Aufruf der Weltfrauen Europa zum 25. November 2012 (deutsch – englisch – französisch)

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“Wir kämpfen dort, wo das Leben ist.“     „Am 25. November, dem Tag gegen Gewalt an Frauen, bekämpfen wir alle Formen der Gewalt gegen Frauen! Besonders

klagen wir Gewalt als Folge imperialistischer Aggressionen und Kriege gegen die Völker an, in denen die Frauen zu Opfern und Kriegstrophäen werden.“ (aus der Abschlussresolution der Weltfrauenkonferenz der Basisfrauen in Venezuela 2011)

Derzeit befinden sich in Syrien weit über eine Millionen Menschen auf der Flucht, 2/3 davon Frauen und Kinder. Aus dem berechtigten Kampf der im März 2011 entstandenen Aufstandsbewegung in Syrien ist ein zwischenimperialistischer Macht- und Konkurrenzkampf entstanden. Vergewaltigungen werden auch hier eingesetzt, um den Widerstand zu brechen.

Frauen aus dem asiatisch-pazifischen Raum sehen die Hintergründe der Militärpräsenz der USA vor allem darin, dass sie Asien als einen großen Markt betrachten, den sie kontrollieren möchten. Ihre Militärpräsenz verstärkt nur die Aggression, die Kriegsgefahr und intensiviert eine allgemeine Militarisierung. Sie unterdrücken die Menschen, die in dieser Region für einen Wandel kämpfen, mit Gewalt. Die Frauen beklagen, dass die Opfer solcher Gewalttaten fast nie Gerechtigkeit erfahren, da die USA kriminell gewordene US-Soldaten sofort außer Landes bringt.

Rückblickend auf das Jahr 2012 sehen wir rund um den Erdball mutige und selbstbewusste Frauen, die Gewalt und Unterdrückung nicht länger erdulden wollen. Gewalt an Frauen ist untrennbar mit den kapitalistischen Verhältnissen verbunden, gegen die es eine wachsende Rebellion von Frauen, Männern und Jugendlichen in aller Welt gibt. Nicht umsonst stehen die Frauen hier vielfach vorne dran!

Die Pflanzen des arabischen Frühlings treiben Wurzeln

Im August dieses Jahres riefen die tunesischen Frauen durch die Straßen von Tunis „Wir wollen die zweite Revolution“. Anlass der Demonstration war der Entwurf für die neue tunesische Verfassung, in der nicht mehr wie bisher von Gleichberechtigung von Mann und Frau die Rede ist. Kirche und Religion wurden schon immer benutzt, um die patriarchale Familienordnung zu stützen. Eine solche Verfassungsänderung würde auch Gewalt gegen Frauen und Mädchen und ihrer Unterdrückung sofort Tür und Tor öffnen. Im nahe gelegene  Ägypten zieht die deutsch-ägyptische Politikwissenschaftlerin und Frauenrechtlerin Hoda Salah Bilanz, als Frauen von Polizisten bedroht worden sind, weil sie Hosen tragen: „ einige der Frauen treten heute im Satellitenfernsehen auf und erzählen Millionen von Arabern, wie sie von Polizisten gedemütigt, sexuell belästigt und geschlagen wurden. Tabusätze wie “Er drohte, mich zu vergewaltigen” sprechen sie heute laut aus, voller Selbstbewusstsein. Das ist eine Revolution in sich.“

«Sagt mir nicht, wie ich mich zu kleiden habe»

ist der Slogan des «SlutWalk». Besonders junge Frauen demonstrieren in verschiedenen Städten der Welt gegen die Äußerung eines kanadischen Polizisten. Er riet Frauen, sich nicht wie «Schlampen» anzuziehen, wenn sie nicht Opfer sexueller Gewalt werden wollten. So sollen Missbrauch und Vergewaltigung gerechtfertigt werden. Immer wieder müssen wir es uns hart erkämpfen, dass Frauen über ihren Körper selbst entscheiden können, ob sie Kinder möchten oder nicht. In der Türkei, Schweiz, Spanien soll eine Verschärfung des Abtreibungsrechts wieder durchgedrückt werden. Aus der Geschichte wissen wir, dass dies zu illegalen Abtreibungen führt, die oft unter unhygienischen Zuständen durchgeführt werden und viele Frauen dabei sterben.

Im August 2012 streikten 2.500 Arbeiterinnen der Ocean-Garment-Fabrik in Kambodscha und forderten die Entlassung eines Managers. Diesem werfen die Frauen sexuelle Belästigung von vier Frauen vor.

Solidarität macht stark

Der mutige Kampf der Stahlarbeiter von Aspropirgos bekam große internationale Solidarität. Und die sah dann auch ganz praktisch aus. Die Frauen der Stahlarbeiter unterstützen den Kampf, und das taten sie, obwohl sie nicht wussten, wie die Familie in der Zeit ohne Lohn und einem geringen Streikgeld durchkommen würde. Die materielle Grundlage des Überlebens den Arbeitern zu entziehen, ist auch eine Form von Gewalt. Aber alle zählten auf die Solidarität. Die Frauen des Frauenpolitischen Ratschlags aus Deutschland schickten einen LKW voll beladen mit 270 Solidaritätspaketen nach Griechenland.

Die Folgen der Weltwirtschafts- und Finanzkrise werden vor allem auf dem Rücken der Arbeiterfamilien ausgetragen. Im August 2012 marschierten nachts spanische Bergarbeiterfrauen in Mieres, um gegen die Nichterfüllung von Zusagen zum Bergbau durch die Regierung zu protestieren.

„Gegenwärtig wächst das Bewusstsein der Masse der Frauen, dass die Gleichheit der Frauen nicht allein über formale juristische Gleichberechtigung erreichbar ist. Es wächst das Verständnis der Notwendigkeit eines weltweiten Erfahrungsaustauschs, der Zusammenarbeit, der Anregung gemeinsamer Solidaritätsaktionen. Es wächst das Verständnis, dass es notwendig ist, für die Befreiung der Frau in einer vollständig von Ausbeutung und Unterdrückung befreiten Welt zu kämpfen.

Wir erklären, dass der Kampf der weltweiten kämpferischen Frauenbewegung ein unabdingbarer Teil des Kampfs der Arbeiter, der Völker und der ganzen Menschheit für ihre Emanzipation ist. Das ist unsere Aufgabe und Herausforderung für das 21. Jahrhundert.“ (aus der Schlussresolution der Weltfrauenkonferenz, Caracas März 2011).

Dieser Aufruf wurde erstellt von

Schweizerischen Delegierten der Weltfrauenkonferenz 2011

im Auftrag des Europakomitees, Oktober 2012

Download Aufruf: Aufruf Europakomitee WFK 25. November 2012

Download Call in english: 121114 Call Europe 2511

Downoload en francais: 2012-25nov-appel-femmes mondiales.FR-1

KategorienAllgemein