Bericht zur Veranstaltung mit Melona in Schwäbisch Gmünd: „Fight violence against women“

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Eine Vertreterin der Triumpf-Textilarbeiterinnen von den Philippinen berichtet

Melona Duclan spricht langsam und deutlich. Ihr Englisch haben viele der über 30 Anwesenden schon übersetzt, ehe sie zu Ende gesprochen hat. Ihre Hände begleiten ihren Bericht über den Kampf der Textilarbeiterinnen von Triumpf International in Manila, Philippinen, mit schüchterner Bewegung: „1663 Beschäftigte, hauptsächlich Frauen, erhielten am 4. Juli 2009 den Brief mit ihrer Entlassung. Sie traten in den Streik, der über ein Jahr dauerte.“ Melona berichtet, wie die Näherinnen zuerst, während sie Streikposten standen, mit alten Nähmaschinen der Firma Solidaritätstaschen nähten. Dann wurden Polizei und Schlägertrupps auf sie gehetzt. Die Maschinen wurden zerstört, die Frauen von den Werkstoren vertrieben. Sie nähten zuhause weiter. Über den Frauenverband Courage werden die Taschen auch in Deutschland vertrieben. Der Erlös hat einer Frau geholfen, die Miete zu bezahlen. „Der Verkauf der Taschen“, betont sie, „dient als Einnahmequelle während des Streiks, aber auch der Verbreitung ihres Kampfgeistes und der Idee der Solidarität.“

Doch Solidarität ist keine Einbahnstraße. Als in der späteren Diskussion eine Rednerin berichtet, dass der Betrieb in dem sie arbeitet, ein Hersteller von Halbleitern, gerade dabei ist, Arbeitsplätze nach Manila zu verlagern, bietet Melona an, auf den Philippinen über ihre Auseinandersetzung zu berichten.

Sieben bis neun Euro verdienen die Frauen in Manila am Tag; nötig wären 15 Euro. Sie produzieren über 10.000 Stück BHs oder Unterwäsche, haben somit dazu beigetragen, Triumpf International weltweit auf Platz 1 zu halten mit einem Umsatz von 1,6 Mrd. US$. Der Konzern versucht dafür seit Jahren ihre Gewerkschaft zu zerschlagen: „Union busting“ – ein Motiv für Verlagerung?

Das kommt nicht gut an am Montagabend im IG Metall-Gewerkschaftshaus in Schwäbisch Gmünd. Das ehemalige Stammhaus von Triumpf International in Heubach, das zur Verwaltungsstelle gehört, beherbergt heute lediglich noch eine Modellschneiderei: „Im Ostalbkreis waren traditionell die Metall- und Miederindustrie stark vertreten. Von einst 8000 bei Triumpf in Deutschland Beschäftigten sind gerade noch 2000 übrig, während weltweit die Zahl von 2000 auf 13.000 Beschäftigte stieg“, erinnerte Roland Hamm bei der Eröffnung der Veranstaltung. „Die Arbeiterbewegung muss sich international zusammen schließen“, war seine Schlussfolgerung, die dem Inhalt des ganzen Abends entsprach.

Organisiert hatten den Abend die IG Metall Ostalb, die „Deutsch Philippinischen Freunde“, die Internationale Frauenversammlung Schwäbisch Gmünd, „Solidarität International“ und der Frauenverband Courage, für dessen Aufbau und für die Fahrtkosten von Melona 144,50 Euro gespendet wurden.

KategorienAllgemein

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