert Mädchen und junge Frauen verschleppt, von denen weiter jede Spur fehlt“ beschreibt Cindi Tuncel, ezidischer Abgeordneter im Bremer Landtag die katastrophale Situation.

„Nach dem Zusammenbruch der kurdischen Verteidigungsstellungen in Shingal blieb die Zivilbevölkerung den Gotteskriegern schutzlos ausgeliefert. Den seit Sonntag auch im Nordirak kämpfenden YPG gehört meine volle Solidarität, denn sie verteidigen das Überleben aller religiösen und ethnischen Minderheiten der Region“, so Jelpke weiter. Die Abgeordnete ist am Montag zu einer zweiwöchigen Reise in die kurdischen Gebiete der Türkei, Syriens und des Irak aufgebrochen, um sich mit eigenen Augen ein Bild von der Situation vor Ort zu machen.

„Die Bundesregierung ist aufgerufen, sofort humanitäre Hilfe für die Zehntausenden in die Berge von Shingal geflohenen Flüchtlingen zu leisten, sonst droht eine humanitäre Katastrophe“ fordert Tuncel abschließend.

Ulla Jelpke, MdB

Information:

Wo leben die Yesiden?
Die religiöse Minderheit der Jesiden stammt aus dem Irak, Syrien, der Türkei und Iran. Die Jesiden sind Kurden und leben vor allem in der Gegend um die nordirakische Stadt Mossul und im nahe gelegenen Sindschar-Gebirge. Wegen der Verfolgung vor allem im Irak sind viele Anhänger der monotheistischen Religion ins Ausland geflohen. Weltweit soll es nach Schätzungen rund 500.000 bis 800.000 Jesiden geben. Die Gemeinde in Deutschland zählt nach Angaben des Zentralrats der Jesiden rund 60.000 Menschen.

 

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