Infos zur Situation der kurdischen Frauen und zum beendeten Hungerstreik

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Hier finden Sie das neue CENI-Info Nummer 9 und einen Bericht vom Besuch beim Hungerstreik in Straßburg mit Auszügen aus einem Interview mit einer der Frauen, die den Hungerstreik mittrugen im April sowie die Solidaritätsresolution für die Hungerstreikenden von Monika Gärtner-Engel

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ceni-info Nr. 9

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120503 Bericht fur homepage Solidarität kurd. Straßburg

 

Solidarität der Weltfrauen mit dem Kampf des Kurdischen Volkes!

Wir freuen uns, das am 24.4. in Straßburg 15 kurdischen AktivistInnen nach 52 Tagen ihren Hungerstreik beendet haben. Auf einer Pressekonferenz erklärten sie, dass mit der Aktion eine Mauer des Schweigens durchbrochen worden sei. Zudem sind sie davon überzeugt, dass ihre Forderungen von den entsprechenden Institutionen ernst genommen werden und von diesen praktische Schritte folgen werden.  Herzlichen Glückwunsch dazu, solidarische Grüße und gute Erholung an alle Hungerstreikenden! Wir hoffen sehr, dass sie wieder ganz gesund werden, denn wir haben uns große Sorgen um ihre Gesundheit gemacht.

Einige Tage zuvor, am 18.4. – es war der 49.Tag des Hungerstreiks – hatte eine breite öffentliche Solidaritätsaktion mit den Zielen der Hungerstreikenden stattgefunden zu der auch Leyla Zana gekommen war. Gekommen waren auch Delegationen aus Belgien, Deutschland, Italien, Niederlande, der Schweiz. An einer öffentlichen Pressekonferenz nahmen neben mehreren hundert Demonstranten auch ca.10 EU-Parlamentsabgeordnete teil. Ich fuhr nach Straßburg um mich solidarisch an der Aktion zu beteiligen, überbrachte eine Solidaritätsresolution von Monika Gärtner-Engel, Europakoordinatorin der Weltfrauenkonferenz der Basisfrauen und konnte mit Gönül Kaya, einer der Hungerstreikenen sprechen, wurde toll unterstützt von Nilüver Koc. Herzlichen Dank!

Sonja Borgwardt

 

 Solidaritätsresolution

 Liebe Freundinnen und Freunde im Hungerstreik!

Ich überbringe euch solidarische und wärmste Grüße von Monika Gärtner-Engel, Europakoordinatorin der Weltfrauenkonferenz der Basisfrauen.

Wir sind solidarisch mit eurem Kampf gegen die Unterdrückungs- und Gewaltpolitik des türkischen Staates gegenüber Kurdinnen und Kurden.

Wir protestieren gegen die Inhaftierung von über 9000 politischen Gefangenen, darunter viele  Frauen und was besonders empörend ist, 2309 Kindern unter menschenunwürdigen Haftbedingungen. Wir fordern mit euch die Aufhebung der Isolationshaft von Abduallah Özalan. Er muss freigelassen werden und alle Kinder, Frauen und politischen Gefangenen in der Türkei!

Der seit vierzig Jahren dauernde  Kampf des kurdischen Volkes in der Türkei, Syrien und dem Iran  gegen Unterdrückung, für Freiheit, Demokratie und ein menschenwürdiges Leben ist gerecht und verdient internationale Solidarität!

Der türkische Staat versucht dagegen den Freiheits-Kampf des kurdischen Volkes zu ersticken und diffamiert ihn als Terrorismus. Die Türkei steht heute weltweit an erster Stelle bei Inhaftierungen mit Begründung des Terrorvorwurfs. Wir protestieren gegen den beispiellosen Staatsterror des türkischen Staates, gegen die tägliche brutale Gewalt in den kurdischen Gebieten, gegen das Massaker in Roboskî am 28. Dezember letzten Jahres, wo durch den Angriff türkischer Kampfflugzeuge 34 Dorfbewohner ihr Leben verloren.

Und wir wenden uns entschieden gegen militärische, politische, ökonomische und logistische Zusammenarbeit  von USA, EU und türkischem Staat.

Eine Frechheit ist die Stellungnahme des Generalsekretärs des Europarates zu eurem Hungerstreik. Die Aktion behindere seine Arbeit und insbesondere die des Komitees zur Unterbindung der Folter. Diese Institutionen könnten ihrer Arbeit nur nachgehen, wenn kein äußerer Druck auf sei ausgeübt werde.

Der Freiheitskampf lebt und ist nicht auszulöschen! Beim diesjährigen Nevrozfest waren allein in Diyarbakir eine Millionen Menschen auf der Straße, mutige Frauen an vorderster Stelle.  Ihr steht nicht allein, weltweit nimmt der Kampf für Demokratie und Freiheit einen Aufschwung.

Auf unserer Europakonferenz der Weltfrauen im Januar dieses Jahr haben wir eine Resolution verabschiedet. Für Frauenrechte, Demokratie und Freiheit!

Weltfrauen im Widerstand gegen Repression und Staatsterror!

Schließen wir uns weltweit zusammen um unsere Kräfte zu stärken!

Wir wünschen euch viel Erfolg und umarmen euch liebevoll.

Wir wünschen uns, dass ihr acht gebt auf euch, eure Gesundheit und euer Leben, denn wir brauchen euch für die Zukunft, für eine Welt wo wir ohne Unterdrückung und in Freiheit und Frieden zusammen leben werden.

Herzlichste Grüße von uns allen!

Monika Gärtner-Engel

Auszüge aus dem Gespräch mit Gönul Kaya.

Gönül Kaya:  Es geht es uns gut durch die solidarische und moralische Unterstützung die wir hier haben. Gesundheitlich geht es uns natürlich nicht gut, da wir die körperlichen Auswirkungen seit dem 35.Tag spüren. Unser  Hungerstreik hat verschiedene Ziele. Wir sind damit konfrontiert, dass sowohl unser Volk, als auch unser Vorsitzender Özalan, von einer Mauer der Isolation umgeben ist. Wir sehen das an der Praktizierung der Isolation gegenüber unserem Volk und Özalan, es findet  ein politischer Genozid statt, dem gegenüber öffentliches Schweigen herrscht. Die Türkei ist Mitglied des Europäischen Rates. Es gibt eine hohe Anzahl von Migranten und Flüchtlingen die aufgrund von Verfolgung und Repression in europäische Länder gekommen sind. Vor allen Dingen seit einem Jahr hat die Zahl der Festnahmen vehement zugenommen.

Die Türkei wird in diesem Kampf gegen uns mit Kriegstechnologie, Hubschraubern und Waffen aus europäischen Ländern unterstützt.

Auf die Frage, ob die Kurden in Europa keine Freude haben, würde ich sagen, sie haben Freunde. Gibt es denn keine Menschen, die sich einsetzen für Frieden und Demokratie? Doch die gibt es. Die Forderungen, die wie gestellt haben, sollten demokratische Kräfte als ihre eigenen betrachten, so wie auch wir ihre Forderungen unterstützen. Seit Anfang des Hungerstreiks bis jetzt haben wir sehr viel Solidaritätsbotschaften bekommen, auch Besuche. Die Nachbarn hier um diesen Platz haben sich solidarisiert. Deswegen haben wir die Solidarität heute als eine Stärkung erfahren. Alles was hier in Solidarität zusammen gekommen ist, ist sehr wichtig auch für die Zukunft.

Sonja: Du sagst ihr seid isoliert. Der türkische Staat kriminalisiert den Kampf des kurdischen Volkes und bezeichnet ihn als Terrorismus. Bei Nevroz waren aber Millionen Menschen in Kurdistan auf der Straße. Der Freiheitskampf des kurdischen Volkes lebt und lässt sich nicht einfach auslöschen, genauso wenig wie der des palästinensisches Volkes. Es gibt in Nordafrika die Kämpfe für Demokratie und Freiheit, Jugendrebellion in vielen Ländern Südeuropas. Weltfrauen sind solidarisch im Widerstand gegen Repression und Staatsterror. Unser Auffassung ist, dass wir uns weltweit zusammenschließen und gegenseitige Solidarität entwickeln.

Gönül: Das sehen wir auch so: Wir teilen eure Gefühle und Auffassungen und sind solidarisch mit euch!

Sonja: Hast du einen Gruß an die Weltfrauen im Prozess der Weltfrauenkonferenz?

Gönül: Als Kurdinnen als auch als Frauen, glauben wir, dass Armut und Repression nicht von Frauen geschaffen sind. Für uns ist es unwichtig, aus welchem Land wir kommen, welche Staatsbürgerschaft wir haben, wir einfachen Frauen sind überall gleich. Mit dem existierenden System haben wir eigentlich nichts zu tun. Es ist wichtig, eine alternative Gesellschaft, ein alternatives Leben zu entwickeln. Ich glaube, dass die Weltfrauenkonferenz dazu einen wichtigen Beitrag leisten kann. Die kurdische Frauenbewegung ist auf der Ebene des Guerillakampfes, als auch in allen gesellschaftlichen Bereichen organisiert. Wir glauben fest daran, dass die Menschheit durch den Kampf der Frauen im 21.Jahrhundert voran kommt. Wir wünschen euch Weltfrauen viel Erfolg!

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