Tunesien: Studentin nach 3-facher Vergewaltigung wegen Unsittlichkeit angeklagt

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Eine junge Tunesierin, Studentin, die mit ihrem Verlobten zusammen in einem Auto war, wurde von Polizisten angehalten, 
angesprochen und als „unsittlich“ beschimpft und bedroht. Die Polizisten verlangten Schweigegeld. Als das Paar sich weigerte zu zahlen, hielt einer der drei Polizisten den Mann mit Gewalt fest, während jeweils die zwei anderen die junge Frau vergewaltigten, insgesamt dreimal.

Solche ungeheuren Verbrechen passieren, sagen tunesische Frauenrechtlerinnen, immer wieder. Neu ist, dass dieses Mal das Opfer nicht geschwiegen hat, sondern öffentlich über das Verbrechen gesprochen und die Polizisten angezeigt hat.

Das Justizministerium des Landes brachte zum Ausdruck, die Polizisten hätten “ein Verbrechen begangen, allerdings ändere das nichts an den Verfehlungen der Frau“. Die junge Frau wurde tatsächlich vor Gericht gezerrt wegen unsittlichen Benehmens. Die Frauenbewegung in Tunesien kämpft für die Einstellung des Verfahrens gegen die junge Frau und für Gerechtigkeit durch ein Urteil gegen ihre Peiniger; auch international gibt es Solidaritätsaktionen.

Auf Grund der landesweiten Proteste scheint das Gericht zu erwägen, die Anklage gegen die vergewaltigte Frau zurück zu ziehen, zumindest sehen die Anwälte dafür Chancen. Erst im August haben Tausende von Tunesierinnen für die Rechte von Frauen demonstriert und unter anderem „eine zweite Revolution“ gefordert, entgegen einer Tendenz in der tunesischen Gesellschaft, dass islamistisch-fundamentalistische Kräfte stetig mehr Einfluss bekommen. Zurzeit wird eine neue Verfassung ausgearbeitet und die tunesischen Frauen sind nicht gewillt, die in der Zeit des sogenannten „Arabischen Frühlings“ erkämpften Rechte wieder herzugeben. Auch darin liegt – neben der Ungeheuerlichkeit, ein Vergewaltigungsopfer wegen Unsittlichkeit anzuklagen – die Brisanz dieses Falles.

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